"Grüne Handys" - gibt es das?

Nachhaltigkeit bei Smartphones: Tipps für faire und klimafreundliche Handys

Smartphones und Nachhaltigkeit: Wie passt das eigentlich zusammen? Was ein fair produziertes oder eben besonders nachhaltiges Handy ausmacht, haben wir in diesem Beitrag zusammengestellt.
Nachhaltige Handys (Bild: ClipDealer @boggy22)

Nachhaltige Handys: Eigentlich ein Widerspruch – wir geben Tipps! (Bild: ClipDealer @boggy22)

Im Grunde widersprechen sich Handys und Nachhaltigkeit, allein aufgrund der Produktionsbedingungen und der notwendigen Ressourcen für die Herstellung, Stichwort seltene Erden.

Wer den Alltag jedoch nachhaltiger gestalten möchte, hat einen gewissen Handlungsspielraum, auch bei der Wahl des eigenen Smartphones. In diesem Beitrag möchten wir einige Tipps rund um das Thema Nachhaltigkeit im Mobilfunk geben.

  • Nachhaltige Smartphones wie das Fairphone und das Shiftphone setzen auf faire Produktionsbedingungen und Umweltverträglichkeit.
  • Auch auf gesetzlicher Ebene tut sich einiges: Smartphones sollen einfacher repariert werden können und länger Updates erhalten.
  • Zum 1.6.2021 startete das Eco-Rating für Smartphones − eine gemeinsame Initiative europäischer Netzbetreiber. Daneben gibt es weitere Siegel und Zertifikate.
  • Mit dem (Ver)Kauf von gebrauchten Smartphones und B-Ware gibst Du Handys ein neues Leben.

Nachhaltige Smartphones: Wie fair ist ein Smartphone?

Wer sich den Herstellungsprozess eines Smartphones (wichtige Punkte dazu weiter unten) genauer anschaut, stellt schnell fest, dass es kaum möglich ist, ein zu 100% faires Smartphone zu produzieren. Zu viele Rohstoffe und zu viele Lieferanten sind am Produktionsprozess beteiligt, sodass Smartphones generell kaum als nachhaltig gelten dürften.

Umso wichtiger, das Handy möglichst lange zu nutzen, statt es nach wenigen Monaten oder Jahren zu ersetzen. Hier hilft die Gesetzgebung mittlerweile nach.

Gesetz für nachhaltigere Handys – Die Ökodesign-Vorlage

Wer auf Nachhaltigkeit setzt, sollte schon beim Kauf eines Smartphones darauf achten, dass Einzelteile austauschbar sind. Leider sind fest verbaute Akkus zuletzt zum Trend geworden. Aber auch große Smartphone-Displays sind anfällig für Schäden und können oft nur sehr teuer und umständlich getauscht werden.

Immerhin hat die Gesetzgebung hier nachgebessert: Im November 2022 wurde in der EU die Ökodesign-Vorlage für langlebigere Produkte beschlossen, die unter anderem eine einfache Reparierbarkeit, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und eine Update-Garantie von fünf Jahren vorsieht.

  • Die Ökodesign-Vorlage gilt laut Pressemitteilung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) nach einer Übergangszeit von 21 Monaten für alle in der EU verkauften Geräte. Handys mit fest verbautem Akku dürften somit in Zukunft ebenso wenig möglich sein wie nicht verfügbare Ersatzteile.
Öko-Design: Smartphones per Gesetz einfacher zu reparieren

Öko-Design: Smartphones per Gesetz einfacher zu reparieren (Bild: bmuv.de)

Modulare Handys demnächst wieder Normalität?

Die wenigsten Smartphones lassen sich derzeit einfach reparieren. Aber mit der neuen Gesetzgebung könnten modulare Handys demnächst wieder zur Normalität werden.

