Warum ich mir das iPhone Duo nicht kaufen werde
- Apples erstes Foldable ist da und spaltet die Meinungen.
- Das Fehlen von FaceID und Co. ist nur einer von mehreren Punkten, die für einen Rückschritt im Hause Apple sprechen.
- Würde ich es kaufen? Nein, nicht mehr, doch das Warten auf den Nachfolger kann sich durchaus lohnen.
Bringt das iPhone Duo faltbare Smartphones in den Mainstream?
Faltbare Smartphones, in deren Reihen sich nun auch das iPhone Duo dazugesellt hat, sind schon lange keine Neuheit mehr, dennoch bleiben sie bis heute ein Kuriosum auf dem Markt. Zwar haben die meisten schon einmal davon gehört oder eine Werbung gesehen, aber kaum jemand kennt jemanden, der ein Falt-Smartphone nutzt. Das hängt auch mit den Vorurteilen zusammen, die unter anderem die Berichterstattungen um die ersten Samsung-Foldables zu verschulden haben: Zu teuer, zu fehleranfällig, zu geringer praktischer Nutzen. Auf diese simple Formel lassen sich Skepsis und Kaufzurückhaltung der Kunden bis heute herunterbrechen.
An der Haltbarkeit hapert es indes heute meist nicht mehr. Teuer sind die Foldables aber immer noch und ihren Nutzen im Alltag haben die Geräte trotz verschiedener Formfaktoren, die sich inzwischen herausgebildet haben, für viele noch immer nicht bewiesen.
Apples Falt-iPhone wurden im Vorfeld diesbezüglich wahre Wunderkräfte zugeschrieben: Zahllose Marktbeobachter und Analysten postulierten den Foldable-Verkäufen märchenhafte Zuwächse, sobald erst Apples Falter auf dem Markt wäre. Wieder einmal ließ sich landauf landab aus Expertenmund vernehmen: Apple werde ein Produkt zwar nicht erfinden, aber ihm den Weg in den Massenmarkt ebnen, wie schon manches Mal zuvor.
- Der iPod: nicht der erste MP3-Player, aber der populärste
- Das iPhone: nicht das erste Smartphone, aber das erste wirklich smarte Phone
- Das iPad: ein Tablet, das erfunden werden musste, damit Nutzer es „brauchten“
- Die Apple Watch: nicht die erste Smartwatch, aber lange Jahre die unangefochten meistverkaufte
Der titangewordene Begründer eines Mainstreams für Falt-Smartphones? Ein solcher Selbstläufer wird das iPhone Duo sicher nicht. Und zumindest ich werde bis auf weiteres nicht zugreifen.Roman van Genabith - Redakteur und Apple-Nutzer seit 2010
iPhone Duo: Preis und warum ich es trotzdem kaufen WOLLTE
Seit über ein faltbares iPhone von Apple spekuliert wurde – mithin seit Jahren und Jahren – war stets meine überzeugte Aussage dazu: Gekauft, sobald es kommt. Meine prinzipienbasierte Hinwendung zu Apple-Produkten aus den frühen 10er-Jahren ist inzwischen einer deutlich abgekühlt pragmatischen Produkttreue des Plattformgefangenen gewichen. Aber trotz allerlei Fehlentwicklungen und Verirrungen, denen Apple über die letzten Jahre immer wieder erlegen ist, das faltbare iPhone war, da blieb ich mir sicher, trotz allem ein Pflichtkauf.
Ich wusste natürlich: Das wird teuer. Foldables sind ohnehin preislich in der absoluten Oberliga unterwegs und Apple würde hier sicher nochmal besonders kräftig zulangen. Tatsächlich, 2.290 Euro sind eine Ansage und auch das iPhone Duo mit Vertrag ist nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Aber das würde es mir wert sein, allein schon, um endlich iOS auf einem faltbaren Bildschirm zu sehen.
Spätestens seit die Falt-Flaggschiffe der letzten Jahre auf dem Markt sind, ist klar, rein mechanisch sind die Geräte inzwischen aller Kinderkrankheiten entwachsen, bieten oft eine beeindruckende Ausstattung und sind womöglich sogar ihre exorbitanten Preisempfehlungen wert. Bei aller Freude über die Fortschritte der Hardwareentwicklungen, die ich bezeugt habe, ein Problem blieb: Es waren keine iPhones.
