Revolut-Geldautomaten im Test: mit QR-Code, NFC und EMV Geld abheben
Der Revolut-Bankautomat in Verdaguer ist in der Front eines Tattoo-Studios zu finden. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)
Handyhase ist auch in diesem Jahr auf dem Mobile World Congress in Barcelona mit gleich sechs Hasen vertreten. Live-Berichte, News und Geräte-Neuheiten liest Du auf unserer MWC-Infoseite nach.
- Revolut bietet in Barcelona zahlreiche eigene Bankautomaten.
- Hier lässt sich auch eine Ersatzkarte ausgeben.
- Anmelden kann man sich am Automaten per QR-Code, NFC oder auch ganz normal mit einer Bankkarte.
In der katalanischen Hauptstadt Barcelona ist die Neobank Revolut ziemlich präsent. Kurz vor dem Mobile World Congress und der Vorstellung des Xiaomi 17 Ultra erspähten wir schon auf dem Flughafen gleich zwei sehr seltsam aussehende Automaten. Um das vorwegzunehmen: Die sind nur dafür da, um Karten auszugeben. Spannender wurde es aber in der Stadt, denn wir haben uns auch zwei richtige Bankautomaten von Revolut angeschaut. Einmal in Espanya mitten im U-Bahnhof der FGC, der katalanischen Metro, und einmal nahe Verdaguer.
Wie gut Revolut als Bank funktioniert, wollen wir in diesem Ausprobiert-Artikel dabei nur am Rande betrachten. Wenn Du Interesse an unserem Erfahrungsbericht zu Revolut hast – wir haben das Konto bereits seit einigen Jahren –, dann empfehlen wir Dir unseren großen Artikel dazu:
Aber zurück zur eigentlichen Aufgabe: das Ausprobieren des Revolut-Bankautomaten oder auch ATM (Automated Teller Machine), wie solche Automaten international genannt werden.
Wie funktionieren die Revolut-Bankautomaten?
Auf den ersten Blick wirken die Automaten von Revolut recht ungewöhnlich. Die komplett in Schwarz gehaltenen Automaten können sich wie oben im Titelbild mit dem Tattoo-Studio sehr gut in das Umfeld einbinden, oder auch wie ein ziemlicher Fremdkörper wirken. In der Architektur einer U-Bahn-Station, die 2026 ihr hundertjähriges Jubiläum feiert, wirkt der Automat jedenfalls etwas deplatziert.
Wirkt wie ein Fremdkörper: Der Revolut-Automat in Plaça d’Espanya. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)
Abseits dessen fällt aber die moderne Ausstattung auf. Ein ziemlich großes Hochkant-Display gibt viel Überblick. Darunter ist ein Kamerasystem, was wir aber noch nicht ausprobieren konnten, und direkt dadrunter die Handhabung der Karten. Dort findest Du links einen Kartenausgabe-Schacht, in der Mitte ein EMV-Kontaktlos-Lesegerät, erkennbar an dem Wellensymbol, und rechts den traditionellen Chipkartenleser.
Die Revolut-Automaten sind recht flexibel beim Umgang mit Karten. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)
Damit ist der Revolut-Automat mit allem Wichtigen ausgestattet. Sehr angenehm ist die Ausstattung mit dem EMV-Contactless-Leser in der Mitte. Da kannst Du nämlich einfach Deine Bankkarte ranhalten, sofern sie auch so ein Wellensymbol hat. Nach der Eingabe der PIN kannst Du dann die Funktionen des Automaten nutzen. Alternativ kannst Du Dich beispielsweise mit einer Wallet-Anwendung anmelden.
Wir haben die Revolut-Karte in der Apple Wallet unseres iPhones genutzt, sprich, den NFC-Funk unseres Smartphones. NFC kann nämlich den EMV-Kartenstandard emulieren (Card Emulation Mode) und so tun, als sei es eine Karte mit Wellensymbol. Interessanterweise musst Du dann aber ebenfalls Deine PIN eingeben. Das ist ein bisschen seltsam, da Du im Ladengeschäft für eine Zahlung per NFC keine PIN benötigst. Aber dieses Verhalten haben wir schon an anderen Bankautomaten mit EMV Contactless gesehen. Das liegt also vermutlich nicht an Revolut.
In Deutschland sind solche Automaten übrigens noch immer nicht sonderlich weit verbreitet. Die Sparkasse aber hat sie beispielsweise. Sie spricht von einer Bezahlung über das „NFC-Wellen-Logo“ inklusive Einzahlung. Technisch nicht ganz richtig, denn das NFC-Logo ist ein stilisiertes N und keine Welle. Das findest Du etwa auf Sony-Smartphones wie dem Xperia 1 VII. Das Logo ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Und es ist schon etwas kurios, dass selbst Banken den EMV-Standard nicht kennen, den vor allem sie nutzen.
Da nicht alle Karten kontaktlos funktionierten, gibt es auch einen klassischen Chipkartenleser, wie Du ihn fast überall auf der Welt finden wirst.