In der Vergangenheit hatte es ja durchaus einige Bestrebungen gegeben, mehr Abwechslung und weniger Wegwerfprodukte auf den Markt zu bringen. Das Essential Phone wurde jedoch bereits 2020 wieder eingestellt. LG hatte mit dem LG G5 ein durchaus interessantes Modell platziert, ist jedoch mittlerweile ebenfalls nicht mehr im Smartphone-Markt aktiv. Die durchaus interessanten Moto Mods haben sich (wohl auch aufgrund der hohen Preise) auch nie so richtig durchgesetzt.

Lieferketten sollen nachvollziehbar sein, Menschenrechte eingehalten werden

Ein Smartphone setzt sich aus unterschiedlichsten Teilen zusammen. Selten sind die einzelnen Zulieferer oder gar die Arbeitsbedingungen in Fabriken oder Minen vor Ort bekannt.

Mit dem Lieferkettengesetz (siehe Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz) soll die Einhaltung grundlegender Menschenrechtsstandards wie des Verbots von Kinderarbeit und Zwangsarbeit eingehalten werden.

Das ab 2023 geltende Gesetz sowie ein (schärferer) Entwurf der EU gehen jedoch nicht weit genug, so die Initiative Lieferkettengesetz. Menschenrechtsorganisationen fordern deutlich mehr Transparenz, auch kleinere Unternehmen sollen etwa in die Pflicht genommen werden.

Fair und nachhaltige Handys: Fairphone, Shiftphone, Carbon Mobile

Grundsätzlich gibt es zwei Hersteller, die fair produzierte Smartphones auf den Markt bringen. Das Unternehmen Fairphone stammt aus den Niederlanden, die Shift GmbH dagegen aus Deutschland. Doch wie unterscheiden sich die beiden Handy-Marken voneinander?

Fairphone: Langlebig, modular und transparent

Das Fairphone ist wohl das bekannteste nachhaltige Handy. Nachhaltigkeit wird insbesondere durch die modulare Bauweise sichergestellt: Ersatzteile lassen sich vergleichsweise einfach austauschen. Das Handy ist so konzipiert, dass Du einzelne Komponenten vom Smartphone selbst reparieren und wechseln kannst.

Das Fairphone hat bereits eine wachsende Fangruppe gefunden, dementsprechend gibt es eine Reihe von Anleitungen im Internet, wie Du die Handys selbst reparieren kannst. Und im offiziellen YouTube-Kanal kannst Du ebenfalls Videoanleitungen abrufen.

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Das Fairphone besteht aus verschiedenen Modulen, die sich, wie im Video zu sehen, vergleichsweise einfach auseinander bauen lassen. Fällt eins der Bauteile aus, bekommst Du im Fairphone-Shop Ersatz (Kosten: z.B. 30 Euro für den Akku, 90 Euro für das Display). Außerdem kannst Du die kaputten Teile an Fairphone zurückgeben und diese recyclen lassen.

Neben der vergleichsweise einfachen Reparierbarkeit setzt das Fairphone auch auf faire Arbeitsbedingungen und auf Transparenz.

Shiftphone mit Gerätepfand und Ersatzteil-Service

Das Shiftphone stammt aus Deutschland. Produziert werden neben Smartphones z.B. auch faire Tablets. Defekte Einzelteile kannst Du selbst ersetzen, Ersatzakkus gibt es etwa ab 12 €. Das Unternehmen bietet außerdem einen Reparatur-Service (Display-Tausch für 88 €) und ein Gerätepfand an.

Die Shift GmbH produziert Handys in China. Beauftragt werden laut eigener Aussage jedoch keine Großbetriebe, sondern kleine Familienbetriebe, hier engagiert sich Shift mit einer Green Factory. Die Fertigung in China sei nachhaltiger, so Shift, denn nur so vermeide das Unternehmen umständliche Transportwege für empfindliche Kleinteile.

