Nächster WLAN-Standard

Qualcomm zeigt über 9 Gigabit pro Sekunde mit WiFi 8

WiFi 8 ist noch lange kein fertiger Standard, doch Firmen wie Qualcomm arbeiten schon an den Chips und auch Leistungsdemonstrationen. Auf dem Mobile World Congress zeigte Qualcomm nun rund 9 Gigabit/s in einem Laborszenario. Das könnte in Zukunft noch für Herausforderungen sorgen.

Mobile World Congress 2026 - Danke an freenet

Blick auf den Demoaufbau von Qualcomm mit Testgeräten.

9,08 Gigabit/s gibt Qualcomm als bisher erreichte Datenrate an. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)

Handyhase ist auch in diesem Jahr auf dem Mobile World Congress in Barcelona mit gleich sechs Hasen vertreten. Live-Berichte, News und Geräte-Neuheiten liest Du auf unserer MWC-Infoseite nach. mwc 2026 lp startseitenbanner desktop

  • Qualcomm kann 9,1 Gigabit/s über WLAN demonstrieren.
  • Der neue Fastconnect-8800-Chip ist für WiFi 8 vorbereitet.
  • Die Demo nutzte eine abgeschottete Installation.

Qualcomms nächster WLAN-Chip wird sehr hohe Bandbreiten erlauben. Mit dem  Fastconnect 8800 konnte das Unternehmen auf dem Mobile World Congress immerhin 9,1 Gigabit pro Sekunde vorführen. Theoretisch kann der Chip sogar 11,6 Gigabit pro Sekunde, was aber nicht sonderlich realistisch ist, denn schon die 9,1 Gigabit/s sind nur unter speziellen Bedingungen erreichbar.

Laborähnliche Versuche mit WLAN-Kabeln

Die Ergebnisse sollen natürlich vor allem beeindrucken und zeigen, was technisch machbar ist – oder auch womit Du in ein paar Jahren rechnen kannst. Das Ganze macht man typischerweise mit laborähnlichen Versuchen, die möglichst alle Störungen ausschließen. So gab Qualcomm etwa an, dass WLAN-Kabel (sic!) verwendet werden. Die gibt es nämlich tatsächlich und sind kein alter Internetwitz. Mit WLAN-Kabeln werden einfach die Antennen-Anschlüsse zweier Geräte miteinander verbunden. Dann funken Sender und Empfänger im Prinzip auf dem Kabel, was Störungen von außen verhindert und für die Forschung wichtig ist.

Auf dem Mobile World Congress war das allerdings auch aus anderen Gründen notwendig. Die Fira Barcelona erlaubte Qualcomm nämlich nur eine eingeschränkte Nutzung des 6-GHz-Bands. Die Demo mit echten Antennen ist auf eine Kanalbreite von 40 MHz beschränkt. Mehr wollte die Messe Qualcomm nicht geben, denn auf dem Gelände wollten auch andere Hersteller einen Teil des Spektrums.

Die Demo mit den 9,1 Gigabit/s, die übrigens sehr konsistent war und zwischen 9,08 und 9,1 Gigabit/s schwankte, nutzte hingegen die volle erlaubte Bandbreite von 320 MHz über die WLAN-Kabel und zwei speziell abgeschirmten Gehäusen. Qualcomm betonte zudem, dass es sich um eine Geschwindigkeit für Smartphones handelt. Es wird eine 4×4-Antennenkonfiguration genutzt, die auch für Smartphones verfügbar gemacht werden soll. Normal ist eine 1×1- oder vielleicht eine 2×2-Antennenkonfiguration. Die Geschwindigkeit in modernen WLAN-Systemen wird durch mehrere einzelne Komponenten bestimmt. Eine wichtige davon ist die Kanalbreite und die andere die Antennenkonfiguration. Es gibt aber noch weitere.

Die Werte sind damit in der Praxis eher ein absoluter Maximalwert. Das kann WiFi 8 in seiner frühen Entwicklungsphase. Bei Dir wird nur ein Teil davon nutzbar sein. Das hängt auch davon ab, ob Du nicht zu viele Nachbarn hast. Der Test wurde nämlich mit einem 320 MHz breiten Band durchgeführt. In einem Wohnblock würde es da ordentliche Überlappungen geben. In einem Dorf mit wenigen Häusern ließe sich die Geschwindigkeit hingegen eher erreichen.

Große Herausforderung für die Heimverkabelung

Das nächste Problem ist dann die Weiterverteilung von Daten in Deinem Zuhause. Diese 9 Gigabit/s musst Du nämlich erstmal zu Deinem Smartphone hinschaffen. Die 10-Gigabit-Glasfaseranschlüsse sind noch etwas sehr Seltenes. Aber auch im Heimbereich müsstest Du Dich schon sehr gut mit Netzwerken auskennen, um etwa von einem Netzwerkspeicher (NAS) mit so einer Leistung Daten an oder von Deinem Smartphone zu senden. Bei Backups wäre das schon sehr praktisch. Gerade große Bildersammlungen sind nicht so einfach schnell irgendwohin zu sichern.

Doch im, sagen wir mal, Enthusiasten-Bereich ist derzeit eigentlich bei 2,5 oder 5 Gigabit/s Schluss. Das lässt sich noch halbwegs kostengünstig verkabeln und nennt sich auch 2.5GbE oder 5GbE als Netzwerkstandards. 10GbE hingegen hat deutliche Nachteile bei der Längenbeschränkungen – oder Du musst auch hausintern auf Glasfaser setzen. Immerhin gibt es da eine vergleichsweise einfache Lösung: Huaweis Optixstar als Glasfaser-Heimlösung. Das ist zumindest etwas einfacher als klassische Glasfaserkomponenten, wie man sie aus Büros kennt.

WiFi 8 ist noch lange von einem Standard entfernt

Auch wenn nun Stück für Stück WiFi-8-Geräte auf den Markt kommen (der Standard nennt sich übrigens IEEE 802.11bn): Noch gibt es formal kein WiFi 8. Der Standard befindet sich noch bei der WiFi Alliance in der Entwicklung. Wie bei WiFi 7 wird es wohl früh Geräte zu kaufen geben, die zwar WiFi 8 im Marketing benutzen, aber eben offiziell nicht dem Standard entsprechen. Wenn etwas schiefgeht bei der Standardisierung, kann es sogar passieren, dass diese WiFi-8-Vorläufer dann nur WiFi 7 können. Das ist aber eher unwahrscheinlich, da alle wichtigen Hersteller Teil der Standardisierung sind.

Zumindest bei WiFi 7 hat es geklappt. Das gab es übrigens auch mal bei WiFi 4 (802.11n). Damals verkauften die Hersteller ihre Geräte aber als Draft-n-Geräte, also Entwurfsgeräte, um darauf aufmerksam zu machen, dass es ein paar Unsicherheiten gibt.

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Profilbild von Andy
Andy ist seit September 2023 ein kleines Teilzeit-Rädchen (Häschen?) im Handyhase-Team. Bereits seit 2005 ist er schon als IT-Journalist tätig und war mal Sysadmin. Er hat einen Hang zu sehr besonderen Themen und Gesellschaft. Durch viele Reisen sind aber auch das Thema Flug und Zug zum Spezialgebiet geworden, das er in anderen Publikationen abdeckt.

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