Ist der Hype gerechtfertigt?

Nothing Phone (1) im Kurztest: Modell blinkt aus der Masse heraus

Das Nothing Phone (1) hat über die vergangenen Monate hinweg einen ähnlichen Hype wie OnePlus damals generiert. Wird es den Vorschusslorbeeren gerecht? Wir haben das blinkende Glyph-Handy einem Kurztest unterzogen!
Nothing Phone (1) im Kurztest

Schon zur Vorstellung und im ersten Hands-On machte das Nothing Phone (1) eine schicke Figur. (Bild: Handyhase)

Nothing Phone (1) Design-Check: Anflüge von iPhone mit LED-Merkmal

Während Hersteller wie Samsung beispielsweise beim Galaxy S22 auf leicht abgerundete Rahmen am Rand setzen, entscheidet sich der britische Hersteller beim Nothing Phone (1) für ein blockartiges Design. Dieses ähnelt ziemlich dem iPhone 12 oder gar iPhone 13, was auch ein wenig für die Postionierung der Kamera und die interessanten Displayränder gilt. Es gibt aber einen entscheidenden und sehr schicken Unterschied!

Das Nothing Phone (1) zeigt uns eine „blanke“ Rückseite mit Einsicht auf Teile des Innenlebens. Das transparente Design weiß hier durchaus zu gefallen und wird durch eine Scheibe aus Gorilla Glass 5 realisiert. Der Rahmen selbst besteht aus Aluminium und mit fast 194 Gramm liegt das neue Modell schwer, aber auch sehr wertig, in der Hand.

Nachhaltigkeit wird teilweise mitgedacht

In Sachen Nachhaltigkeit hebt der in London ansässige Hersteller hervor, dass das Aluminium im Gehäuse zu 100 % aus recyceltem Material bestehen soll, bei den Kunststoffteilen sollen es immerhin noch 50 % sein. Zudem schließt sich Nothing den Konkurrenten an und lässt das Netzteil aus der Verpackung heraus. Das reduziert Elektroschrott und spart Platz bei Verpackung und Transport. Dem Paket liegen daher nur ein USB-C-Kabel und ein stylisches SIM-Karten-Tool bei.

Glyph-Feature ausprobiert: Hype-Funktion mit wenig Mehrwert, sieht aber cool aus

Besonders heiß diskutiert war das von Nothing als „Glyph“ bezeichnete Feature auf der Rückseite. Bestimmte Bereiche unter dem Glas leuchten zu bestimmten Aktionen – beispielsweise bei Nachrichten oder Anrufen. Liegt das Display auf dem Tisch, erkennst Du nicht nur, dass jemand anruft, sondern anhand des blinkenden Rythmus auch, wer es ist (sofern Du ein individuelles Blinken aktiviert hast). Das sieht wirklich fantastisch aus, weil die Implementation einfach gelungen ist.

Allerdings sind die Glyphen aktuell eher ein witziges Gimmick ohne größeren Mehrwert. Denn es werden wohl eher wenige Nutzerinnen und Nutzer ihr Nothing Phone (1) auf das Displayglas ablegen und derzeit sind nur wenige Anwendungsgebiete für die blinkende Rückseite verfügbar. Hier will der Hersteller aber zukünftig noch weitere Funktionen per Software-Updates nachreichen. Wir sind gespannt!

Nothing Phone (1) Display im Test: Gutes AMOLED mit Marketing-Panne

Klein ist das neue Nothing Phone (1) übrigens nicht. Das liegt auch an dem verbauten, 6,55 Zoll großem AMOLED-Display. Dieses ist mit HDR10+ und 120 Hertz auch hervorragend ausgestattet. Die Auflösung ist mit 2400 x 1080 Pixel hoch genug, um ein ausreichend scharfes Bild zu zaubern. Die Bewegungen innerhalb der Menüs sind reaktionsschnell und sehr flüssig. Allerdings handelt es sich nicht um ein dynamisches LTPO-Panel. Du kannst nur eine feste Hertzzahl einstellen. Immerhin kann das Gerät automatisch zwischen 120 und 60 Hertz wechseln, um in statischen Inhalten etwas Strom zu sparen.

Insgesamt ist die Darstellung aber sehr sauber und gut. In Außenbereichen mit viel Sonne musst Du allerdings etwas genauer hingucken, was aber nicht tragisch ist. Die Farbwiedergabe ist übrigens sehr gut und extrem akkurat. Insgesamt ein gutes Display, das durch die schicken Ränder ein wenig an das iPhone von Apple erinnert.

Nothing Phone (1) im Kurztest

Das Display ist durchaus gut, wird aber mit 700 nits nicht besonders hell. (Bild: Handyhase)

1.200 nits nie erreicht: Nothing korrigert Werbeversprechen deutlich herunter

Ein Witz hingegen war das Werbeversprechen, bis zu 1.200 nits Helligkeit in HDR-Situationen zu erreichen. Viele Testlabore schafften aber gerade einmal über 660 nits und kamen nur maximal an 700 nits heran. ComputerBase sprach Nothing direkt auf das Problem an. Mittlerweile ist die Angabe auf der Webseite korrigiert. Zwar hält Nothing auch weiterhin an den 1.200 „möglichen“ nits fest, gibt aber nun auf der Webseite an, diese per Software zu begrenzen.