Im Shift-Blog geht es um neue Geräte und Messeberichte, aber auch um Transparenz und Initiativen für mehr Arbeitsschutz vor Ort. Mit dem Shift Wirkungsbericht (als PDF abrufbar) will Shift besonders transparent sein, der letzte Bericht stammt allerdings aus dem Mai 2019 und ist damit mehrere Jahre alt …

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Carbon Mobile: Carbonfaser statt Plastik

Carbonmobile stellte 2021 mit dem Carbon 1 MK II das erste Smartphone aus biobasierter Carbonfaser vor, der Plastikanteil liegt nach eigenen Angaben bei unter 10 Prozent. Außerdem will das Unternehmen plastikneutral sein, dazu fischte Carbon Mobile zusammen mit Cleanhub 2021 rund 5 Tonnen Plastikmüll aus den Ozeanen. Die Fertigung erfolgt in Deutschland.

Gigaset mit Handys „Made in Germany“

Gigaset hat sich Smartphones »Made in Germany« auf die Fahnen geschrieben. Produziert wird nach wie vor in China, geschraubt in Deutschland. Per se ist Gigaset also kein „grünes“ Unternehmen, lagert aber immerhin den letzten Fertigungsprozess nicht in chinesische Fabriken aus.

Schon Geschichte? Monohm und das Runcible

Zugegeben, besonders groß ist die Auswahl an Handy-Herstellern, die sich faire Produktionsprozesse auf die Fahnen schreiben, nicht. Hersteller Monohm wollte mit dem Runcible ein nachhaltiges Handy produzieren – und nebenbei den Smartphone-Markt revolutionieren.

Zuletzt machten Nachrichten 2016 die Runde – mit dem Hinweis, dass Monohm eine Finanzierung für sein Runcible sucht (Quelle: golem.de) – der Facebook-Seite des Unternehmens zufolge sind zwar via Crowdfunding genug Vorbestellungen eingegangen, doch Produktion und Auslieferung seien auch 2020 nicht möglich, Rückerstattungen aber auch nicht. Und auch 2022 gibt es keine positiven Nachrichten zu vermelden …

Faire Smartphones im Test: Können die grünen Handys mithalten?

Die Leistung der fairen Handys scheint jedenfalls gar nicht mal schlecht zu sein. Auf Testberichte.de sind die Einschätzungen von Magazinen wie der Connect zu finden. Im Schnitt wird das Fairphone 4 gut bewertet (Note: 2,3). Für das Shiftphone Shift 5.2 gibt es auf Testberichte.de sogar eine sehr gute 1,3, das Carbon Mobile 1 MK II erhält nur ein Befriedigend in der Gesamtwertung.

Gebraucht statt neu: So wird’s tatsächlich nachhaltig

Noch besser als der regelmäßige Neukauf des Handys: Das Smartphone möglichst lange behalten und nicht ständig durch ein neues Modell ersetzen. Wer das alte Handy ausrangiert, sollte davon absehen, dieses im Hausmüll zu entsorgen. Besser ist, den Recyclingprozess anzustoßen, damit wichtige Rohstoffe wiederverwertet werden können.

Und für das neue Handy gilt: Es muss nicht Neuware sein, ein gebrauchtes Handy bzw. ein B-Ware-Smartphone können ebenfalls einen nachhaltigen Zweck erfüllen. Damit gibst Du bereits hergestellten Smartphones ein neues Leben.

Altes Handy: Verkaufen, verschenken, spenden

Und wenn Du Dich dann doch für ein neues Handy entscheidest, solltest Du Dich um Dein altes Smartphone kümmern. Auch hier bieten sich Ver- und Ankaufplattformen an.

Ansonsten lassen sich auch gebrauchte Handys verschenken und für einen guten Zweck spenden. Mittlerweile bieten viele Händler und Provider auch Rückgabestellen an.

Im Rahmen von Trade-In-Aktionen gibt es außerdem oft eine Extraprämie, wenn Du bei Neukauf Dein altes Handy einschickst. Bestes Beispiel: Die Samsung Tauschprämie. Auch 1&1 stellt eine Trade-In-Aktion zur Verfügung.

