Die eSIM wächst durch Reisen und Apple
Apple sorgt für die allgemeine Bekanntheit von eSIMs, da immer mehr Smartphones keinen SIM-Kartenschacht mehr haben. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)
Handyhase ist auch in diesem Jahr auf dem Mobile World Congress in Barcelona mit gleich sechs Hasen vertreten. Live-Berichte, News und Geräte-Neuheiten liest Du auf unserer MWC-Infoseite nach.
- Vor allem Reisen sorgen für die Bekanntheit der eSIM, vermeidet sie doch teures Roaming.
- Bei Mobilfunkanbietern kennt sie hingegen kaum jemand.
- Dank Apples Weglassen des SIM-Kartenschachts ändert sich das aber zunehmend.
Auf dem eSIM Summit als Teil des Mobile World Congress hat die Telekommunikationsbranche über den Fortschritt der eSIM diskutiert. Zwar gibt es die Angebote schon seit vielen Jahren. Doch in der Branche hat man festgestellt, dass nur ein Teil der Kundschaft die eSIM als virtuelle Alternative einer SIM-Karte überhaupt kennt.
Reise-eSIM sorgt für Bekanntheit
Beliebt sind dabei vor allem Reise-eSIMs, um hohe Gebühren im Ausland und damit Kostenfallen beim Roaming zu vermeiden. So hat die GSMA, die auch den Mobile World Congress ausrichtet und sich um Mobilfunkstandards kümmert, festgestellt, dass ein erheblicher Teil des eSIM-Geschäfts außerhalb klassischer Provider stattfindet.
Fintech, Fluggesellschaften und spezielle Roaming-Anbieter nutzen die eSIM. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)
Nach Erhebungen der GSMA haben global beispielsweise nur 8 Prozent der Kundschaft über ihre Provider die eSIM entdeckt, und das obwohl 73 Prozent aller Netzbetreiber bereits ein eSIM-Angebot haben.
Doch den Nutzen haben interessanterweise andere. Dazu gehören etwa globale Provider wie Airalo und Holafly, die laut GSMA die beiden wichtigsten Anbieter bei Reise-eSIMs sind. Wir haben beide auch schon getestet:
Die beiden wichtigsten Reise-eSIM-Anbieter laut GSMA
Für diese beiden Unternehmen ist Roaming zwischen den Netzen das Hauptgeschäft. Sie verkaufen günstige eSIM-Pakete für Reisen ins Ausland und bewahren so viele Reisende vor ausufernden Kosten durch ihre Heimatanbieter. Aber auch für Branchenfremde ist die eSIM ein wichtiges Instrument geworden, um Kundschaft zu binden. Dazu gehören aktuell vor allem die Revolut-eSIM und verschiedene Angebote der Fluggesellschaften, die passend zum Flug und Reiseziel auch gleich einen passenden Mobilfunktarif verkaufen wollen – per herunterladbarer eSIM.
Im klassischen Providerbereich hingegen hat die eSIM vor allem in den USA einen guten Standpunkt. Das liegt an Apple, denn der iPhone-Hersteller verkauft zunehmend Smartphones, die gar keinen Schacht mehr für die kleinen Nano-SIMs haben. Dementsprechend waren 2025 laut GSMA-Erhebung in den USA 40 Prozent aller Smartphone-Verbindungen mit dem Netz über einen eSIM-Tarif ermöglicht worden. Global liegt der Wert bei 5 Prozent. Die GSMA erwartet für 2026 aber eine Verdopplung auf 10 Prozent. 2030 sollen schließlich erstmals mehr eSIM-Tarife unterwegs sein als SIM-Tarife.
Nur 12 Prozent der Reisenden nutzen einen eSIM-Tarif
Aber zurück zu den Reisenden, dem aktuell stärksten Wachstumsfeld. Wer sich mit der Thematik auskennt, der könnte meinen, dass die eSIM bei Reisen in andere Länder längst zum Standard gehört, denn außerhalb der EU gibt es selten günstige Roaming-Abkommen. Viele europäische Verträge erlauben etwa günstiges Roaming in der Schweiz, in Monaco oder im Vereinigten Königreich. Doch das ist die Minderheit der Verträge, vor allem bei globaler Betrachtung. Die eSIM ist also eine attraktive Alternative, um in Verbindung zu bleiben, ohne große Kosten zu erzeugen und erst einmal einen SIM-Kartenshop zu finden.
Aber gerade einmal 12 Prozent der Reisenden nutzen überhaupt eine eSIM. Die Erhebung ist aber mit Vorsicht zu genießen, da nur 11 Länder erfasst worden sind, deren Bevölkerung aber tendenziell viel unterwegs ist – darunter auch Deutschland. Interessant ist hierbei, dass es durchaus einige Nutzer gibt, die sowohl eine eSIM des Heimatproviders haben als auch eine eines Reise-eSIM-Anbieters, einer Bank, einer Fluggesellschaft oder Ähnlichem.
So haben 10 Prozent der Reisenden ein eSIM-Angebot der klassischen Anbieter mit einem Jahreswachstum von 15 Prozent. Das wird sich aber wohl bald ändern. Denn 4 Prozent der Reisenden haben eben eines der neuen Reise-eSIM-Angebote auf dem Smartphone installiert und laut GSMA ist hier mit einem Wachstum von 50 Prozent zu rechnen. Airalo, Holafly, Revolut und Co. holen also auf und die eSIM erleichtert ihnen, die Angebote an möglichst viele Personen zu bringen.
Trotzdem gibt es offenbar noch einiges zu tun. Die Zahlen zeigen nämlich deutlich, dass die eSIM vielen schlicht noch nicht bekannt ist oder sie den Sinn der Nutzung noch nicht sehen. Nur in den USA sieht es durch Zwänge seitens Apple anders aus. Apple will die klassische SIM-Karte nämlich loswerden. Das hat aber auch durchaus Nachteile. Denn das Mitnehmen einer eSIM von einem Gerät in ein anderes ist nicht immer ein simpler Vorgang wie bei der hardware-basierten SIM-Karte. Auch hier müssen die Beteiligten noch einiges tun. Es gibt natürlich auch schon positive Beispiele wie etwa den schnellen eSIM-Transfer von Vodafone.
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