Apples Ökosystem lässt sich nun einmal schwer kopieren und so pfiffig Falt-Androiden hier und da auch softwareseitig auftrumpfen, einen Use-Case für mich sah ich hier nie. Das würde anders werden, wenn Apple sein erstes Falt-iPhone brächte: Auf selbigem hohen Niveau der Hardware, das inzwischen erreicht ist, wenn nicht sogar noch darüber, aber mit iOS, meiner gewohnten Nutzererfahrung, und meinen Apps, aber mit neuen Möglichkeiten der Nutzung.
Apple hat sich Zeit gelassen, viel Zeit. Zwischenzeitlich schien ein faltbares iPhone fast schon abgeschrieben, doch seit etwa einem Jahr wurde nach und nach klarer: Das Gerät kommt und die Spekulationen nehmen ein Ende. Die Erwartungen an ein Foldable von Apple waren indes auch angesichts der zwischenzeitlichen Fortschritte immens hoch und Apple konnte oder wollte hier nicht vollständig liefern.
Was dem iPhone Duo fehlt: Face ID, Tele-Kamera & Co.
Es gibt sicher einen singulären Grund, wieso Apple das iPhone Duo nicht als iPhone Ultra auf den Markt brachte: Weil es kein iPhone Ultra ist. Es ist sogar, abseits seiner Falt-Eigenschaften, ein Rückschritt für ein High-End-iPhone, aus den inzwischen sattsam diskutierten Gründen:
- kein Face-ID
- keine Tele-Kamera
- eine innovativ unter dem Display versenkte, aber mutmaßlich unterwältigende Facetime-Kamera
- dafür ein überwältigender Preis, der das, was er verspricht, schlicht nicht einlöst
Dabei geht es mir gar nicht so sehr um die einzelnen ausstattungstechnischen Defizite. Ich hatte und habe nichts gegen Touch-ID, ich nutze es am Mac jeden Tag und schätze es sehr. Ich brauche auch die Tele-Kamera und einen optischen Zoom ganz definitiv nicht jeden Tag und komme fraglos auch Monate ohne dieses Kamerafeature aus. Den immens hohen Preis hatte ich erwartet und quasi schon im Vorfeld abgenickt. Warum also meine Enttäuschung und daraus resultierende Kaufzurückhaltung?
Warum Apple beim Falt-iPhone spart: Ein teurer, fragwürdiger Kompromiss
Um die Frage zu beantworten, muss man ein wenig mit Apples Philosophie der Hardwareinnovation vertraut sein, die allerdings inzwischen leider von manch anderem Hersteller aufgegriffen worden ist: Kern dieser Strategie am iPhone war und ist es seit Jahren, technisch längst mögliche Verbesserungen und Weiterentwicklungen nicht in dem Maße in die Endprodukte zu bringen, in dem sie verfügbar werden.
Während die Android-Konkurrenz etwa kameratechnisch teils Lichtjahre voraus flog, lieferte Apple ein „Innovatiönchen“ nach dem anderen aus, stand fest auf der Bremse und verkaufte jeden kleineren Entwicklungsschritt Jahr für Jahr als Weltneuheit. Und kam damit durch.
Letztmals eindrucksvoll zu sehen war das beim iPhone 18 Pro. Das bekam zwar eine variable Blende, aber keinen größeren Sensor – den gibt’s dann vermutlich im iPhone 19 Pro – und einstweilen wird das lang ersehnte Kamera-Highlight zum Lowlight.
Die Verkaufszahlen brachen nie ein und der Marktanteil des iPhones überkletterte in den USA gar die 50-Prozent-Marke. Ebenso faszinierend, wie verstörend: Die Kunden sahen Apple diese Verzögerungstaktik stets nach. Lieber ein Feature später bringen, dafür aber richtig machen – dieses Narrativ, von Apples Marketingabteilung wieder und wieder aufgesagt, funktioniert seit Jahren.
