Günstig weitersurfen trotz Brexit

Roaming UK: vorerst keine Kosten für EU-Bürger*innen?

Auch daran werden die meisten Pro-Brexit-Stimmenden in GB nicht gedacht haben: Der Austritt aus der EU bedeutet auch die Rückkehr von Roaming-Gebühren. Bis zu £ 2/Tag müssen Reisende aus GB in der EU künftig zahlen! Was der Brexit für Menschen aus der EU (und damit für Deinen Großbritannien-Urlaub) bedeutet, haben wir selbst getestet.

Der Brexit und das Roaming: Alles, was Du dazu wissen musst.

Brexit und Roaming: Auch 2023 ohne Zusatzkosten

Der Brexit kann zu hohen Roaming-Gebühren im Großbritannien-Urlaub sorgen. Die Netzbetreiber geben jedoch vorerst Entwarnung: Die meisten Tarife kommen auch 2023 ohne Zusatzkosten für das Roaming in Großbritannien aus.

Handyhase hat auch im Kleingedruckten nochmal nachgeschaut, wie die einzelnen Provider das mit dem Brexit handhaben:

Vor Deiner Reise unbedingt nochmal beim Provider nachfragen. Je nach Tarif und aktuellen Bestimmungen können Kosten anfallen. Details findest Du u.a. auch in den Preislisten Deines Providers.

Brexit: Keine Zusatzkosten bei Telekom und Vodafone

Grundsätzlich sind die anfallenden Roaming-Gebühren bzw. das im EU-Ausland nutzbare Datenvolumen abhängig von Deinem Mobilfunkvertrag.

Die Telekom und Vodafone werden Großbritannien auch künftig frei von Roaming-Gebühren halten. »Vorerst unver­ändert«, heißt es beispielsweise bei der Telekom. Und Vodafone will »zunächst« nichts ändern. Gut so, denn wer Roam Like at Home bei Vodafone als Option dazubucht, zahlt 5,99 € pro Tag, um den Tarif im Urlaub wie im Inland zu nutzen (bspw. in der Schweiz).

Großbritannien fällt damit ins regulierte EU-Roaming, genau wie Nicht-EU-Länder wie Norwegen, Island und Liechtenstein, die Teil des Europäischen Wirtschaftsraums sind (EWR). Brexit-Roaming ist also nicht (mehr) zeitlich befristet. Sondern dauerhaft möglich, wobei sich Telekom und Vodafone das Streichen von Großbritannien aus dem regulierten Roaming vorbehalten.

Beachte dabei: Es kann auch von der Konfiguration Deines Vertrags abhängen, ob EU-Roaming inkludiert ist. Das regulierte EU-Roaming (»Roam like at home«) ist der Standard. Es kann jedoch eine abweichende Option gebucht sein.

  • Hast Du noch einen Laufzeitvertrag von vor 2017, informiere Dich vorsichtshalber bei Deinem Anbieter vor einem Besuch auf der Insel. Nicht immer passt die gebuchte Roaming-Option zu einer Reise nach England.

Brexit Roaming bei o2: Entwarnung bis Ende 2022

o2 und 1&1 versprechen Brexit Roaming bis Ende 2023 und machen darüber hinaus noch keine Angaben. Es fehlen schlicht Anschlussverträge mit Partnern in Großbritannien. Zuletzt wurden die doch sehr konkreten Fristen jedoch immer wieder verlängert. Zuletzt eben vom 31.12.2022 auf den 31.12.2023 geändert.

  • Die sog. »Weltzonen«, in die Länder beim Roaming einsortiert werden, gliedern sich nach den Verträgen, die die Mobilfunkbetreiber mit den Ländern haben.

o2 schreibt auf der Roaming-Infoseite:

»Für Großbritannien wird trotz Ausscheidens aus der EU bis zum 31.12.2023 weiterhin nur der Preis gem. Zone 1 (EU-reguliert) abgerechnet (Verlängerung vorbehalten).«

o2 Brexit Roaming: Hohe Zusatzkosten bei Wechsel in Weltzone 2 (Beispiel)

o2 hat die Regelung zum Brexit Roaming also bis Ende 2023 befristet.

Hohe Zusatzkosten sind anschließend möglich, wenn Du beim Roaming in England, Schottland, Wales oder Nordirland in die Weltzone 2 rutschst.

54 Cent pro Minute, 23 Cent pro Megabyte, diese Preise machen sich auf Deiner Handyrechnung deutlich bemerkbar.

Wir haben das mal beispielhaft für Dich durchgerechnet:

  • Der Kostendeckel greift ab 59,90 €, dann wirst Du auf maximal 2 kBit/s. gedrosselt, also quasi auf eine nicht vorhandene Geschwindigkeit.
  • Bedeutet: Bis der Kostendeckel greift, kannst Du maximal knapp 260 MB verbrauchen.
  • → Vorsicht also beim unbedachten Streaming oder auf Social Media. Die Daten sind wirklich schnell verbraucht.

