Kostenfalle trotz EU-Roaming

Ins Ausland telefonieren: In die EU dank Kostendeckel max. 22,61 Cent – und weltweit?

Wenn Du mit dem Handy ins Ausland telefonieren möchtest, gibt es gute Nachrichten. Denn der Kostendeckel gilt nun auch in die andere Richtung: Seit dem 15.5.2019 gelten Höchstpreise fĂŒr Anrufe von Deutschland ins EU-Ausland. Trotzdem kann es noch teuer werden.
Ins Ausland telefonieren

Ins Ausland telefonieren: Mittlerweile greift in der EU ein Kostendeckel (Bild: Pixabay @Foundry)

Telefonieren ins Ausland: EU legt Kostendeckel fest

Damit kommt die Zusatzregelung rund zwei Jahre nach EinfĂŒhrung des EU-Roamings. Dein Handytarif deckt nun auch Anrufe vom Ausland nach Deutschland sowie umgekehrt von Deutschland ins Ausland ab – vorausgesetzt, es geht eben um Telefonate innerhalb der EU. Ausgenommen sind nach wie vor Kreuzfahrten und Flugreisen. Die Satelliten-Tarife bleiben teuer.

Telefonieren ins EU-Ausland wird somit weniger schnell zur Kostenfalle: Statt wie bisher bis zu 1,49 € pro Minute werden 19 Cent zzgl. Mehrwertsteuer pro Minute sowie 6 Cent zzgl. Mehrwertsteuer pro SMS fĂ€llig, de facto gelten also fĂŒr Privatkund*innen Höchstpreise von 22,61 Cent pro Minute und 7,14 Cent pro SMS.

Was?Wie viel?
Telefonate ins EU-Ausland19 Cent (+ MwSt.)
SMS ins EU-Ausland6 Cent (+ MwSt.)

Klar, das ist eine Verbesserung zu ehemals sehr undurchsichtigen Situation. Dennoch können sich viele oder lĂ€ngere Telefonate ebenfalls deutlich auf der Handyrechnung bemerkbar machen, auch nach Kostendeckel. NĂ€mlich mit ĂŒber 13 € pro Stunde.

Kosten fĂŒrs Telefonieren ins EU-Ausland sollen weiter sinken: Entwurf fĂŒr 2023 erwartet

Der erste Entwurf zur Neuregelung fĂŒr Telefonate ins Ausland wurde abgeschmettert, eine Neufassung wird erst fĂŒr 2024 erwartet (53). Heißt also, dass bis mindestens 14.5.2024 noch die alten Grenzen gelten (Auslaufen der Maßnahme):

»Seit dem 15. Mai 2019 sind die Endkundenpreise (ohne MwSt), die Verbrauchern fĂŒr die regulierte Intra-EU-Kommunikation berechnet werden können, auf 0,19 EUR pro Minute fĂŒr Anrufe und auf 0,06 EUR je SMS begrenzt. Mit der VerlĂ€ngerung der mit dieser Verordnung eingefĂŒhrten Maßnahmen fĂŒr das Roaming zu Inlandspreisen, mit denen das Risiko einer Abschreckung von der grenzĂŒberschreitenden Kommunikation eingedĂ€mmt und die Schaffung eines Binnenmarkts ermöglicht werden soll, dĂŒrfte es angezeigt sein, die Entwicklung des Marktes der Intra-EU-Kommunikation zu untersuchen […] Die Kommission sollte mit UnterstĂŒtzung des GEREK die Auswirkungen der bestehenden Maßnahmen bewerten, die mit der Verordnung (EU) 2018/1971 des EuropĂ€ischen Parlaments und des Rates(19) eingefĂŒhrt wurden, und feststellen, ob und inwieweit zum Schutz der Verbraucher weiterhin eine Senkung der Obergrenzen erforderlich ist. Diese Bewertung sollte mindestens ein Jahr vor dem Auslaufen dieser Maßnahmen am 14. Mai 2024 erfolgen.«

Telefonate ins EU-Ausland seit 15.5.2019 maximal 22,61 Cent pro Minute, SMS 7,14 Cent (gĂŒltig bis 14.5.2024)

Mittlerweile greift der Kostendeckel: Wie die EuropÀische Kommission per Pressemitteilung erklÀrt, kosten seit 15.5.2019 Anrufe von Deutschland ins EU-Ausland (bzw. allgemein von einem EU-Staat in ins EU-Ausland) maximal 19 Cent zzgl. MwSt., was einen Maximalpreis von 22,61 Cent entspricht.

