Das tun die Netzbetreiber fürs Klima

Grüne Handytarife: Diese Provider sind „nachhaltig“

Das Thema „Grüne Handytarife“ ist längst auch bei den Providern und Netzanbietern angekommen. Unter Schlagworten wie „nachhaltige Tarife“ und „Klimatarife“ sollen Mobilfunktarife nun klimaverträglich, fair und nachhaltig werden. Grün ist dabei nicht gleich grün, auf den Schwerpunkt kommt es an. Ein Überblick.
Grüne Handytarife

Grüne Handytarife: Die Netzbetreiber wollen klimaneutral werden. Grün und Mobilfunk, ist das nicht ein Widerspruch?

Grüne Handytarife und Klimatarife in der Übersicht

Handytarife, die tatsächlich als grün vermarktet werden, die gibt es eher selten. Die (wenigen) Provider setzen auf unterschiedliche Schwerpunkte. Grüner Mobilfunk wird durch den Einsatz erneuerbarer Energien, Kompensationen für CO₂-Emissionen oder auch durch Spenden an soziale Organisationen realisiert. Dabei stehen nicht nur das Klima, sondern eben auch soziale Aspekte im Vordergrund.

Aber: Wo anderswo ein Preiskampf um den günstigsten Handytarif herrscht, sind die fairen Mobilfunktarife einfach teurer. Etwa durch Spenden für Klimaprojekte, Kompensationszahlungen oder besondere Investitionen in erneuerbare Energien.

freenet × SOS-Kinderdörfer: Spendentarife mit Aufschlag?

freenet hat zwei Spendentarife gestartet, denen klarmobil-Tarife zugrunde liegen und die monatlich 5 Euro an SOS-Kinderdörfer weltweit spenden. Du hast die Wahl zwischen 30 und 50 GB 5G-Datenvolumen im Telekom-Netz.

Leider gibt es nicht nur die 5 Euro Spendenaufschlag auf die normale Grundgebühr für die Leistung, sondern noch etwas mehr, was beim Anbieter landet. Das Ganze wird noch unattraktiver, wenn Du Dir ansiehst, dass es den größeren Tarif normal inzwischen mit 60 GB gibt. Nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit nimmt die Differenz, die bei freenet landet und nicht bei den Kinderdörfern, noch weiter zu, weil die Grundgebühr steigt.

Tarife fair und gut fürs Klima?

Wer Wert auf faire Tarife legt, sollte sich die folgenden Provider aus unserer Übersicht genauer anschauen. Und ja, die Betonung liegt hier tatsächlich auf dem Wort genau. Denn jeder Anbieter legt andere Schwerpunkte. Interessant ist übrigens generell, wie sich der Stromverbrauch in den Mobilfunknetzen gestaltet.

Nachhaltige Tarife werden also ganz unterschiedlich umgesetzt. Und nur, wer die Begriffe fair“ und „gut für’s Klima“ verwendet, muss nicht zwangsweise rundum nachhaltig sein.

Was aktuell in Sachen nachhaltige Handytarife möglich ist, soll die Übersicht zeigen.

WEtell: Nachhaltige Tarife sind 2019 gestartet

Mit WEtell gibt es seit 2019 den ersten nachhaltigen Mobilfunkanbieter, ursprünglich basierend auf einer Crowdfunding-Initiative. Nachhaltigkeit basiert beim Purpose Unternehmen WEtell auf verschiedenen Säulen, zu denen unter anderem Investitionen in erneuerbare Energien, Klimaneutralität, soziales Engagement und Fairness bzw. ein ethisches Wirtschaftssystem gehören.

Als Partner steckt Amiva (ehemals Tele2) hinter den WEtell-Handytarifen. Und Amiva verfolgt ja ebenfalls eine nachhaltige Agenda, dazu weiter unten mehr. Das Ganze geht bei 15 Euro für 3 GB los.

Amiva: Grün durch monatliche Spende

Amiva stellt Spendentarife ein!