Preise im regulierten EU-Roaming-Tarif „o2 Roaming Basic“ als Beispiel Zone 1 (EU) Zone 2 Zone 3 Zone 4
Anrufe nach Deutschland und in derselben Zone Inlandspreis 0,54 € 1,49 € 2,49 €
Eingehende Anrufe 0,00 € 0,26 € 0,69 € 1,59 €
SMS-Versand Inlandspreis 0,39 € 0,39 € 0,39 €
Datennutzung Inlandspreis; gedeckelt bei 59,50 € pro Abrechnungszeitraum; Drossel ab 250 MB und erneut ab 260 MB 0,23 € / MB; gedeckelt bei 59,50 € pro Abrechnungszeitraum; Drossel ab 250 MB und erneut ab 260 MB 4,99 € / 50 MB
(24 h) „Data Pack World“
4,99 € / 50 MB
(24 h) „Data Pack World“

Das heißt im Klartext: GB könnte hier 2024 in die Weltzone 2 (Andorra, Gibraltar, Isle of Man & Schweiz) rutschen und damit fallen für einen Besuch im Königreich – ohne Buchung eines gesonderten Tarifpakets – wieder Gebühren für Telefonie/SMS/Daten an.

  • Speziell, wenn Du Anfang 2024 nach Großbritannien fährst, solltest Du Dich im Vorfeld beim Provider erkundigen.
  • Das Prinzip gilt für alle Provider aus dem Netz, wie z.B. Blau (bei abweichenden Kosten für bspw. Telefonie).

Drillisch und 1&1: Großbritannien-Roaming vorerst bis 30.06.2023

1&1 und Drillisch haben die sogenannte Übergangsregelung nur für ein halbes Jahr angesetzt. Großbritannien-Roaming ist laut den Angaben nur bis 30.06.2023 möglich. Eine Verlängerung ist natürlich ebenfalls denkbar.

Auf der 1&1 Infoseite heißt es dazu:

»Diese Übergangsregelung wird zunächst befristet bis 30. Juni 2023 aufrechterhalten. Eine Verlängerung des Übergangszeitraums hängt unter anderem von Vereinbarungen der EU mit Großbritannien und Gesprächen mit unseren Partnern ab. Über mögliche – tatsächlich in Kraft tretende Änderungen zum 01. Juli 2023 oder später – werden wir Sie rechtzeitig informieren.«

Und in der Preisliste von winSIM (Drillisch) heißt es:

»Für Großbritannien und Nordirland wird ungeachtet des Brexit befristet bis zum 30.06.2023 weiterhin der Preis gemäß Länderzone 1 abgerechnet (Verlängerung vorbehalten).«

Hohe Roaming Gebühren durch Brexit nach wie vor möglich

Die Übersicht bildet den aktuellen Stand ab. Möglich sind jedoch hohe Roaming Gebühren durch den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs – strenggenommen fällt Großbritannien eben nicht mehr ins EU-Roaming. Norwegen, Liechtenstein und Island sind aber eben auch nicht Teil der EU, jedoch vom Roaming abgedeckt. Es bleibt also abzuwarten, ob die seit 2020 bestehende Regelung weiter verlängert wird oder demnächst entfällt und für entsprechend hohe Kosten sorgt.

Unbedingt Roaming Gebühren beim Provider checken

Im Endeffekt ist es wieder sinnvoll, auf die Willkommens-SMS beim Länderwechsel aus der EU heraus zu achten. In der SMS teilt Dir der jeweilige Vertragspartner Deines Heimatnetzes – oder Dein Provider selbst – mit, was für Kosten und Freivolumen auf Dich zukommen und was für Buchungsoptionen Du hast, die günstiger ausfallen können als die Standardregelung.

In Sachen Roaming nach dem Brexit gibt es also nach wie vor keine endgültige und dauerhafte Regelung, vieles läuft unter Vorbehalt – wir halten Dich in diesem Beitrag auf dem Laufenden.

Profilbild von Michael
Schreibt freiberuflich für ein paar Online-Medien. Hält nichts von einer Gadget-Monokultur, auch im eigenen Haushalt. Apple-Produkte spielen seit 2003 eine Rolle, Android-Erstkontakt war das Motorola Milestone Ende 2009. Ist studierter Geophysiker und versucht, den Blödsinn vom Wesentlichen zu trennen.
Beteiligte Autoren: Steffi

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