Auch fĂŒr SMS gilt eine Obergrenze. Die Kurzmitteilung ins Ausland wird folglich mit maximal 6 Cent zzgl. MwSt. berechnet, was einem Preis von 7,14 Cent fĂŒr den Endverbaucher entspricht. Die Regulierung gilt nur fĂŒr Privatkunden, nicht aber fĂŒr GeschĂ€ftskunden bzw. fĂŒr Kunden, die einen GeschĂ€ftskunden-Tarif abgeschlossen haben.

Spannend: Hierzulande gilt ja oft ein Preis von 9 Cent pro SMS, teils sind es sogar 19 Cent. So ist die Kurzmitteilung ins Ausland kurioserweise gĂŒnstiger …

Die Regelung gilt natĂŒrlich innerhalb der EU sowie in weiteren Staaten. Dazu erklĂ€rte die EuropĂ€ische Kommission:

»Die Vorschriften gelten ab dem 15. Mai in allen 28 EU-LÀndern und bald auch in Norwegen, Island und Liechtenstein.«

Weiter besteht die Möglichkeit, bei vielen Providern Extra-Pakete mit Frei-Einheiten fĂŒr Anrufe ins Ausland zu buchen. Dann sind neben den EU-Staaten oft weitere LĂ€nder wie die Schweiz, die USA oder die TĂŒrkei inkludiert. Details dazu erfĂ€hrst Du bei Deinem Anbieter, auch die Bundesnetzagentur bestĂ€tigte bereits, dass gebuchte Auslandspakete weiter gelten.

Aufgepasst: Wer in LĂ€nder außerhalb der EU telefoniert oder einen GeschĂ€ftskunden-Tarif nutzt, muss weiter mit hohen Zusatzkosten rechnen. Weiter unten haben wir einige Tipps fĂŒr gĂŒnstigere Telefonate gesammelt, etwa via IP-Telefonie. Das gilt natĂŒrlich weiterhin.

Übrigens ganz spannend, was noch bei der EU-Kommission zu lesen ist:

»Eine neue Eurobarometer-Umfrage zu AuslandsgesprÀchen zeigt, dass vier von zehn Befragten (42 Prozent) im vergangenen Monat eine Person in einem anderen EU-Land kontaktiert haben.«

Ins Ausland telefonieren: Greift die EU-Roaming-Regulierung?

Obwohl Du zu Hause bist, greift das sogenannte Roam-Like-at-Home-Prinzip nicht. Stattdessen musstest Du bis 2019 mit teils hohen GebĂŒhren von bis zu 1,49 € pro Minute rechnen. Die Verbraucherzentralen haben immer wieder auf diesen Fall aufmerksam gemacht − und fĂŒr die vielleicht unerwarteten Zusatzkosten sensibilisiert. Mit Erfolg, so zeigt sich, denn immerhin gilt seit Mai 2019 ein Kostendeckel, der perspektivisch ab 2024 weiter sinken soll. Hier wird in der EU noch an einem Konzept gefeilt.

GrundsĂ€tzlich deckt die EU-Roaming-Regulierung nĂ€mlich keine Telefonate vom Heimatland in die EU-Mitgliedstaaten ab. Wer also seine Familie in Spanien oder Freunde im Italien-Urlaub anrufen will, muss weitere Kosten auf der Handy- oder Festnetz-Rechnung in Kauf nehmen − ein Fakt, der sich womöglich falsch in die Köpfe der Konsumenten gebrannt hat, seitdem die EU-Roaming-Verordnung 2017 in Kraft getreten ist.

