USB Typ-C soll zum EU-Standard werden

Der EU-einheitliche Ladestecker kommt

Manchmal löst die Zeit Probleme ja ohne großes Zutun von Außen und so bleibt eigentlich nur eine Bastion gegen einheitliche Ladekabel - Apples Lightning.

2024 könnte EU-weit der Zwang zum Einheitsstecker kommen

USB-C als vereinheitlichte EU-Ladebuchse

Bild: Handyhase.de / Michael Spieler

Aber auch Apple riecht den Abschied von proprietären Steckern und hat jüngst dem neuen iPad mini (nach der Pro-Reihe der iPads und allen MacBooks) USB-C statt Lightning verpasst. Heute nun hat die EU-Kommission ihren Gesetzesentwurf für die Vereinheitlichung von Ladegerät bzw. -kabel vorgelegt. Das sollte eigentlich schon bis Mitte 2020 geschehen sein, doch hier hat auch die Pandemie wohl dazwischengehauen.

Einheitliche Ladestecker – und was nun?

Nicht nur soll USB-C zur ultimativen Buchse werden, auch sollen Käufer nicht „gezwungen“ werden, bei jedem Kauf eines Produktes auch ein neues Netzteil mitzukaufen. Wie sinnvoll das wirklich ist, mĂĽsste an anderer Stelle diskutiert werden, denn das Echo auf entsprechende Vorstöße von Herstellern, im Namen der Umwelt auf ein Netzteil zu verzichten, ist mindestens mal zweigeteilt. Netzteile sammeln sich ja eher fĂĽr diverse Kleingeräte an und jedes benötigt ja auch unterschiedliche Leistung – es kann also nicht jedes Netzteil fĂĽr jedes Produkt genutzt werden. Gerade bei Smartphones ist es ja auch so, dass wir unsere Netzteile beim Verkauf, oder einer Weitergabe, mit weitergeben und dann beim nächsten Gerät ohne ein Netzteil dastehen, bzw. es dann vom Hersteller oder Drittanbietern wie Anker nachkaufen (mĂĽssen). NatĂĽrlich passen aber von flacheren Produktpackungen mehr auf eine Palette.

Beratung im Europaparlament

Im nächsten Schritt werden die Mitgliedsstaaten und das Europaparlament über die Gesetzesvorlage beraten und auf eine Einigung hinarbeiten, die spätestens nach einem Jahr auf den nationalen Ebenen in entsprechende Gesetze gegossen werden soll. Auch dann haben Firmen wie Apple und Samsung noch zwei Jahre Zeit, diesen Gesetzen zu entsprechen. 2024 wäre USB-C dann Pflicht für alle Produkte aus sechs Kategorien: Smartphones, Tablets, Kopfhörer, Lautsprecher, tragbare Konsolen und Kameras. Andere elektronische Kleinprodukte die aus Kostengründen jetzt immer noch mit Mikro-USB kommen, sind da dann auch noch außen vor. Das sind z.B. akkugestützte Smart-Home-Produkte wie Raumluftsensoren von Eve oder elektrische Zahnbürsten.

Macht kabelloses Laden die Diskussion ĂĽberflĂĽssig?

Ladekabel werden allerdings auch bei Produkten zum „kabellosen“ Laden benötigt, nur dass die Verbindung dann eben nicht zwischen Kabel und Endgerät sondern zwischen Kabel und Ladespule hängt. Mindestens ein Kabelende wird auch bei diesen Ladelösungen einen Stecker benötigen und der ist dann ebenfalls USB-C. Sollte hier auf Steckverbindungen verzichtet werden, ist am Ende ja auch wieder nichts gewonnen und wir haben fĂĽr jedes Produkt einen Qi-Ladepuck mit fest verdrahtetem Netzteil.

Ob wir noch vor 2024 erste Endprodukte ganz ohne irgendeinen Anschluss sehen werden, ist fraglich, wenn die induktive Ladetechnik nicht noch einen Sprung beim Wirkungsgrad macht.

Abschied von „Made for“?

Apple verdient mit der Lizensierung des Mfi-Logos (also „Made for iDevice“) natĂĽrlich auch Geld und stellt damit sicher, dass Produkte fĂĽr seine Endgeräte, die von Dritten kommen, einem gewissen Standard unterliegen, dadurch aber auch zwangsweise teurer sind, als das vergleichbare USB-C-Produkt. Das Zubehörgeschäft hat das viel beschworene Ă–kosystem um die mobilen Geräte von Apple erst aufgebaut und sollten die ganzen Accessoires, die jetzt auf Lightning setzen, „ĂĽber Nacht“ unbenutzbar werden, wäre ein Berg Elektroschrott die Folge.

via: teltarif.de

Profilbild von Michael
Schreibt freiberuflich für ein paar Online-Medien. Hält nichts von einer Gadget-Monokultur, auch im eigenen Haushalt. Apple-Produkte spielen seit 2003 eine Rolle, Android-Erstkontakt war das Motorola Milestone Ende 2009. Ist studierter Geophysiker und versucht, den Blödsinn vom Wesentlichen zu trennen.

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