Eine Anmeldung ist übrigens auch per QR-Code möglich. Der läuft nach einiger Zeit ab, sollte also fix gescannt werden. Er leitet Dich in die Revolut-App, wo Du dann die Anmeldung bestätigst – ohne Deine PIN zu wissen.
Über das Display lässt sich übrigens die Sprache einstellen. Das musst Du aber nicht machen, denn der Automat wechselt auf die Sprache, die Du in Deiner App eingestellt hast. Wir haben das sowohl mit englischer als auch deutscher Sprache probiert und der Automat passte sich korrekt an. Vorbildlich. Leider speichert die App aber nicht die Einstellungen zu Schriftgröße oder dem Dark Mode, die Du im Automaten einstellen kannst.
Das musst Du jedes Mal neu einstellen. Aus Gründen der Barrierefreiheit wäre es schön, wenn diese Einstellungen an Dein Konto gebunden werden könnten. Der Dark Mode ist für manche Menschen nämlich nicht so gut lesbar.
Nach der Anmeldung: Kontostand einsehen, Geld abheben und Karte bestellen
Sobald Du Dich angemeldet hast, geht es dann zu den Funktionen des Automaten. Interessant finden wir hier das Kartenausgabegerät. Denn Du kannst hier einfach mit Deinem Konto eine neue Karte abholen, solltest Du eine benötigen. Das geht aber nur einmal. Dafür ist die Ersatzkarte so kostenlos. Normalerweise verlangt Revolut dafür Versandkosten.
Es gibt aber kein besonderes Design, falls Du – wie wir – auf eine spezielle Barcelona-Karte hoffst. Wir waren ein bisschen im Souvenir-Modus beim Testen des Automaten.
Die Revolut-Karte aus dem Bankautomaten hat zwei Rubbelfelder. Die beiden schwarzen Umschläge stammen aus den reinen Kartenausgabe-Automaten am Flughafen. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)
Die Karte aus dem Bankautomaten kommt übrigens mit Rubbelfeldern für die Sicherheitsnummer und die Kartennummer. Diese Karte kannst Du schnell Deinem eigenen Konto zuordnen: Einfach oben rechts in der App auf das Kartensymbol klicken und dann die besonders klein gehaltene Textoption ganz unten auswählen. Dort tippst Du dann die freigerubbelte Kartennummer ein. Mehr brauchst Du nicht tun.
Wie Du im obigen Bild siehst, gibt es diese Karten auch in Umschlägen. Diese müssen aufgerissen werden und dafür muss nichts freigerubbelt werden. Die wurden in Barcelona am Flughafen ausgegeben – ohne dass wir uns in irgendeiner Form anmelden mussten. Die Automaten dort sind keine Bankautomaten, sondern vielmehr Werbemaschinen, die einen „niedrigschwellige[n] Einstieg in die Revolut Welt und somit ein wirkungsvoller Hebel für die Kundengewinnung“ darstellen sollen, wie uns Revolut auf Nachfrage sagte. Aber auch Bestandskundschaft neigt dazu, sich dort einfach eine Ersatzkarte zu besorgen, so Revolut.
Dieser Automat am Aeroport Josep Tarradellas Barcelona-El Prat kann nur Visa-Karten ausgeben. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)
Diese Idee finden wir ziemlich gut, denn so hast Du nach der Anmeldung für ein Revolut-Konto auch gleich eine Karte in der Hand und musst nicht auf den Brief warten. Die einzige Bedingung ist, dass Du in der EU einen Meldestatus hast, was Du an dem Automaten kurz bestätigen musst.
Laut Revolut ist das Konzept „schon jetzt ein profitabler Weg, um Neukunden zu akquirieren“. Die Automaten gibt es bisher laut Revolut unter anderem in Rom, Madrid, Mailand, Porto, Berlin, Brüssel und Helsinki. Die genauen Positionen hat uns Revolut aber nicht genannt. Falls Du so einen Automaten entdeckst: Wir freuen uns unten über eine Nachricht als Kommentar. Diese Kartenausgabe-Automaten sind nämlich nicht in der Revolut-App zu finden.
Die regulären Revolut-Automaten kannst Du in der Kartenansicht der Automatensuche hingegen schnell ausmachen. Sie werden besonders hervorgehoben:
In der App kannst Du schnell nach einem Automaten suchen und Dich über die Funktionen informieren. (Screenshot: Handyhase)
Wie man in Barcelona gut sehen kann, hat Revolut doch schon eine stattliche Anzahl von Automaten in der Stadt installiert. Doch kommen wir zu der vielleicht wichtigsten Funktion des Automaten: Wir wollen nun Geld abheben.
Kostenloses Geldabheben mit Revolut-Konto
Die Automaten von Revolut sind für die eigene Kundschaft kostenlos in der Nutzung. Mit einer anderen Karte haben wir den Test nicht durchgeführt, da wir hier nichts Besonderes erwarteten. Das Geldabheben ist dabei ziemlich unkompliziert. Du wählst auf dem Touchscreen einfach den Betrag aus, den Du abheben möchtest. Eine Knopfbedienung an der Seite des Displays gibt es nicht. Das hat vermutlich auch Nachteile. Wir wissen derzeit nicht, wie gut sich der Automat für Menschen mit eingeschränktem oder nicht vorhandenem Sehvermögen eignet.