Alternativen zum Fairphone: Siegel und Zertifikate zeigen Umweltfreundlichkeit

Neben dem Fairphone, das sich Nachhaltigkeit und faire Produktionsbedingungen ja bereits in den Namen geschrieben hat, lohnt es sich, auch bei den klassischen Herstellern auf Siegel und Prüf-Zertifikate zu achten. Aber: Immer auch eine gewisse Skepsis behalten, denn Nachhaltigkeit ist eben auch ein beliebter Marketingbegriff.

Nachfolgend einige Tipps, an die Du Dich halten kannst, wenn es denn um Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit geht.

Eco-Rating: Smartphones im Nachhaltigkeitsranking

Wie nachhaltig, klimafreundlich und fair ist ein Handy? Dafür gibt es seit Juni 2021 einen Score, nämlich das Eco-Rating. Das ist eine Art Nachhaltigkeitsranking und soll mittels Punkteskala auf einen Blick zeigen, wie die Umweltbilanz eines Smartphones denn nun ausfällt.

Es soll also die Ökobilanz von Handys vergleichbar gemacht werden. Das Eco-Rating geht auf eine Initiative europäischer Netzbetreiber zurück, der sich auch Telekom, Vodafone und o2 angeschlossen haben. Geprüft werden Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit, Recyclefähigkeit, Klimaverträglichkeit und Ressourcenschonung.

Mit Skepsis ist das Ranking allerdings schon zu sehen, wenn Modelle des Herstellers Fairphone und von Samsung (angeblich) die gleiche Punktzahl erzielen und Honor ressourcenschonender produziert als Fairphone (Honor X8 vs. Fairphone 4) (Stand: November 2022).

Eco-Rating für Smartphones

Eco-Rating für Smartphones (Bild: @ecoratingdevices.com)

Auf TCO zertifizierte Smartphones achten

Beim TCO-Zertifikat handelt es sich um ein Zertifikat für Nachhaltigkeit. Dabei wird nicht nur der Hersteller, sondern der gesamte Produktionsprozess zertifiziert. Erhält ein Smartphone das TCO-Zertifikat, dann werden nachhaltige Prozesse während der Herstellung, während des Gebrauchs sowie bei der Entsorgung berücksichtigt. Das schließt unter anderem folgende Punkte mit ein:

  • Das Unternehmen arbeitet an der Verbesserung der Umweltleistung (Umweltmanagementsystem),
  • Engagement im Abbau von Konfliktmineralien wie Wolfram, Tantal, Zinn, Gold, u.a. durch Kontrolle der Lieferkette,
  • soziale Verantwortung, u.a. nach den Bestimmungen der UN-Kinderrechtskonvention und Einhaltung der Arbeitsschutzgesetze,
  • Angabe des Anteils von recyceltem Kunststoff,
  • erhöhte Lebensdauer (Garantie, Angebot von Ersatzteilen, Akku austauschbar),
  • Angabe des Energieverbrauchs,
  • geringer Anteil an Giftstoffen und
  • Rücknahme von Altprodukten zu Recycling-Zwecken, dazu Codierung der Kunststoffe.

Die Liste der TCO-zertifizierten Smartphones ist allerdings nur kurz und umfasst im November 2022 neben dem Fairphone 4 lediglich zwei Modelle des chinesischen Herstellers Realme.

Blauer Engel Zertifikat für Mobiltelefone

Bisher hat das Fairphone 4 als einziges Mobiltelefon das Blaue-Engel-Zertifikat erhalten. Die Auszeichnung besagt, dass das Handy

  • eine recyclinggerechte Konstruktion fördert,
  • mit einer geringen Strahlenbelastung verbunden ist,
  • Anforderungen zur Verlängerung der Nutzungsdauer erfüllt und
  • gesundheits- und umweltbelastende Chemikalien vermeidet.

Greenpeace hebt Umweltaspekte bei Elektronik-Herstellern hervor

Nicht mehr ganz aktuell, aber dennoch interessant: Der Greenpeace Guide to greener Electronics von 2017. In der Übersicht zeigt Greenpeace, welche Elektronik-Hersteller Umweltaspekte besonders hervorheben.

