Open Ear mit hohem Tragekomfort

Huawei FreeClip 2 im Test: Toller Klang – bis zu einer Grenze

Mit den FreeClip 2 hat Huawei gute Ohrhörer auf den Markt gebracht, die beim Tragen kaum stören, da sie außen liegen. Trotzdem gelingt es den FreeClips gute Bässe zu erzeugen. Allerdings gibt es ein Limit, das Du kennen solltest.
Freeclip-2-Ladecae mit 2-Euro-Stück davor und die Clips daneben.

Die FreeClip 2 sind sehr kompakte Open-Ear-Kopfhörer mit gutem Klang. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)

Huawei FreeClip 2 bei MediaMarktSaturn

Huawei FreeClip 2 bei Huawei

  • Die FreeClip 2 von Huawei bieten einen guten Tragekomfort.
  • Auch der Bass wird für einen so offenen Ohrhörer gut dargestellt.
  • Ab einer gewissen Lautstärke kann der Bass aber nicht mehr mithalten.

Huawei hat mit den FreeClip 2 ein Paar außenliegende Ohrhörer in Clip-Form vorgestellt. Sie werden auch den Open-Ear-Kopfhörern zugeordnet und stören damit nicht im Ohrkanal. Gut, wenn Du Deine Umgebung noch wahrnehmen möchtest oder Dir ungern etwas ins Ohr stopfst. Die FreeClip kommen in einem sehr kompakten Ladecase. Im Notfall kannst Du sie auch mal in der Gesäßtasche unterbringen.

Der besondere Tragekomfort kommt allerdings häufig mit Kompromissen, wie wir etwa in unserem Test der Baseus XC1 feststellen mussten. Die kosteten schon 150 Euro, während Huaweis FreeClip 2 für 200 Euro einen deutlich besseren klanglichen Eindruck hinterlassen und vor allem bessere Ausstattung bieten.

Im Test: FreeClip 2 mit gutem Bass, bis die Höhen sich trennen

Was uns bei den FreeClip 2 wirklich gut gefallen hat, ist der Klang. Doch der ist mit einem sehr großen Aber versehen. Denn die Clips verhalten sich je nach Lautstärke sehr unterschiedlich, und das betrifft vor allem den runden Klang. Bis zu einer mittleren Lautstärkeeinstellung (leicht darüber, geschätzt 60 Prozent des Betriebssystems) klingt alles noch sehr gut. Der Bass ist deutlich erkennbar und kräftig. Details lassen sich selbst bei bassintensiven Stücken gut heraushören. Da hat so manch locker im Ohr liegender Stöpsel Probleme. Wir haben nur eine Ausnahme entdeckt. Der ohnehin seltsame Bass in Lisas Rockstar ist zwar wahrnehmbar, klingt aber unvollständig. Der braucht In-Ear-Stöpsel.

Doch wenn Du mehr  Lautstärke brauchst, wird es schwierig. Die FreeClips erhöhen zwar die Höhen weiter in der Lautstärke. Doch der Bass bleibt sozusagen in der Mitte stehen. Huawei kann diesen nicht analog zu den oberen Frequenzen lauter stellen. In-Ears sind hier im Vorteil.

In lauteren Umgebungen hast Du dann das Problem, dass sich der Ton anfängt, seltsam anzuhören, wenn die Bässe zwar da sind, aber unterrepräsentiert. Stelltest Du dann die Clips noch lauter, wurde es für uns sogar unangenehm bis schmerzhaft in den Höhen. Wer die Nothing Ear Sticks kennt: Das ist ungefähr ähnlicher Klang. Es kommt aber stark auf das Tonmaterial an.

Der Einfluss der Musik oder des Films ist dabei auch sehr deutlich. Musik lässt sich noch einigermaßen im oberen Lautstärkebereich hören. Aber die Musik von Axel Thesleff, die wir sehr gerne in ungesunden Lautstärken hören, macht nur bedingt Spaß mit den FreeClip 2, weil die Lautstärke im Bass fehlt.

Musik, die Du einfach in ihrer Ruhe genießen musst, klingt hingegen toll:

Bei einem Film mit hohem Dynamikumfang – sprich, der Unterschied zwischen leisen Szenen mit Dialogen und lauten Szenen mit Explosionen ist sehr groß – wird es unterwegs nahezu unbrauchbar, wenn von außen noch Geräusche dazukommen. Einen Film in der U-Bahn oder in einem Flugzeug gucken und hören funktioniert mit den FreeClip 2 leidlich, weil Du die Lautstärke nicht so weit hochdrehen kannst, um alles bei guter Qualität zu übertönen.

