X105: Qualcomms Mobilfunkmodem erkennt Mobilfunk an Bahnstrecken
- Qualcomms neue High-End-Modem-Plattform wird das X105 werden.
- Es unterstützt zahlreiche Frequenzen.
- Das X105 wird auch für erste Tests in 6G-Mobilfunknetzen genutzt werden können.
Qualcomm hat auf dem Mobile World Congress die neue Modem-Generation X105 angekündigt. Das X105 soll 30 Prozent weniger Energie benötigen und auch kleiner sein. Gut 15 Prozent Fläche können etwa in engen Smartphones gespart werden. 5G soll zudem auch über Satellitentechnik stärker unterstützt werden. Das gilt nicht nur für Kurznachrichten, etwa per SMS. Qualcomm will Videodaten oder das Telefonieren über Satelliten unterstützen.
Der Chip kann Signalverschlechterungen voraussehen
Eine interessante neue Funktion im Chip ist das neue Voraussehen von Signalverschlechterungen: ausnahmsweise eine KI-Funktion, die nicht nur nach Buzzword klingt. Denn der Chip beobachtet die Qualität Deines Mobilfunkempfangs und kann so entsprechend Deinen Apps sagen, welche Datenrate zu erwarten ist. Dafür soll es eine Schnittstelle geben. Ob das dann Android selbst macht oder die App mit dem Modem spricht, bleibt den Entwicklern überlassen. Qualcomm legt sich dabei nicht darauf fest.
In der Praxis würde das etwa bedeuten, dass der X105 in – beispielhaft – fünf Sekunden eine Signalverschlechterung erwartet. YouTube, Netflix und Co. würden diese Information bekommen und anschließend würde die App eine geringere Qualität anfordern und auch fehlende Daten mit einem Extraboost abholen, sodass Dein Streaming nur gering beeinflusst wird.
Diese Vorhersage geht aber noch weiter. Wie Qualcomm auf dem MWC sagte, kann der Chip etwa erkennen, ob Du in einem Mobilfunknetz bist, das speziell für Bahnstrecken gebaut wurde. In China gibt es dies etwa, so Qualcomm. Das Modem sorgt dann dafür, dass Du nur von einem Streckenmast zum anderen wechselst und Dich nicht versehentlich an einem weiter entfernten Mast anmeldest. In Deutschland wäre das auch denkbar, denn spezielle Streckenmasten sind bereits in Planung. Die Bahnstrecke zwischen der Hansestadt Hamburg und Berlin bekommt ein Streckenmobilfunknetz.
X105 soll bei der 6G-Entwicklung helfen
Zum neuen X105-Modem gehört auch, dass es für die ersten Vorbereitungen und sogar Tests für den zukünftigen 6G-Mobilfunkstandard geeignet ist. Zwar soll das X105-Modem laut Qualcomm zwar nicht für 6G selbst in kommerziellen Geräten genutzt werden. Dafür wäre es auch noch zu früh, schließlich erwartet das Unternehmen erst 2029 die ersten 6G-Netzwerke und richtig los geht es erst in den 2030er-Jahren. Der Mobilfunkausrüster Ericsson sagte auf dem MWC, dass man ebenfalls mit einem Start 2029 rechnet.
Qualcomm informierte auf dem MWC 2026 in Barcelona über das kommende 6G. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)
Für die Entwicklung dieser 6G-Netzwerke lässt sich das Modem aber nutzen. Es könnte dann in den ersten 6G-Testnetzwerken genutzt werden, die Qualcomm bereits für 2028 erwartet. 6G wird vor allem den Upload verbessern. Zumindest sieht hier Ericsson einen großen Bedarf und rechnet mit einer Verdreifachung der Werte.
6G: Mehr Funkspektrum und schnellere Uploads
Auf der Qualcomm-Pressekonferenz sagte Ericsson auch, dass neben neuen Funktionen auch mehr Funkspektrum kommen wird. Letzteres wird sich freilich von Region zu Region stark unterscheiden. Auch bei den Funktionen bleibt man noch unscharf. Allerdings wurde mit dem Buzzword AI – oder Künstliche Intelligenz – nicht gespart.
Das X105 ist aber formell weiter ein 5G-Modem, genauer gesagt 5G Release 19. Wann das Modem in Smartphones, Tablets und Co. zu finden sein wird, ist noch nicht bekannt. Hersteller können jetzt aber anfangen, ihre Geräte rund um das neue Modem zu designen. Qualcomm erwartet, dass die ersten Geräte gegen Ende des Jahres auf den Markt kommen.
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