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Lebara wechselt das Netz und geht von der Telekom zu Telefónica/o2

Wie Telefónica Deutschland heute in einer Pressemitteilung bekanntgab, konnte Lebara als neuer Wholesale-Partner gewonnen werden. Als Konsequenz daraus wird Lebara in 2022 vom Telekom-Netz ins Netz der Telefónica wechseln.
Lebara wechselt vom Telekom- ins Telefónica-Netz

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay / Telekom / o2, Montage: Handyhase.de

Überraschender Wechsel: Lebara geht zur Telefónica

Erstmal erscheint es widersprüchlich, dass ein Provider vom besten deutschen Netz in ein anderes wechseln sollte, aber wir versuchen den Ansatz einer Erklärung.

Noch wirst Du auf den Internetseiten von Lebara prominent und immer wieder darauf hingewiesen, dass Du bei Bestellung eines Prepaid- oder Laufzeit-Angebotes im D-Netz der Telekom unterwegs bist und was das für Vorteile für Dich hat. Offenbar sieht man diese Vorteile bei Lebara inzwischen als deutlich geschrumpft an oder muss sparen. Oder beides.

Damit wird Lebara aber auch einen ihrer drei Werbeclaims einmotten können, denn ohne die Telekom als Partner gibt es kein „bestes D-Netz für optimale Verbindung“. Ob dies am Ende tatsächlich eine Rolle spielt oder ob die Kunden von Lebara hauptsächlich überzeugte Lebara-Kunden sind – zum Beispiel wegen der vielfältigen Auslandsoptionen und Pakete für Telefonie, SMS und Daten – wird sich zeigen. Innerhalb Deutschlands tun sie sich mit dem Wechsel sicher keinen Gefallen, auch wenn das Netz laut eigener Aussage von Telefónica (und Testurteilen von Mobilfunk-Magazinen) inzwischen auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern angekommen sein soll.

Der Wechsel kann auch Vorteile bringen

Lebara steht damit an erster Stelle die Möglichkeit offen, noch etwas an der Preisschraube nach unten zu drehen, falls der hauptsächliche Beweggrund für die neue Partnerschaft – und das Ende der alten – ein Mitgliederschwund sein sollte. Wir wissen nicht, wie stark direkte Telefonie ins Ausland dasteht im Verhältnis zur Nutzung von Messenger- und VoIP-Diensten, die einfach über die Datenverbindung und damit Dein Datenvolumen laufen – insbesondere, wenn Du als Kunde Angebote wie Stream On Social & Chat der Telekom nutzt, wodurch deren Nutzung nicht mal auf Dein Inklusivvolumen angerechnet wird.

Wir könnten uns jedenfalls vorstellen, dass Lebaras Ethno-Ansatz als Provider für den „Weltbürger“ auch während und wegen Corona gelitten hat. Wenn alle Zoom, Google Meet, Microsoft Teams oder einfach nur Skype auch privat nutzen, telefonieren sie nicht mit dem Handy zur Familie ins Ausland.

Zudem bietet Lebara häufig Gratis-SIM-Karten an. Diese sind zwar gut für die Neukundengewinnung, allerdings verursachen die kleinen Geschenke erst einmal Kosten. Es ist gut möglich, dass dieser Bonus im Telekom-Netz ein wenig zu großzügig ist.

Netzwechsel kann problematisch werden

Lebara hat zuletzt in Frankreich sein Gastgebernetz gewechselt und seitdem häufen sich die Probleme. Insbesondere ist das Empfangen und Versenden von SMS teilweise unmöglich, was gerade im Hinblick auf deren weitverbreiteten Nutzen als Teil einer Zwei-Faktor-Authentifizierung unschöne Nebenwirkungen haben kann.

Ebenso müssten alle SIM-Karten getauscht werden, da diese zum Telekom-Netz gehören und nicht einfach so auf das Telefónica-Netz umprogrammiert werden können – im Grunde muss eine Rufnummernportierung und Ausgabe neuer SIM-Karten für alle Bestandskunden stattfinden. Ob Lebara allen Bestandskunden zu einem zukünftigen Termin (wie in Frankreich) kündigen wird, oder ob Bestandskunden, die nicht freiwillig das Netz wechseln wollen, von einer anderen Telekom-Tochter bis zum Vertragsende noch bedient werden, ist unklar.

Wir haben bei Lebara um Stellungnahme gebeten und werden hier per Update für Dich am Ball bleiben.

Profilbild von Michael
Schreibt freiberuflich für ein paar Online-Medien. Hält nichts von einer Gadget-Monokultur, auch im eigenen Haushalt. Apple-Produkte spielen seit 2003 eine Rolle, Android-Erstkontakt war das Motorola Milestone Ende 2009. Ist studierter Geophysiker und versucht, den Blödsinn vom Wesentlichen zu trennen.

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