Die FreeClip brauchen also durch ihr offenes Design und den limitierten Bass eine leise Umgebung. Du musst Dir bis in den mittleren Bereich auch keine Sorgen machen, dass die Umgebung Dich hört, vor allem draußen nicht.

Dann machen sie aber viel Spaß, denn im Ohrkanal juckt nichts, weil die kleinen Audiobälle außen anliegen. Auch die Clipform an sich fanden wir im Tragekomfort sehr gut. Da die Clips recht weit unten am Ohr liegen, gibt es auch mit Brillen selten Probleme. Je weiter die Bügel der Brille jedoch um das Ohr gehen, desto eher solltest Du die Clips vorher mal ausprobieren.

Wo ist eigentlich links und wo ist rechts?

Ein schönes Komfort-Feature der Huawei FreeClip 2 ist die automatische Positionserkennung an den Ohren. Für Dich heißt das: Es ist völlig egal, welchen Clip Du in welches Ohr steckst. Huaweis System erkennt automatisch, welcher Ohrhörer rechts und welcher links sitzt. Selbst im schummrigen Licht kannst Du die Clips also korrekt aufsetzen, auch wenn Du nichts mehr siehst. Bei anderen Ohrhörern und selbst großen Kopfhörern ist das manchmal gar nicht so einfach.

Offenes Case mit Clips eingesetzt in einer Hand gehalten.

Egal ob im Case oder am Ohr: Rechts und links sind nicht festgelegt. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)

Auch ein Abnehmen und Wechseln zwischendurch ist kein Problem, wenn Du etwa mal kurz auf’s stille Örtchen verschwinden musst und vielleicht nicht unbedingt ein Headset mitnehmen willst – als reine Vorsichtsmaßnahme, versteht sich. Es gibt Bereiche, in denen Du die gute Mikro-Qualität der FreeClip 2 nicht ausnutzen willst.

Gestenkontrolle mit Handschuhen

Für die Steuerung Deiner Musik oder Anrufe ist auf den kleinen Clips kaum Platz. Dementsprechend wird das Meiste mit Taps gelöst. Entweder zwei Mal oder drei Mal kannst Du auf die Ohrhörer tippen, um etwa Musik zu starten oder auch zum nächsten Track zu springen. Das erfordert ein deutliches Antippen der Clips, geht mit ein bisschen Übung aber gut von der Hand. Angenehm ist außerdem, dass dies auch mit Handschuhen funktioniert. Im Winter frieren bei der Bedienung also nur Deine Ohren.

Die Wischgesten für die Lautstärke brauchen hingegen Hautkontakt (kapazitiver Touchbereich). Auch diese Geste braucht etwas Übung. Wenn Deine Haare über den Clips liegen, wird es aber ein wenig fummelig.

Es gibt nur eine Geste, die problematisch ist. Sie ist in der Standardeinstellung gar nicht erst aktiviert, was offenbar einen guten Grund hat, denn die Aktivierung sorgte bei uns zu Fehlbedienungen. Es geht dabei um das Gedrückthalten, um etwa einen Sprachassistenten zu aktivieren. Das funktionierte zwar bei uns mit dem iPhone und Siri. Allerdings löste sich die Funktion auch einfach so mal aus. Während einer Busfahrt aktivierte sich Siri gleich dreimal. Danach schalteten wir die Funktion wieder ab, denn auch ein Firmware-Update beseitigte das Problem nicht.

Aufladen per Qi, aber kein Auracast

Die Clips werden in einem von Huawei mitgelieferten Ladecase untergebracht. Das gehört zu den kompaktesten Ladecases am Markt, was auch an der Art und Weise liegt, wie die FreeClip 2 untergebracht werden. Das spart Platz, braucht aber etwas Übung beim Einsetzen und Herausnehmen. Es ist übrigens egal, welchen Stöpsel Du in welche Halterung packst.

Freeclip-2-Ladecase auf einem marmornen Qi-Ladepad.

Das kleine Ladecase kann per Qi aufgeladen werden. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)

Das Ladecase hat dabei nicht nur einen USB-C-Anschluss, sondern kann auch kabellos per Qi aufgeladen werden. Mit einstellbaren Sounds gibt das Case übrigens einen Ton von sich, wenn die Position korrekt auf dem Ladepad eingenommen wird. Dafür hat das Case einen eigenen Lautsprecher, die Clips müssen nicht eingesetzt werden. Insgesamt eine gute Ausstattung.