Zwischen 1,9 Cent (Festnetz-zu-Festnetz via 1&1) und 1,49 € (Mobilfunk-zu-Mobilfunk via congstar) kostete die Minute ins Ausland. Wer also 10 Minuten lang telefoniert, konnte je nach Tarif und Zielland Kosten zwischen rund 20 Cent und 15 Euro auf seiner Festnetz- oder Mobilfunkrechnung finden. Viel zu viel − und auch noch unsinnig.

Gut, dass es mittlerweile einen Kostendeckel fĂŒr Anrufe ins Ausland gibt. Und noch besser, dass die EU diesen Kostendeckel nach wie vor auf dem Schirm hat und die Preise weiter nach unten regulieren möchte. Dies wird jedoch erst nach Ablauf der vorgesehenen 5-Jahres-Frist im Jahr 2024 der Fall sein.

Video-Telefonie als Roaming-Alternative – auch außerhalb der EU

Zusatzkosten umgehst Du nach wie vor, wenn Du auf Video-Telefonie bzw. auf Telefonate ĂŒber Messenger wie WhatsApp oder Threema zurĂŒckgreifst. Von Deutschland aus ins Ausland kein Problem. Doch aufgepasst: Solltest Du vom Ausland aus via Messenger telefonieren, dann achte auf Deinen Datenverbrauch oder nutze WLAN-Netze.

Anrufe via Internet sind auch ins Ausland mit keinen Kosten verbunden: Du kannst dementsprechend vollkommen gratis telefonieren. Das funktioniert zum Beispiel ĂŒber WhatsApp, Threema, Facetime, Discord oder Skype.

Voraussetzung ist, dass der gewĂŒnschte GesprĂ€chspartner die gleiche App nutzt − per Handy, Tablet oder auch am Computer. Außerdem muss eine stabile und ausreichend schnelle Internetverbindung vorliegen − vor allem, wenn Du auf Video-Telefonate setzt. Befindest Du Dich im Ausland (v.a. außerhalb der EU), solltest Du unbedingt prĂŒfen, ob Du Dich mit mobilen Daten einloggst – und dementsprechend Kosten anfallen können.

Auslandstelefonate: Schon beim Tarif-Wechsel auf Optionen achten!

Telefonierst Du gelegentlich ins EU-Ausland? Dann solltest Du schon bei Vertragsschluss darauf achten, ob Dein Wunsch-Provider entsprechende Optionen anbietet − oder ob Du auf Basis des entsprechenden Kostendeckels telefonierst. Oft sind entsprechende Pakete zubuchbar – etwa bei den Netzbetreibern.

Netzbetreiber

  • bei der Telekom kostet das Paket mit 100 Frei-Minuten in die EU 9,95 €
  • bei Vodafone kosten 120 Minuten pro Monat in die EU 4,99 Euro als Extra-Paket. FĂŒr Anrufe in die TĂŒrkei musst Du ein Extra-Paket buchen (14,99 €).
  • die TelefĂłnica berechnet 60 Minuten von Deutschland in die EU, Schweiz, TĂŒrkei und Nordamerika mit 4,99 € als Extra-Option in den o2-free-Tarifen

Weitere Provider

  • Ethno-Discounter haben sich auf Auslandstarife spezialisiert – neben gĂŒnstigen Minutenpreisen gibt es auch Pakete zum Dazubuchen
    â€ș Lebara, ortel mobile und Lycamobile: Frei-Minuten-Pakete fĂŒr Telefonate in verschiedene LĂ€nder (Festnetz + Mobilfunk, weltweit)
    â€ș Ay Yildiz: Flat ins tĂŒrkische Festnetz + Frei-Minuten-Paket (Mobilfunk) buchbar

Billig ins Ausland telefonieren: Call by Call und Callthrough

Per App, Internet oder Spar-Vorwahl: Neben den Minuten-Paketen der Provider gibt es einige weitere Möglichkeiten, die Telefonkosten fĂŒr Anrufe ins Ausland zu senken.

Vom Festnetz gĂŒnstig ins Ausland telefonieren via Call-by-Call

Call by Call (Details bei Wikipedia) ist eine verbreitete Möglichkeit, die Kosten fĂŒr Anrufe ins Ausland möglichst gering zu halten. Zumindest, wenn Du einen Festnetzanschluss der Telekom nutzt.

