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Huawei P20 Pro mit 40-Megapixel-Knipse: Das Geheimnis der Triple-Kamera – ist die Cam das aktuelle Nonplusultra?

„Auflösung ist nicht alles“ besagt ein Sprichwort, wenn es um die Qualität von digitalen Kameras geht. Dass diese Aussage nicht von ungefähr kommt, beweist Google mit den Pixel-2-Smartphones: Trotz gleichbleibender Auflösung von 12 Megapixel, sorgt die Kamera-App von Google für einen enormen Zuwachs an Bildqualität, verglichen mit anderen Smartphones und 12-Megapixel-Kameras. Mit dem Huawei P20 Pro zeigt der chinesische Konzern Huawei wiederum, dass viele Megapixel bei einer Handy-Kamera sehr wohl den Unterschied machen können. Mit satten 40 Megapixel in einem nur 7,8 Millimeter flachen Gehäuse.

Huawei P20 Pro (Bildquelle: Huawei)

Optimierer statt Nachahmer: 40-Megapixel-Kamera beim P20 Pro

Das erste Smartphone mit 40 Megapixel ist das Huawei P20 Pro jedoch nicht. Schon 2012 stellte Nokia – damals wirklich noch DAS Nokia – mit dem Nokia 808 PureView das weltweit erste Mobilfunkgerät mit einer 42 Megapixel auflösenden Kamera vor. Ironisch an der Sache ist, dass es zeitgleich auch das letzte Symbian-Smartphone überhaupt war. Ein Jahr später folgte mit dem Lumia 1020 ein Windows-Phone-Smartphone und danach waren 16 Megapixel lange Zeit das Höchste, was die Konkurrenz an Auflösung zustande brachte. Es setzte sich nach dem Megapixel-Wettrüsten das Mantra durch, dass 12 Megapixel genügen und stattdessen die Software und die Optik sowie der Kamera-Sensor selbst besser werden müssen.

Triple-Kamera beim Huawei P20 Pro: Die harten Fakten

Nun wagt sich Huawei an diese magische Auflösung heran und kombiniert sie mit den aktuellen technischen Errungenschaften bei Sensor-Technologie und Fortschritten der optischen Linsen. Das Knowhow dafür stammt vom deutschen Traditionshersteller Leica und wird als Optik mit der Bezeichnung „Vario-Summilux-H 1:1.6-2.4/27-80 ASPH“ verbaut. Aber kommen wir zu den Kerndaten der neuen Triple-Kamera im Huawei P20 Pro.

  • Hauptsensor: 40 Megapixel Auflösung, 1/1,74″ RGB-Sensor mit Bayer Pixel-Matrix, Blende mit f/1.8, 27 Millimeter Brennweite, Autofokus mit Phasenerkennung
  • Zweit-Sensor: 20 Megapixel Auflösung, 1/2,78″ Monochrom-Sensor, Blende mit f/1.6, 27 Millimeter Brennweite
  • Dritt-Sensor: 8 Megapixel Auflösung, 1/4,4″ RGB-Sensor, Teleobjektiv mit f/2.4-Blende, 80 Millimeter Brennweite, optischer Bildstabilisator

Das Geheimnis der Triple-Kamera liegt weniger in den einzelnen Sensoren, sondern in deren Zusammenspiel. Der Hauptsensor mit seiner Größe von 1/1,74″ ist gut doppelt so groß, wie die sonst üblichen Kamera-Sensoren der Oberklasse und kann kombiniert mit seiner Blende von f/1.8 vergleichsweise etwa 20 Prozent mehr Licht aufnehmen. Huawei verlässt sich nicht allein darauf und speist die Kamera-Software mit zusätzlichen Lichtinformationen über den 20 Megapixel auflösenden Monochrom-Sensor und einer nochmals lichtempfindlicheren f/1.6-Blende. Unterm Strich sorgt das dafür, dass der Detailgrad enorm hoch ausfällt, einem für Smartphones vergleichsweise großen Dynamikumfang und auch eine Lichtempfindlichkeit bis ISO 102.400 sind Eckdaten, die beeindrucken. In ihrer Gesamtheit sorgen sie dafür, dass Fotos des Huawei P20 Pro in voller Auflösung sehr detailliert und rauscharm sind: Bildfehler, wie grieslige Bildflächen, treten verschwindend gering auf.