Bei dem recht hohen Preis gibt es einen Wunsch, den der Hersteller leider nicht erfüllen kann. Trotz laut Huawei Bluetooth 6.0 unterstützen die Clips kein Auracast für den Empfang von Ansagen etwa auf einem Flughafen (der Flughafen Frankfurt unterstützt das bereits), einem Bahnhof oder auch dem Fernseher in einer Bar.

Auch Channelsounding zum Finden der Stöpsel wird nicht unterstützt. Das ist eine Option von Bluetooth 6.0 zum genauen Orten von Gegenständen. Wir hoffen, Huawei reicht das noch nach, schließlich sind es recht teure Ohrhörer. Die Hardware sollte es können, aber eine Garantie gibt es nicht, dass sich Huawei die Arbeit in der Softwareentwicklung macht. Bisher zeigt der Hersteller keine Anstalten, Auracast zu unterstützen.

Fazit zu Huaweis FreeClip 2 im Test: Toller Klang mit Einschränkungen

Huaweis FreeClip 2 haben uns eigentlich ziemlich gut gefallen. Es ist aber klar, dass sie sich nicht in allen Szenarien gleich gut eignen. Wenn Du Dir die FreeClip 2 zulegst, wirst Du Dir in einigen Situationen wohl andere Stöpsel wünschen. Wie so oft sind auch die FreeClip 2 nicht ohne Kompromisse.

Uns gefiel die Klangqualität bei Musik ziemlich gut, solange wir uns auf den mittleren Lautstärkebereich beschränkten. Unsere Worst-Case-Playlist überstanden die FreeClip 2 nahezu ohne Probleme. Sobald Du die Lautstärke aber hochdrehen willst, wird es schwierig, weil die Bässe nicht mitziehen. Wenn Du Bock auf nicht so gesunde Partylautstärke hast: Dafür sind die FreeClip 2 nicht gedacht.

Für Filme eignen sich die FreeClip 2 nur begrenzt. Abends im Bett sind sie eine klanglich sehr gute Option, ohne dass Du die Nachbarn stören musst. Bei anspruchsvollem Klang wirst Du aber Schwierigkeiten bekommen, oder ständig an der Lautstärke herumspielen, sobald etwas zu leise ist.

Im vollen Zug mit vielen Gesprächen und Ansagen oder im Flugzeug hingegen sind sie aufgrund der Hintergrundgeräusche kaum verwendbar. Selbst das Hören von Musik ist dann schwierig, das ist aber nun einmal das Open-Ear-Konzept. Dann empfehlen sich ohnehin eher In-Ear-Stöpsel mit Geräuschunterdrückung. Die FreeClip 2 weckten bei uns das Bedürfnis, zwei Paar Stöpsel mitzunehmen, um uns der Situation jeweils besser anzupassen.

Preis und Verfügbarkeit

Insgesamt zeigt Huawei mit den FreeClip 2, was mit einer offenen Bauweise möglich ist. Das kostet aber, denn die Ohrhörer kosten mit dem Qi-fähigen Ladecase offiziell rund 200 Euro, auch wenn es vereinzelt schon Angebote für 160 bis 180 Euro gibt. Die FreeClip 2 werden in den Farben Schwarz, Weiß, Blau und Rose Gold angeboten.

Zum Start (bis 01.03.2026) gibt es im deutschen Huawei-Store direkt 20 Euro Rabatt auf die Kopfhörer, sodass sie ohne Zubehör ab 179 Euro zu haben sind. Du hast außerdem die Wahl zwischen zwei Sets mit den FreeClip 2 als Hauptattraktion:

  • Im Valentinstags-Set gibt es neben den roséfarbenen FreeClip 2 auch die Watch Fit 4 in einer von vier Farben für 49 Euro dazu.
  • Im Limited Set gibt es zwei Paar FreeClip 2 in einer Geschenkbox und mit Schmuck von Les Néréides für insgesamt 358 Euro.

Huawei FreeClip 2 bei MediaMarktSaturn

Huawei FreeClip 2 bei Huawei

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Profilbild von Andy
Andy ist seit September 2023 ein kleines Teilzeit-Rädchen (Häschen?) im Handyhase-Team. Bereits seit 2005 ist er schon als IT-Journalist tätig und war mal Sysadmin. Er hat einen Hang zu sehr besonderen Themen und Gesellschaft. Durch viele Reisen sind aber auch das Thema Flug und Zug zum Spezialgebiet geworden, das er in anderen Publikationen abdeckt.

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