Natural AI Phone aus Japan: Dieses Smartphone soll ganz anders sein
Hier wird das Natural AI Phone in Japan präsentiert
- Neuerdings ist das Natural AI Phone vorerst exklusiv in Japan erhältlich.
- Es wird vom japanischen Telekom- und Tech-Konzern Softbank vertrieben.
- Das Natural AI Phone soll die klassische Smartphonenutzung von Grund auf umkrempeln.
Mit großen Versprechungen kommt es in den Handel, das Natural AI Phone. Es ist ab sofort in Japan erhältlich und zwar vorerst nur dort.
Dieses Smartphone soll die typischen Nutzungsgewohnheiten der Anwender durchbrechen. Im Zentrum des Produkts steht eine KI. Die soll Bedienschritte einsparen, Aufgaben intuitiver machen und letztlich dem Nutzer zu einer entspannteren und effizienteren Gerätenutzung verhelfen.
Statt also ChatGPT zum Verfassen von Hochzeitskarten zu knechten, auf deren Erstellung man selbst keine Lust hat, sich Hausarbeiten zu erschummeln oder zweifelhafte Tipps fürs nächste Date geben zu lassen, soll KI hier einmal für eine wirklich sinnvolle Alltagsanwendung herhalten: Den Nutzern das leidige Hantieren mit Dutzenden Apps abnehmen und auf Zuruf genau die richtigen Apps für die jeweils gewünschte Aufgabe einspannen. Klingt erst einmal wunderbar erholsam und fast zu schön, um wahr zu sein.
Das künstlich-intelligente Smartphone
Bei Beispielen für mögliche Anwendungen greift Vermarkter Softbank in die Kiste mit den altbekannten, reichlich abgegrabbelten Bauklötzen vermeintlicher KI-Segnungen: Die unvermeidliche Restaurantreservierung mit anschließender Einladung an einen Freund muss einmal mehr die Vorzeige-KI-Tätigkeit geben.
Man möchte denken, KI-Modelle müssten inzwischen wahre Weltmeister im Tische reservieren geworden sein – wenn es doch nur so wäre – und mehr noch: Man mag sich ernstlich fragen, ob die Welt noch einer größeren, wichtigeren, dringlicheren Herausforderung gegenüber steht, als per KI-Smartphone einen Tisch zu reservieren, im Prinzip schwer vorstellbar.
Das Natural AI Phone muss im Alltag überzeugen
Softbank hält sich zum Launch mit Details zum Produkt auffallend zurück. Klar wird: Man hat kein neues Betriebssystem gebaut, obwohl die diversen Formulierungen rund um ein AI-basiertes System das vermuten lassen sollen. Viel mehr wurden KI-Funktionen mehr oder weniger tief in Android implementiert. Die werden über die seitliche KI-Taste aufgerufen und der Nutzer soll möglichst selten manuell einzelne Apps öffnen müssen.
Zum Start werden die Google-eigenen Dienste wie Kalender, Mail oder YouTube unterstützt. Was und wie viel die KI mit Dritt-Apps anfangen kann, ist unbekannt. Bekannt ist dagegen, was sie nicht kann: Finanz-Apps bedienen. Das mag als Vorsichtsmaßnahme für ein Frontier-Produkt zweifellos sinnvoll sein. Ob es auch ein Hinweis auf die generelle Zuverlässigkeit ist?
Das Gerät selbst ist mit einem Preis von umgerechnet etwas über 500 Euro nicht im High-End-Segment angesiedelt.
Ein US-Startup mit großem Selbstbewusstsein
Das Natural AI Phone selbst wird vom US-Startup Brain Technologies zugeliefert. Dort will man die zentralen Prinzipien agentischer KI schon 2016 erdacht und wenig später patentiert haben, Jahre bevor an ChatGPT und Co. auch nur zu denken war.
Welche Modelle auf dem Gerät laufen, sprich, von wo man sich die technischen Grundlagen eingekauft hat, welche Versionen zum Einsatz kommen und welche Anfragen lokal, welche in der Cloud verarbeitet werden … Fehlanzeige.
Schlussendlich werden die Nutzer die Antwort auf die Frage geben, ob ein Gerät wie das Natural AI Phone wirklich mehr ist, als ein Smartphone mit der ChatGPT- oder Gemini-App darauf.
Was verrät uns der Name des Vermarkters?
Ein Produkt wie das Natural AI Phone, das den endgültigen Durchbruch von KI als zentrale Dimension des Smartphones erzwingen soll, passt perfekt in das Portfolio von Softbank, einem kaum überschaubaren Unternehmenskonglomerat, dessen zentrale Standbeine Telekommunikationsdienste in Japan sind, das aber Investments in unzähligen Branchen und Wirtschaftsbereichen hält.
Seit Jahren ist Softbank bekannt für sein umtriebiges Engagement in zahlreichen, teils selbst aufgelegten, teils mit anderen Playern gemeinsam verwalteten Tech-Fonds. Jüngstes Großprojekt in diesem Feld ist das gemeinsam mit Oracle und dem noch immer alles andere als sicher durchfinanzierten OpenAI aufgelegte Stargate-Programm, das eine riesige Rechenzentrumsinfrastruktur für KI errichten soll. Umfang: Schwindelerregende 500 Milliarden Dollar, gestreckt über einige Jahre.
Die Ambitionen bei Softbank sind dabei stets himmelstürmend. Doch nicht alle Leitern führen auch in den Himmel. Softbank steht als Synonym nämlich für noch etwas anderes: Hoffnungslos verschuldet.
Mit seinen unzähligen hoch riskanten Investments und Beteiligungen ist das Konglomerat mehr wie eine einzige, große, gehobelte Wette auf die Zukunft. Längst nicht alle der ehrgeizigen Projekte werden zum Erfolg, viele der teuren Vorhaben mussten im Laufe der Jahre mitsamt des investierten Kapitals abgeschrieben werden. Inzwischen sehen Beobachter Softbank in Teilen zum Erfolg verdammt: Die jüngsten, riesigen KI-Investitionen müssen früher oder später ein tragfähiges Geschäftsmodell hervorbringen, wenn das Konstrukt nicht wanken soll.
Ob das Natural AI Phone ein solider Baustein in der KI-Gesamtstrategie sein kann, muss sich zeigen. Bleibt im Sinne des Unternehmens zu hoffen, dass es nicht den selben Weg, wie ein ganz ähnlich klingendes Produkt der Deutschen Telekom nimmt. Die hatte mit ihrem KI-Phone (im Test) auch das Ende des Smartphones, wie wir es kennen, versprochen. Mancher wird sich vielleicht daran erinnern, was bis jetzt daraus geworden ist.
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