Barrierefreiheit wurde hier jedenfalls nur teilweise bedacht. Das bemerkten sogar wir, als wir für das Geldabheben die PIN eingeben wollten und den Bestätigungsknopf suchten. Die Enter-Taste nutzt jedoch schwarze Schrift auf schwarzem Grund. Normalerweise ist sie grün und deutlich beschriftet. Wir mussten eine Taschenlampe zücken, um die Beschriftung zu lesen. Das erinnert uns ein wenig an Apple. Die Firma nutzt auch gerne hellgraue Schrift auf weißem Grund für besonders schickes Design. Dieser fragwürdige Ansatz hat bei einem Geldautomaten eigentlich nichts zu suchen.
Verbesserungswürdig: Das Keypad und die Entertaste sind mit einer Kamera- oder Taschenlampe gut zu sehen, aber am Abend sonst kaum auszumachen. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)
Wir müssen aber auch erwähnen, dass der Enter-Knopf erfühlbar ist. Wer also das Erfühlen von Bedienelementen trainiert hat, ist hier tatsächlich im Vorteil.
Abseits dessen funktionierte aber alles wie erwartet. Schade fanden wir allenfalls, dass wir keine Stückelung auswählen durften. Zumindest wurde das beim Abheben von 20 Euro nicht angeboten, obwohl der Automat laut App mit 10-, 20- und 50-Euro-Scheinen bestückt war. Diesen Service bieten allerdings tatsächlich nur wenige Banken an einem Automaten an.
Gebühren oder eine Einschränkung unseres Limits haben wir nicht gesehen. Wir dürfen eigentlich nur 200 Euro pro Monat an einem Geldautomaten kostenlos abheben (Plus-Konto). Im Rahmen unseres Tests haben wir zwei Mal 10 Euro und einmal 20 Euro abgehoben.
Mehr Funktionen wie Geldeinzahlen in der Zukunft?
Am Automaten waren auch noch andere Funktionen zu erahnen. So haben die Geräte offenbar eine Kamera. Schon vor einigen Jahren hat die Neobank angekündigt, eine Gesichtserkennung umsetzen zu wollen. Mit unserer deutschen IBAN funktioniert das jedenfalls nicht und wir wissen auch nicht, ob spanische Kundschaft vielleicht mehr nutzen kann.
Auch das Einzahlen von Geld soll irgendwann einmal möglich sein. Da das Geldausgabefach sehr groß ist – ein Hinweis darauf, dass auch Geld eingelegt werden kann – könnte sich dies noch in Entwicklung befinden. Dank des großen Touchscreens und des schnellen Interfaces kann Revolut potenziell allgemein besser auf Entwicklungen eingehen.
Fazit: Revoluts Geldautomaten zeigen eine spannende Entwicklung
Insgesamt hat uns der neue Geldautomat von Revolut sehr gut gefallen. So gut, dass wir uns diesen auch in Deutschland wünschen würden. Spanien bietet sich als Testmarkt aber sicher besser an. Das Land und insbesondere Katalonien und dessen Bevölkerung ist durchaus dafür bekannt, technisch interessiert zu sein. Auf dem Mobile World Congress wurden in den vergangenen Jahren auch immer wieder Zahlungstests gestartet, wie etwa das Bezahlen per NFC.
Beim Thema Barrierefreiheit, das wir in diesem Test nur grob am Rande beurteilen können, gibt es aber Verbesserungsmöglichkeiten. Zumal die Ansätze da sind. Das Interface lässt sich lobenswerterweise auf eigene Bedürfnisse anpassen und in der App ist hinterlegt, ob der Automat für Rollstuhlnutzer erreichbar ist. Da passt der Patzer mit der Enter-Taste eigentlich nicht dazu. Aber das lässt sich sicher in der Zukunft beseitigen.
Die Neobank zeigt aber gut, in welche Richtung sich das Banking der Zukunft entwickeln kann. Eine Neobank muss nicht zwangsläufig nur eine Smartphone-Bank sein. Mit einem eigenen Automaten- und damit auch Service-Netz lassen sich die Nachteile der fehlenden Filialen durchaus kompensieren.
Die Idee, Karten am Automaten auszugeben, finden wir jedenfalls besonders spannend. Sie passt zu anderen Revolut-Neuerungen, wie etwa dem Travel-Mode inklusive Nahverkehrsfahrscheinen oder auch dem gut nutzbaren eSIM-Angebot. Bei klassischen Banken ist das nämlich mitunter eine zeitraubende Prozedur. Neobanken haben immerhin das einfache Bestellen von Karten per App populär gemacht.
Bei der Verquickung der typischen Neobanken-Konzepte mit Geldautomaten dürfte Revolut damit einen deutlichen Vorsprung zu anderen Banken haben. Wir sind daher gespannt, ob Revolut diese vielversprechende Kombination auch nach Deutschland bringt.
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