Die Amiva-Spendentarife wurden eingestellt. In bestehenden Tarifen kann die Spendenoption nach wie vor genutzt werden. Als Alternative setzt Amiva jetzt auf Windkraft:

Ab sofort investiert Amiva in Windenergie und produziert seinen eigenen sauberen Strom. Für jeden neu abgeschlossenen Amiva-Tarif erzeugt Amiva doppelt so viel grüne Energie, wie die Kund:innen mit ihrer Handynutzung Strom verbrauchen.

Provider Amiva geht einen anderen Weg: Wer bereits einen Tele2/Amiva-Tarif hat, spendet damit automatisch einen Teil der Monatsgebühr (in der Regel 1 Euro) an gemeinnützige Organisationen wie „Deutschland forstet auf“ oder die „Tafel“. Die Spendenoption wurde im Sommer 2024 jedoch abgeschafft, gilt nur noch für bestehende Tarife. Stattdessen setzt Amiva jetzt auf Windkraft.

Amiva kooperiert bereits seit Januar 2024 mit dem Startup stromee und will laut eigenen Aussagen „die Nutzung von Ökostrom in der Telekommunikationsbranche“ vorantreiben.

Tele2 heißt jetzt Amiva

Tele2 heißt seit April 2023 Amiva. Die Dir bekannten LTE- und 5G-Tarife im Vodafone-Netz stehen weiterhin parat, außerdem gibt es auch Monatstarife. Ansonsten spendest Du, wie bereits bei Tele2, durch Deinen Vertrag einen Euro monatlich an eine wohltätige Organisation. Weitere Infos gibt es in unserem Beitrag Tele2: Umbenennung in Amiva.

share-mobile- und congstar-Spendentarif: Datenoption mit EIDU

congstar Spenden-Option

Zum 27.06.2023 hat congstar eine neue Spendenoption unter der Bezeichnung „share Tut Gutes“-Option gestartet. Zur congstar Allnet-Flat kannst Du direkt bei Abschluss eine Zusatzoptionen mit mehr Datenvolumen buchen. Von den Extrakosten geht 1 € an EIDU zur Förderung digitaler Lernprojekte in Kenia.

Fast zeitgleich startete dann die neue Tarifmarke share mobile, bei der es sich um einen Spendentarif handelt. Alles rund um den neuen Tarif und die share mobile Erfahrungen liest Du in einem eigenen Beitrag nach.

share mobile eingestellt - Marke vor dem Aus

SAUBER Waldfunk bietet grüne Tarife durch CO2-Kompensation

SAUBER Waldfunk ist erst Anfang 2022 als Mobilfunk-Angebot von SAUBER Energie gestartet. Wer ohnehin bereits Strom von SAUBER Energie bezieht, kann beim Tarif sparen. Normalerweise geht es bei 10 € für 4 GB los.

»Sauber« im Sinne von nachhaltig oder »grün« wird das Ganze durch eine Kompensationszahlung für die geschätzten CO2-Emissionen des monatlich zur Verfügung stehenden Datenvolumens.

Das Ganze lehnt sich also an die Kompensations-Praxis an, die schon längst von Flugreisen bekannt ist. Hier gilt: Unbedingt eine eigene Meinung bilden. Informationen über Kompensationen kannst Du u.a. beim Umweltbundesamt nachlesen.

goood.de mit Spende für den Klimaschutz

goood.de funktioniert im Grunde analog zu Amiva. Vermittelt werden allerdings klassische Handytarife von Providern wie Drillisch, otelo und anderen. Bei Abschluss wählst Du dann ein Projekt aus, das Du unterstützen möchtest. Das können Klimaschutz-Projekte sein zum Schutz der Wälder, Meere oder Bienen. Auch Spenden für Menschen in Not sind möglich.

Normalerweise erhöht sich der Monatsbetrag um 1 Euro für die Spende, Du kannst den Spendenbetrag aber auch beliebig erhöhen. Handytarif und Spende werden dann über die gleiche Rechnung beglichen.