Bayer-Matrix bei Sensoroberfläche der Kamera des Huawei P20 Pro

Ein weiteres Detail ist die Verwendung der sogenannten Bayer-Matrix für die Sensoroberfläche. Hierbei sind zwei grüne, ein roter und ein blauer Subpixel schachbrettartig zu einem einzelnen Pixel zusammengefasst. Das hat damit zu tun, dass Grün im menschlichen Auge stärkeren Anteil bei der Wahrnehmung von Helligkeit besitzt, verglichen mit Rot und Blau. Es ist auch für Kontrast- und Schärfewahrnehmung entscheidend. Zum Vergleich: Bei Grautönen ist der Grünanteil zu 72 Prozent verantwortlich für die Wahrnehmung von Kontrasten des menschlichen Auges.

Mit dem Zweiten sieht man mehr: Der Trick von Huawei

Das größte Problem bei immer kleineren Pixeln auf den Kamerasensoren, ist die niedrigere Lichtempfindlichkeit. Nur wegen der kleinen Sensorflächen sind Smartphone-Kameras nach wie vor keine ernsthafte Konkurrenz für DSLR-Kameras. Daher wendet Huawei im P20 Pro den Trick an, dass ein zweiter hochauflösender Sensor ausschließlich Schwarz-Weiß aufnimmt. Sprich der sonst übliche Farbfilter zum Aufschlüsseln des einfallenden Lichts nach den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau wird einfach weggelassen. Daher sind Fotos der Monochrom-Kamera prinzipiell detailreicher und um einiges schärfer, trotz nur halb so großer nativer Auflösung. Ausschlaggebend dafür ist der Wegfall von Interpolation der Helligkeitswerte und ein erheblich größerer Kontrastumfang verglichen mit einer reinen Farbaufnahme.

Ein Algorithmus sorgt schließlich dafür, dass die Farb- und Monochrom-Aufnahmen miteinander kombiniert und entsprechend aufgewertet werden. Spätestens an diesem Punkt kommt die in den vergangenen Jahren stark gewachsene Prozessorleistung zum Tragen: Die Anpassung und Optimierung erfolgt in nur wenigen Sekunden. Am stärksten kommt das Prinzip der Monochrom-Sensorik bei schwachem Licht zum Tragen, denn ein solcher Sensor nimmt in solchen Situationen bedeuten mehr Lichtwerte auf, als ein normaler Farbsensor. Dadurch liefert die Smartphone-Kamera des Huawei P20 Pro auch bei Low Light bessere Aufnahmen ab.

Hier siehst Du einen Vergleich zwischen dem Farb- und dem Monochrom-Sensor im Honor V8, welches ebenfalls auf dieses Dual-Kamera-Prinzip setzt.

Honor V8 Fotocollage Farbe/Monochrom

(Draufklicken zum Vergrößern)

KI-Unterstützung für die Automatik: P20-Pro-Kamera – Nonplusultra?

Hinzu kommt die pure Rechenkraft des verbauten Kirin-970-Prozessors, welcher die Datenverarbeitung im Zusammenspiel mit dem Dual-ISP (Image Signal Processor) enorm beschleunigt. Einzig die NPU, ein lernfähiger KI-Chip innerhalb des Kirin 970, liegt mit ihrer automatischen Szenenerkennung und damit verknüpfter automatischer Belichtung nicht immer korrekt. Technisch betrachtet ist die Kamera des Huawei P20 Pro trotzdem das aktuelle Nonplusultra und nach Meinung einiger Kamera-Experten der Gipfel der Smartphone-Fotografie. Laut Dx0-Mark habe Huawei mal eben eine oder zwei Kamera-Generationen übersprungen.

