Mehr Rechte für Verbraucher

Langsamer Internet-Anschluss per DSL, VDSL oder TV-Kabel: Weniger bezahlen bei weniger Leistung

Der Internetanschluss per DSL, VDSL oder TV-Kabel ist wieder zu langsam, der Stream ruckelt am Abend, Du kannst nicht vernünftig von zu Hause aus arbeiten? Dann könnte Dir eine geplante Gesetzesänderung einiges an Geld sparen. Wir haben alle Infos zusammengefasst.

Gesetzesänderung langsamer Internet-Anschluss

Internet im Schneckentempo: Gesetzliche Lage bekommt bald eine Änderung?

Gerade in Zeiten von Home-Office sind viele Nutzer auf einen verlässlichen Internetanschluss per DSL, VDSL oder Internet über das TV-Kabel angewiesen. Umso ärgerlicher, wenn der Anschluss nicht das hält, was er verspricht oder gebucht wurde.

Was die aktuelle Gesetzeslage bei einem langsamen Internet-Anschluss?

Bisher ist es gültiges Recht, dass Breitbandanschlüsse mit dem Slogan „bis zu X MBit/s“ beworben werden dürfen, ohne das der Anbieter diese auch wirklich erbringen muss. Das könnte sich jedoch mit einer Überarbeitung des Telekommunikationsgesetzes – kurz TKG – ändern.

Weniger Leistung, weniger zahlen?

Konkret wurde ein Referentenentwurf eingebracht, welcher entscheidende Änderungen des TKG im Bezug auf Breitbandanschlüsse vorsieht, berichtet Netzpolitik.org. Konkret handelt es sich bei dem Entwurf, um die größte Überarbeitung des TKGs seit etlichen Jahrzehnten. Es wurde vom Bundeswirtschaftsministerium und vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit Stand Mitte Mai 2020 erarbeitet. Es ist also davon auszugehen, dass zahlreiche Bestandteile auf die aktuellen Gegebenheiten und Pläne der Bundesregierung modernisiert werden.

So soll Kunden unter anderem das Recht eingeräumt werden, die monatlichen Gebühren anzupassen, sollte die Leitung des Anbieters nicht das liefern, was gebucht wurde.

Ein Beispiel: Du hast einen DSL-Anschluss mit 50 MBit/s gebucht. Kommen allerdings nur 25 MBit/s an und es beeinträchtigt die Nutzung merklich, kannst Du nach dem möglichen neuen TKG kurzerhand entsprechend weniger Gebühren bezahlen.

Ab wann ist ein langsamer Internet-Anschluss eigentlich langsam?

Ganz so einfach wird es nach der Gesetzesänderung, sofern sie durchkommt, allerdings nicht werden. Immerhin gibt es reine Breitbandanschlüsse eher selten – Telefon, Fernsehen und noch allerhand weitere Dienste können ebenso Bestandteil des Tarifs sein, welche bei der Berechnung der Grundgebühr berücksichtigt werden.

Hinzu kommt, dass der Gesetzesentwurf Einschränkungen beinhaltet, ab wann eine langsame Leitung als „wirklich langsam“ zu betrachten ist. So heißt es unter anderem in Paragraph 55 Absatz 4, dass es sich um eine „erhebliche, kontinuierliche oder regelmäßig wiederkehrende Abweichung“ handeln muss. Konkretes Beispiel wäre ein Kabelanschluss mit bis zu 100 MBit/s, welcher in den Abendstunden regelmäßig auf wenige MBit/s absackt, sodass selbst einfaches HD-Videostreaming erheblich ruckelt.

Ist eine Kündigung unter bestimmten Voraussetzungen möglich?

Im Zuge der Novelle wird es auch interessante Regelungen bezüglich des Kündigungsrechts geben. So heißt es ebenfalls in Paragraph 55, dass ein Kunde seinen Vertrag kündigen kann, sollte der Provider einseitig Änderungen an den Leistungen vornehmen. Ausnahmen von dieser Regelung sind Bestandteile zum Vorteil des Kunden, administrative Dinge die keinerlei negative Auswirkungen auf den Kunden haben, sowie unmittelbar durch EU- oder nationales Recht vorgeschriebene Dinge.

Kommt ein verpflichtender Netzausbau?