Green Magenta nachhaltige Tarife

Die Telekom will mit Green Magenta nachhaltig sein – aber was steckt hinter dem Konzept? (Bild: Telekom)

Grüne Netzbetreiber: Das tun Telekom, Vodafone und O₂ für mehr Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit im Mobilfunk, das passt an sich kaum zusammen. Jedenfalls ist das kaum ein Begriff, der mir zuallererst einfällt, wenn wir an Telekom, Vodafone oder O₂ denke. Umso emsiger sind die aktuellen Bestrebungen der Netzbetreiber, genau das zu ändern.

Die Netzbetreiber weisen jedenfalls auf die Verwendung von Ökostrom aus erneuerbaren Energien hin. Telekom, Vodafone und O₂ nehmen außerdem am (nicht ganz überzeugenden) Eco-Rating-Programm teil.

Inwieweit die typischen Schlagworte wie „Ökostrom“ und reduzierte Verpackung für ein nachhaltiges Wirtschaften ausreichen, muss wohl jeder für sich entscheiden.

Kritik: Klimaschutz oder Greenwashing?

Steckt nun Klimaschutz oder Greenwashing hinter den Nachhaltigkeitszielen der Netzbetreiber?

Die Süddeutsche meldete jedenfalls schon im Februar 2022, dass das Klimaversprechen der großen Unternehmen „oft in die Irre“ führe: Statt 100 Prozent klimaneutral sei wohl vielmehr ein Wert von 40 Prozent im Durchschnitt realistisch.

Und auch die Deutsche Umwelthilfe ist allgemein von der Werbung für „klimaneutrale Produkte“ wenig angetan, wollte diese 2022 sogar per Gerichtsurteil untersagen lassen. Und siehe da, der Bundesgerichtshof verbietet immer mehr Herstellern, Produkte, die ihre Neutralität „nur“ aufgrund von Kompensation erreichen und nicht aufgrund von tatsächlicher vollständiger Vermeidung von CO2, als klimaneutral zu bezeichnen.

Wer sich eingehender informieren möchte: Die konkreten Maßnahmen haben die Netzbetreiber auf eigenen Infoseiten zusammengestellt. Hier nur ein ganz kurzer Überblick.

Telekom wird mit #GreenMagenta zum nachhaltigen Netzbetreiber

Passend zum Markenkern (Magenta Mobil Tarife) hat die Telekom unter #GreenMagenta und #GoodMagenta ihre Bestrebungen in Sachen Nachhaltigkeit zusammengefasst. Die „Grünen Angebote“ wie sie die Telekom nennt, sollen auch für Geschäftskund*innen interessant sein.

  • grünes Netz aus 100 Prozent Ökostrom
  • Beteiligung an sozialen Projekten, Maßnahmen und Initiativen
  • Teilnahme am Eco-Rating
  • reduzierte Verpackungen

Das Ganze hat die Telekom auch nochmal auf gesonderten Infoseiten gesammelt:

EDEKA smart als Magenta-Prepaid-Klon

Die Tarife der Marke EDEKA smart sind quasi ein Abziehbild der MagentaMobil-Prepaid-Tarife. Wer einen Blick auf den Webauftritt wirft, stellt schnell fest, dass das Thema Nachhaltigkeit allzu präsent ist:

  • reduzierte Verpackung oder gar statt SIM-Karte die eSIM für weniger Plastikmüll
  • Tarife aus 100 Prozent Ökostrom (= grünes Netz)
  • Förderung des WWF Waldschutzprogramms
  • seit Dezember 2021 Verkauf gebrauchter iPhones

Vodafone GigaGreen: Klimaneutral bis 2025

Vodafone hat die nachhaltigen Ziele bereits genauer konkretisiert. Bis 2025 klimaneutral wirtschaften (ob das gelungen ist, ist noch nicht bekannt, Stand Februar 2026) und bis 2040 emissionsfrei werden, so jedenfalls die entsprechende Infoseite. Wie bei der Telekom auch kommt Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zum Einsatz.

Dazu gibt es eine Reihe ressourcenschonender Ansätze. Zuletzt ja u.a. die „grünen Business-Tarife“ (umgesetzt über Kompensationszahlungen).

