Fixed Wireless Access als Brückentechnik bei fehlender Glasfaser
Die Fiberdays boten auch Raum für Techniken abseits der Glasfaser. (Foto: Andreas Sebayang / Handyhase)
- Fixed Wireless Access mit Mobilfunk ist eine Alternative zu Glasfaser.
- Doch die stationäre Mobilfunkversorgung ist für kleine Anbieter eine Herausforderung.
- Sercomm präsentierte auf den Fiberdays eine Mobilfunkbox, die auf viele Dinge zur Vereinfachung verzichtet.
Fixed Wireless Access (FWA) ist hierzulande keine sonderlich weit verbreitete Technik. Es handelt sich hierbei meist um ein Angebot von Mobilfunkanbietern, die bei Dir Zuhause einen 4G- oder 5G-Router hinstellen. Deinen Internetzugang bekommst Du dann nicht über ein Kabel, sondern drahtlos vom nächsten Mobilfunkmasten. Dabei darf sich die SIM-Karte in der Regel aber nicht bewegen, sondern steckt in einem handelsüblichen Router, der auch ein 4G- oder 5G-Modem hat.
Das hat Vor- und Nachteile. Netzbetreiber wie die Telekom, Vodafone oder Telefónica können einfach ihr Mobilfunknetz nutzen und darauf Angebote aufsetzen. Sie müssen auch nicht damit rechnen, dass Du Deinen Router bewegst, auch wenn das manchmal doch geht, wie unser Test des Vodafone Gigacube seinerzeit zeigte. In der Regel kann der Netzbetreiber seine Bandbreitenkapazitäten aber besser planen. Deswegen sind diese FWA-Angebote für Dich meistens auch günstiger zu haben als ein vergleichbarer Mobilfunkvertrag.
Auf den Fiberdays hat der taiwanesische Hardwarehersteller Sercomm nun seine Alternative zu solchen FWA-Anschlüssen präsentiert, die Anbieter unabhängig von den klassischen Netzbetreibern machen.
Auch ein Stadtwerk kann ein Mobilfunknetz anbieten
Sercomm ist dabei keine unbekannte Firma. Im Netzwerkbereich ist das Unternehmen seit Jahren etabliert, auch wenn nur wenige den Namen kennen dürften. Sercomms Ansatz, der jetzt in Deutschland starten soll, soll zukünftigen Netzbetreibern die Möglichkeit geben, beim Glasfaserausbau auch auf Mobilfunktechnik zu setzen, ohne sich mit den Großen beschäftigen zu müssen – oder überhaupt mit dem Thema Mobilfunk.
Denn Sercomm will die Nutzung von Mobilfunk stark vereinfachen. Ein Beispiel: Ein normaler Mobilfunkturm muss sich mit anderen „absprechen“. Wenn Du Dich bewegst, muss eine Software bestimmen, wann Du von welchem Tower zum nächsten geschickt wirst. Das nennt sich „Zellenroaming“. Das alles muss die Box von Sercomm nicht können, denn Deine Wohnung bewegt sich ja in der Regel nicht und für Wohnmobile gibt es andere Lösungen.
Somit verhält sich die Box eigentlich wie ein WLAN-Access-Point. Stadtwerke und Co. können sich also das Mobilfunkwissen sparen, was die Administration vereinfacht.
Da die Technik so einfach ist, ist sie laut Sercomm damit ideal als Brückentechnik, bis die Glasfaser kommt. Jedenfalls wurde Sercomm nicht müde, zu betonen, dass die Technik die Glasfaser eben nicht ersetzen soll. Das war schon ein wenig auffällig, aber bei einem Glasfaserkongress vielleicht auch eine gewisse diplomatische Aussage. Schließlich spräche vermutlich nicht viel dagegen, die Technik dauerhaft einzusetzen. Bei einer Hausverwaltung, die sich etwa gegen den Glasfaserausbau sträubt, wäre FWA eine interessante Alternative.
2,5 km Reichweite mit 5 GBit/s Kapazität
Technisch soll die Box eine Reichweite von bis zu 2,5 km zum Endanschluss bieten. Das ist aber ein Maximalwert. Die Wohnung, das Haus oder auch die Firma sollten eher im Bereich bis 2 km liegen.
Als Kapazität sieht Sercomm in seiner Box zwischen 4,5 und 5 GBit/s vor. Damit lassen sich also einige Haushalte anbinden. Sollte ein Unternehmen Interesse zeigen: Ein Einzelanschluss kann bis zu 2,5 GBit/s ermöglichen. Sercomm sieht hier das Angebot aber eher als Redundanz, sprich: Wenn die Glasfaser ausfällt, bleibt das Unternehmen über FWA am Netz, soll darüber aber nicht primär kommunizieren.
Für das Angebot nutzt Sercomm das 26-GHz-Band, also eine sehr hohe Funkfrequenz. Ein 800 MHz breites Band sorgt für die oben genannten Leistungen. Laut Sercomm ist dieses Band seitens der Bundesnetzagentur genau für solche Versorgungslücken vorgesehen und lässt sich vergleichsweise einfach lizenzieren. Die Lizenzzuteilung ist laut Sercomm in der Regel eine Sache von Tagen. Nur wenn mehrere Anbieter das Band nutzen wollen, kann es auch mal drei Wochen dauern. In einem Dorf, in dem noch Glasfaser fehlt, sollte das aber kein Problem sein.
Sercomm installiert die Technik bereits, allerdings für andere Szenarien. Im Heimatland Taiwan werden so etwa Mobilfunkmasten untereinander vernetzt (Backhaul), statt eine Glasfaser zu legen.
Stadtwerke mit eigenem Mobilfunknetz wären nichts Neues
Dass kleine Stadtwerke und Co. ein Mobilfunknetz aufbauen, ist übrigens gar nicht so ungewöhnlich. Ende der Nullerjahre hat beispielsweise Netcologne ein 450-MHz-Mobilfunknetz auf Basis der CDMA-Technik aufgebaut. Diese kannte man damals vor allem aus den USA und sie funktionierte ohne SIM-Karte. Wir mussten seinerzeit etwa unser CDMA-taugliches Notebook in einen US-Verizon-Store bringen, damit es ins Netz durfte.
Die Mobilfunktürme mit 450 MHz haben übrigens eine enorme Reichweite. Zur Einordnung: Die großen Netzbetreiber nutzen gerne LTE900, was eine zeitlang an Bahnstrecken problematisch war. Der Bahnfunk (GSM-R) nutzt den Frequenzbereich auch. Auch hier spricht die hohe Reichweite für die Frequenz. Dafür sind die Datenraten nicht die besten.
Das 450-MHz-Netz gibt es immer noch und wird unter anderem von Strom- oder Wasserversorgern genutzt. 450connect heißt dieses nun.
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