Vor der eigentlichen Ziel-Rufnummer im Ausland wÀhlst Du eine sogenannte Verbindungsnetzbetreiberkennzahl bzw. Call-by-Call-Nummer. Abgerechnet wird dann nicht nach dem Tarif des Providers, sondern nach dem Sonder-Tarif des Fremdanbieters.

Call-by-Call ist noch aus Zeiten bekannt, als es keine gĂŒnstige Festnetz-Allnet-Flatrate gab. Damals wurde gerne die sogenannte Spar-Vorwahl fĂŒr Inlandsanrufe genutzt.

Nach PreissprĂŒngen: Preisansage fĂŒr Call-by-Call-Dienste

Call by Call ist durch plötzliche drastische GebĂŒhren-Erhöhungen in die Kritik geraten. Mittlerweile ist eine Preisansage verpflichtend, sodass Du selbst beurteilen kannst, zu welchem Minutenpreis der Call-by-Call-Tarif abgerechnet wird − und ob’s tatsĂ€chlich gĂŒnstiger wird.

Mit dem Handy ins Ausland telefonieren: Per Callthrough

FĂŒrs Handy gibt es das Callthrough-Prinzip, das Ă€hnlich aufgebaut ist, jedoch weniger Einsparmöglichkeiten bietet. So ist zum Beispiel bereits die Verbindung zum GesprĂ€chspartner kostenpflichtig − auch dann, wenn niemand abnimmt.

Beim Callthrough wĂ€hlst Du erst die Telefonnummer des Callthrough-Anbieters. Dieser verbindet Dich dann nach der Eingabe der Zielrufnummer mit dem gewĂŒnschten GesprĂ€chspartner.

FAQ zum Thema Telefonieren ins Ausland

☎ Sind Telefonate in die EU vom Roaming abgedeckt?

Nein, Telefonate in die EU sind nicht vom regulierten EU-Roaming abgedeckt. Die EU hat zu diesem Zweck einen Kostendeckel zwei Jahre nach Inkrafttreten der Roaming-Verordnung eingefĂŒhrt.

💾 Was ist der EU-Kostendeckel fĂŒr Anrufe ins Ausland?

Der EU-Kostendeckel fĂŒr Anrufe ins Ausland legt eine Preisgrenze von 19 Cent pro Minute fĂŒr Anrufe von Deutschland ins Ausland bzw. zwischen den EU-Staaten fest. Mit Mehrwertsteuer gilt de facto eine GebĂŒhr von 22,61 Cent pro Minute. SMS dĂŒrfen maximal 7,14 Cent kosten. Der Kostendeckel ist bis Mai 2024 befristet, die EU arbeitet derzeit an einer VerlĂ€ngerung. Gegebenenfalls sinkt der Preis pro Minute kĂŒnftig weiter ab.

đŸ“± Gibt es eine Preisgrenze fĂŒr Telefonate außerhalb der EU?

Die Preisgrenze gilt nur innerhalb der EU. Weltweit können je nach Zielland hohe Kosten pro Minute anfallen.

đŸ€·â€â™€ïž Wie kann ich beim Telefonieren ins Ausland sparen?

Viele Provider bieten gesonderte Auslandspakete fĂŒr die weltweite Telefonie an. Daneben lohnt es sich, Messenger wie WhatsApp, Threema oder Skype zu nutzen. Bei der Telefonie ĂŒber’s Internet fallen normalerweise keine Kosten an, abgesehen von Deinem Tarif (Datennutzung). Call by Call und Callthrough haben durch die Internettelefonie an Bedeutung verloren.

Profilbild von Stefanie
Schon seit 2011 ist Steffi als Redakteurin fĂŒr verschiedene Online-Magazine und -Blogs unterwegs. FĂŒr Technik begeistert sie sich jedoch schon viel lĂ€nger. Ihr erstes Handy? Ein Nokia 3310. Nach einem iPhone und einem Windows Phone (nein, kein Witz!) begleitet sie mittlerweile ein Android-Smartphone durchs mobile Leben. Und Abschalten? Das geht am besten beim Waldbaden, Power Metal hören oder bei einer Runde Assassin’s Creed.

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