Aprilscherz: Preiswertes Surfen im Weltall – EU strebt Roaming-Verordnung für Astronauten an!
Das Wichtigste in Kürze
- Europäische Astronauten sollen ab 2035 auch zu Inlandskonditionen im Internet surfen können.
- Die Verordnung gilt zunächst nur für bestimmte Gebiete.
- Astronauten zeigen sich erfreut, fordern aber weitere Schritte.
Roam-like-at-home jetzt auch für Alexander Gerst und Co.
Astronauten aus Europa sollen künftig auch im Weltall zu Inlandspreisen surfen können. Darauf einigten sich Vertreter der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der EU am Mittwochvormittag. Wie die Europäische Union mitteilte, soll die neue Roaming-Verordnung 2035 in Kraft treten und für alle in Europa startenden Raumschiffe gelten. Ein Veto der Mitgliedstaaten gelte als höchst unwahrscheinlich.
„Der Schritt, Internetsurfen für unsere Raumschiffbesatzung preiswerter zu machen, ist längst überfällig“, sagte Josef Aschbacher, Generaldirektor der ESA, im Rahmen eines Pressegespräches. Der Weltraumtourismus habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, wodurch auch der Bedarf an ausreichend preiswertem Internet gedeckt werden müsse.
Die Astronauten seien im All trotz Schwerelosigkeit einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt. Deswegen helfe eine neue Roaming-Verordnung dabei, die Crew-Mitglieder zumindest preislich zu entlasten. Bislang hatte die Besatzung der ISS nur zu hohen Preisen im Mobilfunknetz unterwegs sein können. Video-Telefonate mit der daheimgebliebenen Familie entpuppten sich so oftmals als Kostenfalle.
„Der Kontakt zur Erde, sei es über Social-Media oder Whatsapp-Calls, ist auch für das Gemüt der Astronauten unablässig“, so Kommissionspräsidentin der EU, Ursula von der Leyen. Er müsse daher unbedingt ermöglicht werden, ohne dass sich die Raumfahrer Gedanken um ihre Finanzen machen müssten.
Surfen zu Inlandskonditionen nur bei Überflug der europäischen Mitgliedsstaaten
Alle Einzelheiten der Roaming-Verordnung stehen bislang nicht fest, klar ist allerdings, dass sie zunächst nicht für den gesamten Weltraum gelten soll. Von der Leyen teilte mit, dass das All-Roaming ab 2035 nur möglich sein wird, wenn die Astronauten den Europäischen Wirtschaftsraum oder den eines der Länder überfliegen, die in der Roamingverordnung von 2022 festgehalten sind.
Die Kommissionspräsidentin befürchtete andernfalls den Missbrauch der geringen Internetgebühren. „Wir wollen vermeiden, dass sich jemand mit einem Tarif aus Europa ins All schießen lässt, nur damit er dann am anderen Ende der Welt preiswert mit seinen mobilen Daten surfen kann. Das ist nicht Sinn der Sache“, so von der Leyen. Dafür müsse auch erst einmal das internationale Recht angepasst werden.
„Wir sind in Jubel ausgebrochen“ – Positive Resonanz bei Bordbesatzung
Im Umfeld der Astronauten sorgt der Vorstoß zur neuen Roaming-Verordnung für Begeisterung. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst erklärte in einem Instagram-Video, dass die Nachricht über kostengünstiges Internet bei allen europäischen Astronauten mit Freude aufgenommen wurde.
„Wir haben diese frohe Kunde gehört und sind direkt in Jubel ausgebrochen. Klar, war dieser Schritt überfällig, aber dass die EU jetzt endlich Nägel mit Köpfen macht und auch einmal an uns Ungesehene denkt, stimmt alle von uns sehr zuversichtlich“, so Gerst.
Gleichzeitig mahnte der Astronaut aus Künzelsau, dass dies erst der Anfang sein kann. Erst wenn sich auch der Empfang auf der Raumstation verbessere und beim Internetsurfen zumindest 50 MBit/s im Download möglich seien, habe man die Lebensqualität erreicht, die sich die ISS-Besatzung wünsche.
Eine Anfrage zu etwaigen Anpassungen des Mobilfunknetzes ließ der Düsseldorfer Mastbetreiber Vantage-Towers unbeantwortet.