Gleichzeitig erwägt der Hersteller aber aktuell, dennoch ein Update für eine deutlich erhöhte Helligkeit auszuspielen. Das würde jedoch die Akkulaufzeit drastisch beeinflussen und auch die Hitzeentwicklung. Laut ComputerBase möchte Nothing dazu erst einmal das Feedback der Community berücksichtigen. Das klingt zumindest stark danach, dass sowohl Hardware-, Software- als auch Marketing-Abteilung nicht wirklich miteinander kommunziert hätten.

Nothing Phone (1) – Kurzer Kameratest: Gute Ergebnisse – nichts Besonderes

Insgesamt macht die Kamera mit dem 50-Megapixel-Hauptsensor (f/1.9) einen guten Job. Die Farbwiedergabe wirkt leicht übersättigt, ist allerdings im Rahmen. Schießt Du Fotos in einigermaßen guten Lichtverhältnissen, dann sind die Bilder durchaus gut. Fällt die Helligkeit im Umgebungslicht allerdings schon leicht ab, stellt sich erstes Rauschen ein. Zudem sind teilweise Unschärfen nahe der Bildmitte zu erkennen, die zu allen Seiten ungleichmäßig ausstrahlen. Besonders sichtbar werden diese bei leicht dunkleren Lichtverhältnissen. Man merkt den Bildern die starke Überarbeitung und eine Überschärfung deutlich an.

Kameratechnik des Nothing Phone (1) in der Kurzübersicht

  • Dual-Kamera mit 50 MP (f/1.9) Hauptsensor und 50 MP (f/2.2) Ultraweitwinkel

Auch der Ultraweitwinkelsensor mit 50 Megapixel und f/2.2 kämpft mit ähnlichen Problemen. Hier werden die Unschärfe und das Rauschen gar etwas schneller sichtbar. Insgesamt leisten die Kameras aber für den Preis annehmbare Arbeit. Solange genug Licht vorhanden ist, klappen auch tolle Urlaubsschnappschnüsse. Die Videoaufnahme ist mit bis zu 4K und 30 Bildern pro Sekunde angemessen.

Obere Mittelklasse-Performance und eine ordentliche Akkulaufzeit

Im Test zeigt das Nothing Phone (1) übrigens in Sachen Leistung hervorragend. Keine Ruckler während der Bedienung, Apps – die 120 Hertz unterstützen – laufen butterweich und der Snapdragon 778+ 5G hat genug Leistung um auch anspruchsvolle Android-Spiele in hohen Bildraten bei annehmbarer Grafik ordentlich zu befeuern. Ebenfalls stark: Die Hitzeentwicklung ist sehr moderat. Das Gerät wird zwar erkennbar warm, aber nicht heiß, was für eine gute Effizienz und Kühlung spricht.

Kurzer Technik-Check – Hardware des Nothing Phone (1)

Phone (1)
Display: 6.55"
Akku: 4500 mAh
Speicher: ab 128 GB
Hauptkamera: 50 Megapixel
Dual-SIM:
5G:

Die Akkulaufzeit kann im ersten Kurztest zum Nothing Phone (1) als gut beschrieben werden. Riesige Sprünge, wie beispielsweise beim iPhone 13 Pro Max, sind mit dieser Hardware und 4.500 mAh aber nicht drin. Zwei Tage solltest Du bei moderater Nutzung aber erreichen. Sollte Dir die Akkulaufzeit dennoch zu niedrig sein, kannst Du in den Einstellungen das Display fest auf 60 Hertz stellen, verzichtest dann aber auf ein deutlich flüssigeres Nutzungserlebnis.

Nothing Phone (1) im Kurztest

Schickes Gerät mit guten Ansätzen zu einem vernünftigen Preis. (Bild: Handyhase)

Fazit: Gutes Android-Handy für unter 500 € mit „Hype“-Problem

Die wichtigste Frage und die dazugehörige Antwort gleich vorweg: Kann das Nothing Phone (1) dem aufgebauten Hype der letzten Wochen standhalten? Nein, definitiv nicht. Aber – und das ist uns wirklich wichtig zu erwähnen – das Android-Handy ist ein interessantes Smartphone, das sich mit seinem Glyph-Feature definitiv von der Masse abhebt.

Die Hardware ist für den Preis von 469 € UVP wirklich gut, auch wenn es weit von einem Flaggschiff-Killer-Image entfernt ist und sich gegen starke Konkurrenz (z. B. das Google Pixel 6a) in diesem Preisbereich stellen muss.

Insgesamt macht das Nothing Phone (1) im Test einen guten Eindruck und mit Software-Updates lässt sich in Zukunft in Bezug auf Kamera, Glyph und Display sogar noch etwas herausholen. Willst Du also mit dem Design aus der Masse herausstechen, ist das neue Handy-Modell des Ex-OnePlus-Chefs eine gute Gelegenheit. Zudem gibt es ordentliche Technik ohne große Ausreißer noch dazu.

Profilbild von Marcel
In der mobilen Technik-Welt ist Marcel als Redakteur für Handys, Gadgets und Mobile Games bereits seit mehr als 10 Jahren unterwegs. In der Vergangenheit schrieb er bereits für einige große Magazine im Bereich Gaming und Technologie. Im Privatleben fesseln den Ex-Pro-Gamer vor allem das Zocken, seine Leidenschaft zum Fußball und das Motorradfahren. Zudem verbindet ihn eine besondere Beziehung mit der japanischen Kultur.

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