Dabei ist an dem Ansatz grundsätzlich nichts falsch. Viel zu viele Produkte kamen schon völlig unausgereift auf den Markt und brauchten eine oder gar mehrere Generationen, bis sie halbwegs einsetzbar wurden. Nur hat Apple bei aufmerksamen Beobachtern seit Jahren den Ruf, Featureverbesserungen für Absatzmaximierungen zurückzuhalten und das auf eine geradezu schamlose Weise, die für nicht wenig Frustration bei Vielnutzern sorgte.
Nun ist es mit den Faltern indes so eine Sache: Hier gerät man wirklich an die Grenzen des technisch Machbaren, immerhin wird eine neue Geräteklasse ingenieurtechnisch erforscht. Auch Samsung brachte nicht alle seine Top-Features aus den Ultra-Modellen in seine frühen Fold- und Flip-Galaxys.
Inzwischen hat man das aber längst geschafft – und nicht nur dort, auch die Konkurrenz aus China baut technisch auf dem neuesten Stand befindliche Foldables. Wer auf Apple wartete, wusste: Das iPhone Duo, das in Phasen der Spekulation zunächst iPhone Fold genannt wurde – wird sich an diesen Top-Produkten der Klasse messen lassen müssen, eine Geräteklasse, die inzwischen schon recht erwachsen geworden ist und sich kaum noch eine Blöße gibt. Für Apple würde es keinen Welpenschutz der Produktpioniere geben.
Und hier stehen wir nun, mit einem iPhone Duo, dessen Name fatal an ein anderes Duo erinnert, eines von Microsoft nämlich, mit dem man auch viel vor hatte und dem doch so gar keine große Zukunft beschieden war.
Fazit: Lohnt sich das iPhone Duo?
Ist das iPhone Duo vor diesem Hintergrund ein schlechtes Produkt? Sicher nicht. Ist es zu teuer? Sicher ja. Bin ich trotz meiner Vorbehalte neugierig auf das faltbare iPhone und wie es sich im Alltag schlägt? Definitiv. Und würde jemand im Kreise meiner Kollegen und Freunde zum Marktstart zuschlagen, ich würde es auf jeden Fall gespannt in die Hand nehmen und ein bisschen mit Mechanismus, Apps und Oberfläche spielen. Ich würde mir auch gern einen Eindruck von der Alltagsnutzung machen.
Denn das ist ein weiterer Aspekt, wenn wohl auch kein Ausschlusskriterium: Apple nutzt einen ungewöhnlichen Formfaktor für das Duo. Man wird sich sicher einiges dabei gedacht haben, aber ob ein Umstieg vom iPhone 17 Pro Max und dessen gewohnter Größe auf die Dimensionen des Duo mir so leicht fallen würde, müsste sich noch erweisen.
Unterm Strich bleibt indes meine Ernüchterung: Vieles fehlt, was für ein High-End-iPhone seit Jahren selbstverständlich ist und schon jetzt ist absehbar, vieles davon ist nächstes Jahr dabei. Face ID? Dürfte kommen. Tele-Kamera? Wird Apple kaum ein zweites Mal draußen lassen können. Die vollständigere Nutzung iPadOS-artiger Features? Will Apple wieder mal aus produktstrategischen Gründen verschleppen und bringt damit wiederum Teile der Nutzerschaft gegen sich auf, die genau sehen, was da gespielt wird.
Das iPhone Duo wird möglicherweise in ein paar Jahren in etwa so gesehen wie die erste Apple Watch, die Apple selbst später als Apple Watch Series 0 bezeichnet und damit mehr oder weniger offen zum Technologiedemonstrator einer neuen Geräteklasse erklärt hatte.
Anders als bei der Apple Watch, hat Apple das iPhone heute aber nicht neu erfunden. Und leider hat man hier, ob gezwungenermaßen oder gewollt, zu wenig ins Paket gepackt, um mich abzuholen. Das iPhone Duo 2 oder 3 wird vielleicht schon eher das iPhone Ultra, das viele sich wohl erhofft und ich ebenso erwartet hatte.
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