Google stärkt Apple-KI: Gemini wird zum Herz von Siri
Das Wichtigste in Kürze
- Die Antworten von Apples Siri werden bald durch das KI-Modell Gemini von Google erzeugt.
- Gemini soll Siri endlich auf die nächste Entwicklungsstufe heben, an der Apple schon so lange arbeitet.
- Was dieser Schritt für die Tools von Apple Intelligence bedeutet, ist noch unklar.
Siri bekommt ein Google-Herz
Es hatte sich bereits angedeutet, nun herrscht Gewissheit: Google liefert die Technologie für die verbesserte Siri. Wie der Suchmaschinenkonzern gestern mitteilte, sei man eine mehrjährige Partnerschaft mit Apple eingegangen. Die kommende Generation von Apples Foundation-Modellen soll auf Googles Gemini basieren, heißt es in der Ankündigung. Auf diese Weise soll unter anderem die verbesserte Siri realisiert werden, an der Apple schon seit Jahren arbeitet, ohne nennenswerte Fortschritte zu machen.
Persönlicher soll Siri werden, Nutzeranfragen sollen auch im Kontext beantwortet werden. Apple hatte einst eine viel versprechende Präsentation der neuen Version gegeben, von der man später sich allerdings eingestehen musste, dass es sich nur um eine Marketing-Demo gehandelt hatte – ein Tiefpunkt in Apples Unternehmenskommunikation.
Apples vorläufige Kapitulation im KI-Rennen
Die Baustelle bei Siri ist ein alter Schmerzpunkt bei Apple: Schon lange will der iPhone-Konzern die Sprachassistentin, die vor Jahrzehnten mal Aushängeschild für die Branche war, für die Gegenwart fit machen und den Nutzern ein Tool an die Hand geben, das im Alltag wirklich hilfreich ist.
Apple beteiligte sich indes nie in dem Ausmaß am KI-Wettrennen wie etwa Google oder Microsoft. Ein eigenes großes Sprachmodell wurde nie entwickelt, stattdessen liefert Siri seit einiger Zeit Antworten von ChatGPT auf alle Fragen, die über ihren begrenzten Horizont hinaus gehen.
Apple Intelligence, die KI-Suite von Apple, setzt daneben noch auf selbst entwickelte, kleine Sprachmodelle, die offline lauffähig sind und lokal auf den Geräten ausgeführt werden können. Sie stecken etwa hinter den Schreibtools auf iPhone und Mac.
Der nun vollzogene Schritt ist gleich mehrfach bemerkenswert: Einerseits gibt Apple damit seinen Anspruch auf, absehbar mit einem eigenen großen Sprachmodell am Markt aktiv zu werden. Mit Blick auf den reinen Wettbewerbsaspekt zweifellos ein herber Rückschlag.
Zum anderen sendet man ein deutliches Signal in Richtung OpenAI, von wo bislang die Siri-Unterstützung bezogen wird: Apple setzt lieber auf Gemini, statt auf ChatGPT. Das Google-Gewächs hat in den letzten Monaten zu einer bemerkenswerten Aufholjagd auf den KI-Marktführer der ersten Stunde angesetzt und drängt OpenAI zunehmend in die Defensive.
Dass mit Apple nun ein Branchenschwergewicht lieber bei Google zugreift, dürfte den Druck auf das Unternehmen von Sam Altman weiter erhöhen, wo sowieso schon Alarmstufe Rot ausgerufen wurde.
Was wird mit Apple Intelligence?
Apple entwickelt und nutzt bereits eigene Sprachmodelle. Diese sind jedoch deutlich kleiner und spezialisierter, sodass sie etwa lokal ausgeführt werden können, was perspektivisch noch interessant werden dürfte. Sie kommen derzeit bei Apple Intelligence zum Einsatz und das wird wohl auch so bleiben. Auch die Gemini-Instanzen, die Apple nun lizenziert hat, sollen auf Apples Private Cloud laufen, um das hohe Datenschutzniveau weiterhin sicherzustellen, dem Apple sich verschrieben hat.
Einige veröffentlichte Papers zeigen zudem, dass man in Cupertino im Bereich KI verschiedene interessante Entwicklungen in der Pipeline hat, etwa bei der ressourcenschonenden Erstellung und Bearbeitung von Bildern.
Dass Apple sich entschieden hat, vorerst ohne eigenes LLM auszukommen, kann auch aus einer anderen Perspektive gesehen werden: Es stimmt, dass man hier einen wichtigen Trend verpasst und so potenziell viel verschenkt hat. Wäre Apple rechtzeitig in die Entwicklung eingestiegen, hätte der iPhone-Konzern heute möglicherweise ein eigenes Modell, das mit Gemini und ChatGPT konkurrieren könnte, was dem Wettbewerb in diesem kritischen Marktsegment zweifellos gut getan hätte.
Zum jetzigen Zeitpunkt mag es indes auch klug sein, in das mehr und mehr aus dem Ruder laufende KI-Wettrüsten nicht mehr einzusteigen. Der Wettlauf der Hyperscaler um das größte Modell hat das billionenschwere Investitionsvolumen in der Tech-Branche längst in schwindelnde Höhen getrieben und die Entwicklung zeigt zunehmend Eigenschaften einer Blase, ohne dass bereits nachhaltige Geschäftsmodelle mit den KI-Werkzeugen etabliert wären. Falls die KI-Wette am Ende doch nicht wie geplant aufgeht, würde Apple die folgende üble Katerstimmung vermutlich besser überstehen, als der Rest der Tech-Titanen.
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