  • Vodafone Eco-SIM aus recyceltem Kunststoff, Förderung der eSIM
  • klimaneutrale grüne Business-Tarife
  • Eco-Rating
  • grüne Kreislaufwirtschaft (Handy leasen, Altgeräte zurückgeben)
  • Energie aus Windkraft
  • zu den Vodafone-Infos

O₂ zu Umwelt- und Klimaschutz

Zugegeben, die Überschrift „Etabliertes Umweltmanagement für ambitionierte Klimaziele“ klingt recht sperrig. Dafür sind O₂s Infoseiten zu Themen wie Umwelt- und Klimaschutz und verantwortliches Wirtschaften umso ausführlicher.

Dabei geht es auch um bereits erreichte Ziele. Wer mag, kann sich ja einmal durch die einzelnen Abschnitte klicken.

  • O₂ Handyankauf (Recyclingprogramm für Altgeräte)
  • Eco-Rating
  • 100 Prozent Grünstrom
  • klimaneutral bis 2025 in den Hauptmärkten, darunter Deutschland
  • Zu den O₂-Infos

Ay Yildiz pflanzt Bäume

Die Mobilfunkmarke Ay Yildiz lässt dagegen Bäume pflanzen. 1.500 Setzlinge sollen bis Ende 2022 im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid gepflanzt werden. Einen „Beitrag für die nachhaltige Aufforstung des deutschen Waldes“ nennt die Telefónica das in einer Pressemitteilung.

Die häufigsten Fragen (FAQ) - grüne Mobilfunktarife

❓Was sind grüne Mobilfunktarife?

Unter dem Begriff nachhaltig versteht jeder Anbieter etwas anderes. Grüne Mobilfunktarife können dementsprechend ganz unterschiedlich umgesetzt werden. Ökostrom aus erneuerbaren Energien, Spenden an gemeinnützige Organisationen, besondere Transparenz und soziales Engagement oder CO2-Kompensationen gehören zu den Schwerpunkten.

🤷‍♀️Welche Provider mit nachhaltigen Tarifen gibt es?

Zu den Providern mit nachhaltigen bzw. grünen Tarifen zählen WEtell, SAUBER Waldfunk, Amiva (ehemals Tele2) und goood. Auch die Netzbetreiber bemühen sich zunehmend um ein grünes Image, nicht zuletzt durch den Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien oder reduzierten Verpackungen.

🌿Was ist der Vorteil von grünen Handytarifen?

Der Vorteil grüner Handytarife liegt auf der Hand. Die Tarife sind möglichst klimaneutral oder es werden soziale oder umweltfreundliche Projekte gefördert.

🥀Gibt es Nachteile bei grünen Tarifen?

Der Nachteil bei grünen Tarifen liegt eben darin, dass es meist teurer wird. Die Grundgebühr ist höher als bei vergleichbaren Angeboten, die keine besonders nachhaltigen Aspekte verfolgen. Gerade bei Angeboten von Amiva oder goood.de lässt sich argumentieren, dass Spenden auch ohne den Umweg über Provider und Handyrechnung möglich sind. Klar, dafür ist es über den Tarifanbieter eben bequemer.

🌍Welche Klimaziele haben sich die Netzbetreiber gesetzt?

Zu den Klimazielen der Netzbetreiber gehört vor allem Klimaneutralität als Ziel bis 2025. Weitere Ansatzpunkte für grüne Ziele sind Altgeräteannahme bzw. -ankauf, Eco-Rating und der Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien sowie die Förderung von Umweltprojekten.

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Profilbild von Stefanie
Schon seit 2011 ist Steffi als Redakteurin für verschiedene Online-Magazine und -Blogs unterwegs. Für Technik begeistert sie sich jedoch schon viel länger. Ihr erstes Handy? Ein Nokia 3310. Nach einem iPhone und einem Windows Phone (nein, kein Witz!) begleitet sie mittlerweile ein Android-Smartphone durchs mobile Leben.

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