Eine weitere für Kunden sehr willkommene Änderung des TKGs sieht der Entwurf auch bezüglich des Netzausbaus vor. So soll die Bundesnetzagentur (BNetzA) die rechtliche Befugnis erhalten, regionale Anbieter zum Netzausbau auch in wirtschaftlich unrentablen Gebieten verpflichten zu können. Sprich Anbieter X als größter regionaler Netzbetreiber muss Region Y zwangsweise erschließen/ausbauen, damit Anwohner in dieser Gegend ebenfalls schnelles Internet nutzen können.

Ob dies wirklich so kommt bleibt fraglich. Anbieterverbände dürften sicherlich einigen Widerstand leisten. Derartige Pläne lehnte die Branche bisher mit dem Verweis auf eine „de-facto Planwirtschaft“ (Netzpolitik.org) regelmäßig komplett ab. Die Kosten für diesen Zwangsausbau sollen gemäß des Gesetzesentwurfs aus einer Umlage bezahlt werden, in welchen alle Netzbetreiber einzahlen müssen. Die Höhe richtet sich dabei nach dem Jahresumsatz des jeweiligen Netzbetreibers.

Mehr Informationen rund um Festnetz- und Internet-Tarife erhältst du auf unserer Ratgeberseite!

FAQ: Langsamer Internet-Anschluss

🐌 Mein Internet ist langsam, was kann ich machen?

Eine häufige Ursache ist ein überlastetes WLAN. Wie viele Geräte sind verbunden, welche Frequenz wird genutzt, wo ist der Router aufgestellt oder wie alt ist der Router sind Dinge, welche die WLAN-Qualität beeinflussen können.

🦥 Warum wird mein Internet regelmäßig langsamer, was kann ich tun?

Es ist möglich, dass der Anschluss einfach nur überlastet ist durch zu viele gleichzeitige Teilnehmer. Ein Wechsel der Anschlusstechnologie (von DSL zu Kabel, etc.) kann Abhilfe schaffen – muss aber nicht.

⏱ Wie finde ich heraus, ob mein Internet zu langsam ist?

Wenn Dein Breitbandanschluss nur etwa 60 Prozent der versprochenen Geschwindigkeit liefert, muss Dein Anbieter nachbessern. Mit dem Programm zur Breitbandmessung der Bundesnetzagentur (BNetzA) kannst Du die Bandbreite Deines Anschlusses überprüfen.

💸 Wie kann ich eine Erstattung bei zu langsamen Internet beantragen?

Ist die Verbindung nachweislich viel zu langsam und das über einen längeren Zeitraum, kannst Du Deinen Internetanbieter darauf ansprechen. Liegt eine Störung am Netz vor muss diese vom Netzbetreiber behoben werden. Sollte auch das nichts bringen, kannst Du auf einer Minderung der monatlichen Gebühren beharren und die Bundesnetzagentur einschalten. Sollte sich Dein Anbieter uneinsichtig zeigen, kannst Du über die Bundesnetzagentur (BNetzA) eine Schlichtung beantragen. Beachte jedoch, das dies immer der allerletzte Schritt sein sollte!

🚧 Wann wird das Internet bei mir ausgebaut?

Mit dem kommenden Gesetz könnte die BNetzA einen regionalen Netzbetreiber zum Netzausbau zwingen, was eine Verbesserung des Netzes mit sich bringt.

📝 Wird es einfacher werden, meinen Internetanschluss zu kündigen?

Ja, das mögliche neue Gesetz sieht unter bestimmten Voraussetzungen eine erheblich vereinfachte Kündigung vor.

⚖️ Wann tritt das Gesetz in Kraft?

Bisher handelt es sich nur um einen Gesetzentwurf. Dieser muss von Bundestag und Bundesrat diskutiert und abgesegnet werden, was einige Monate in Anspruch nehmen kann.

Stefan
Redaktion Stefan

Der Hardware-Hai Stefan hat seine Mobilfunk-Anfänge schon weit vor seinem Studium der Angewandten Informatik unternommen. Seitdem hat sich das Hobby zum Beruf gewandelt und während des Studiums erfolgte 2012 der Einstieg in die Blogger- & Redaktions-Welt.

Kommentar verfassen

Name
E-Mail-Adresse
optional, wird nicht veröffentlicht