40-Megapixel-Sensor mit Vorteil beim Zoomen

Einen Vorteil zieht Huawei aus den 40 Megapixel beim Zoomen. So beherrscht das Huawei P20 Pro einen vereinfacht gesagt dreifachen optischen Zoom, was nebenbei bemerkt das erste Zenfone Zoom von Asus schon 2015 liefern konnte. Damals allerdings mit einem tatsächlich optischen Zoom-Objektiv, was in einer Blende von f/2.7 bis f/4.8 resultierte. Das Huawei P20 Pro realisiert dies rein digital durch die brachial große Auflösung. Zusammen mit dem Teleobjektiv des dritten Sensor, ist ein nahezu verlustfreier Fünfach-Hybrid-Zoom möglich.

Wenn der 10-Megapixel-Modus aktiviert wird, fasst die Kamera-Software des Huawei P20 Pro kurzerhand ein Raster von 4×4 Subpixel zu einem größeren Pixel zusammen. Dadurch lassen sich Pixel mit gleichen Farbinformationen zusammenfassen und am Ende erheblich Daten einsparen, was wiederum in einer geringeren Dateigröße resultiert. Technisch betrachtet können pro Bildpixel doppelt so viele Lichtinformationen aufgenommen werden, was wiederum in einer sichtlich besseren Low-Light-Performance, sprich Lichtempfindlichkeit bei schwachem Licht, wie zum Beispiel in der Nacht oder bei niedriger Zimmerbeleuchtung, hilfreich ist. Wie das Prinzip funktioniert, zeigt das folgende Bild eines Sony-Sensors mit einer Quad-Bayer-Matrix.

Quad-Bayer-Matrix für Lichtfilter (Bildquelle: Sony)

Quad-Bayer-Matrix für Lichtfilter (Bildquelle: Sony)

Triple-Kamera des Huawei P20 Pro im DxO Markt Test

Interessant ist, dass das Huawei P20 Pro im Kamera-Benchmark von DxO Mark mit 109 Gesamtpunkten einsam die Spitze der Smartphone-Kameras anführt. Erst mit etlichen Punkten Unterschied folgt das Huawei P20 auf dem zweiten Rang, bevor mit 99 Punkten das Galaxy S9 Plus die Top3 schließt. Dahinter ist es meist nur ein einziger Punkt, in dessen Wertung sich die Konkurrenz voneinander absetzt – und damit unterstreicht, welches Gesamtpaket Huawei mit der Triple-Kamera abgeliefert hat.

Fazit & Einschätzung: Triple-Kamera kein Gag, sondern nützlich!

Was Samsung sich mit dem Galaxy S9 Plus auf die Fahnen geschrieben hat, setzt Huawei mit dem Huawei P20 Pro tatsächlich um: „Die Kamera. Neu erfunden.“ Entgegen einigen Befürchtungen, ist ersten Tests zufolge die Triple-Kamera mit den wahnwitzigen 40 Megapixel Auflösung alles andere als ein Marketing-Gag, sondern tatsächlich nützlich. Allerdings erst im Zusammenspiel mit den anderen beiden Sensoren, die für Zoom-Effekte und vor allem Lichtinformationen wichtig sind.

Huawei P20 Pro schlägt Kamera des Samsung Galaxy S9 Plus!

Auch wenn die Wertung von DxO Mark in den vergangenen Monaten stark an Glaubwürdigkeit und Autorität eingebüßt hat, sorgt der deutliche Vorsprung von 10 Punkten auf den Drittplatzierten – dem Samsung Galaxy S9 Plus mit lediglich 99 Punkten – für ordentlich Aufsehen.

Unterm Strich festgehalten, könnte das Huawei P20 Pro tatsächlich die beste Kamera für längere Zeit bieten, die in einem Smartphone zu finden ist. Ob und wann die Konkurrenz mit ähnlichen Ansätzen aufwarten kann ist fraglich. Wer sich nicht scheut, 899 € UVP auszugeben, kommt Foto-technisch am Huawei P20 Pro dieses Jahr nicht vorbei.

Pro

  • Enorm hohe Details und Kontraste
  • Verlustfreier 5-facher Hybrid-Zoom
  • Verwacklungsfreie 6-Sekunden-Langzeitbelichtung
  • Bessere Low Light Aufnahmen

Kontra

  • Software-KI im Automatik-Modus nicht immer richtig