Fußball-WM in den USA: Zwischen Weltuntergang und Konsumwahn
2018 in Russland, 2022 in Katar und nun 2026 in den USA. Die vergangenen acht Jahre der ausgetragenen Weltmeisterschaften waren für mich als großen Fußballfan schon ein absoluter Fiebertraum. Während ich zwar das eine oder andere Qualifikationsspiel gesehen habe, so verzichte ich aber auch dieses Jahr wieder auf die Fußballweltmeisterschaft. Mein folgender Kommentar erklärt, warum. Sowohl Sportswashing als auch der unerträgliche Marketingtrubel spielen eine große Rolle.
Trumps eigener Faschismus: Friedenspreis, Hinrichtungen, Drohungen und Kriege
Der Fußball steht für Vielfalt, Gemeinschaft, Solidarität … blah blah blah. Die höchst korrupte FIFA „lebt“ es uns allen vor. Da kann man der faschistischen Orange im Oval Office auch einen ausgedachten Friedenspreis übergeben, um noch einmal die Marketingwerbetrommel für das „Fußballfest der Vielfalt und Gemeinsamkeit“ anzukurbeln. In einem Land, das die Welt mit auf die Brust gesetzter Pistole in den Abgrund stößt.
Diese Absurdität kann man sich kaum ausmalen: Die Fußballweltmeisterschaft 2026 wird gleichzeitig in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen. Aber gerade US-Bürger mit mexikanischem Hintergrund werden zuhauf in Abschiebehaft genommen, wo sogar bereits 11 Mexikaner starben. Wie makaber soll es bitte noch werden? Zudem führten Anfang des Jahres ICE-Agenten Hinrichtungen von unschuldigen US-Bürgern auf offener Straße durch. Es starben Renée Nicole Good und Alex Pretti. Die Orange kommentierte das wie folgt: „Sind selber schuld“.
Auch droht Trump allen Ländern, die nicht seiner Meinung sind: Europa mit Krieg wegen nichtvorhandener „Besitzansprüche“ an Grönland und dem Iran mit der totalen Vernichtung, der Auslöschung einer ganzen Zivilisation. Öffentlich. Für alle einsehbar. Das verdient doch alles einen FIFA-Friedenspreis, oder? Und dort sollen jetzt Fans aus der ganzen Welt zu Gast sein? Gemeinsam ein Fußballfest feiern? In einem Land unter Trump, das offensichtlich die ganze Welt zu hassen scheint. Diese Ironie.
Fußball nur noch Mittel zum Zweck: Geld und Sportswashing sind alles, was zählt
Als Dortmund-Fan seit meiner Geburt gehört das Auspfeifen der Champions-League-Hymne der UEFA im Westfalenstadion für mich schon dazu wie mein schwarzer Tee zum morgendlichen Wachwerden. Zudem war die Aufregung unter den Fans damals riesengroß, als der BVB seine Partnerschaft mit dem Kriegswaffenhersteller Rheinmetall im Sommer 2024 verkündete. Die Proteste waren riesig. Auch ich war dabei. Genützt hat es aber wenig.
Alle, die den Fußball als Sport lieben, wissen es aber schon länger. Es geht, wie in jeder Branche, nur noch um zwei Dinge: um das sogenannte Sportswashing, um von den richtigen Problemen abzulenken, und um Geld. Als Fan steht man diesem Konstrukt mehr als machtlos gegenüber. Der Sachverhalt ist ziemlich gut mit der aktuellen KI-Situation und dem Kollaps der Tech-Branche vergleichbar. Auch hier können wir aktuell nur tatenlos zusehen und – man möge mir die Wortwahl verzeihen – es kotzt mich schon ziemlich heftig an.
Im Netz feuern nun Shops und Provider mit WM-Deals aus allen Rohren. Mit Slogans wie „Sorry, ist halt WM!“ sollen Kauf-Impuls-Entscheidungen gerechtfertigt werden, um ein Fußballturnier auf dem neuen 85-Zoll-TV zu schauen. Und das zu Zeiten steigender Inflationen und einer durch KI kollabierenden Tech-Branche, in denen alles immer teurer wird.
Das Sehnen nach Normalität und Ablenkung
Dabei muss ich aber ehrlich zugeben: Ich kann die andere Seite durchaus verstehen. Es sieht auf unserer kleinen, im Weltall herumwirbelnden Knutschkugel aktuell nicht gut aus. Kriege, Klimakrise, Inflation, KI-Probleme. Es fühlt sich alles so unglaublich feindselig an, und gerade dann kann ein solches Event doch wieder für ein kleines Stück Normalität sorgen. Die Nebengeräusche ausschalten. Die Tippgemeinschaft mit den Freunden wieder einrichten. Mal wieder über etwas anderes sprechen.
Ich verstehe das nur zu gut und kann absolut nachvollziehen, wenn man über die WM 2026 wieder versucht, ein Stück dieser Normalität zurückzugewinnen. Es sei wirklich allen gegönnt und niemand soll sich das nehmen lassen! Die Welt ist stressig genug. Mexiko und Kanada haben jedenfalls als zusätzliche Gastgeberländer jede Minute dieser Aufmerksamkeit verdient. Ich für meinen Teil schaue erst einmal kein Spiel, wünsche „Der Mannschaft“ aber viel Erfolg.
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