Nachhaltiger Mobilfunk: Erste grüne Handytarife buchbar

Ganz klar: Bei Hardware sind wir eindeutig dabei, dass es in Zukunft nachhaltig sein muss (und je eher die Zukunft Gegenwart wird, desto besser).

Aber wie ist das eigentlich mit nachhaltigem Mobilfunk, also sozusagen grünen Handytarifen? Diesem Thema verschreibt sich vor allem WEtell, ein Startup, das auf Tele2 aufsetzt und sehr viele Maßstäbe (vor allem Klimaneutralität) ansetzt. Könnte ebenfalls ein Fingerzeig werden für die Zukunft. Und mit SAUBER WALDFUNK mischt seit 2022 ein weiterer Provider mit.

Nachhaltig und fair: Bei neuen Handys kaum umsetzbar

Neu produzierte Handys sind selten nachhaltig oder gar fair. Neben der Umweltbelastung im Herstellungsprozess sollten sich Verbrauchende vor allem über die Arbeitsbedingungen im Klaren sein. Nicht nur in der Fertigung selbst, sondern eben auch im Abbau von Ressourcen: Mineralien und seltene Erden. Hierzu informieren unter anderem Amnesty International und Terre des Hommes.

Die folgenden Abschnitte können nur einen kurzen Überblick geben. Weitere Informationen findest Du bei den unten verlinkten Organisationen.

Sind umweltfreundliche Smartphones überhaupt realisierbar?

Wie umweltfreundlich ein Smartphone ist, entscheiden auch die Inhaltsstoffe und wie diese gewonnen werden.

Hier muss ganz klar gesagt werden: Ein Handy aus komplett fairen und umweltverträglichen Rohstoffen kann es nicht geben. Einige Metalle sind schlicht und ergreifend notwendig, um das Smartphone betreiben zu können. Lithium-Akkus und Kontaktstellen aus Gold sind nach wie vor essentiell und auch darüber hinaus ist die Liste an verwendeten Rohstoffen lang.

Seltene Erden als Problem für Menschen und Umwelt

Knapp 60 verschiedene und teils seltene Rohstoffe stecken in jedem Handy. Klar ist: Diese Rohstoffe stehen nicht unendlich zur Verfügung. Und werden unter Aufwendung von viel Energie und teils stark belastender Chemikalien gefördert. Soll ein Handy möglichst umweltverträglich sein, dann sollten recycelte Stoffe verwendet werden.

Herstellung unter fairen Arbeitsbedingungen

Immer wieder machen Berichte über die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern die Runde. Smartphones werden in Fabriken in asiatischen Ländern hergestellt. Arbeitsschutz und Arbeitsbedingungen stehen hier immer wieder in der Kritik. Langfristige Änderungen: Höchstens punktuell.

Bereits bei der Förderung der notwendigen Rohstoffe geht es los: In den Minen in Afrika belasten nicht nur Chemikalien die Umwelt und die Arbeitenden. Auch die Arbeitsbedingungen sind ausbeuterisch. Wichtige Rohstoffe werden auch durch Kinderarbeit gewonnen.

So kritisierte Amnesty International schon 2016, dass Smartphone-Hersteller von Kinderarbeit in der Demokratischen Republik Kongo profitieren. Der von teils 7-jährigen Kindern abgebaute Kobalt könne in Handys von Apple, Samsung und Sony stecken, so ein Bericht von Amnesty International.

Das hat sich seitdem nicht geändert: Im November 2022 sendete der MDR einen Bericht über die Kinderarbeit beim Abbau des Minerals Coltan. Auch die Organisation terre des hommes weist auf die Arbeitsbedingungen beim Abbau wichtiger Mineralien (im verlinkten Bericht etwa Mica) hin.

Hinzu kommt, dass am Herstellungsprozess eines einzelnen Handys zahlreiche Lieferanten und Sub-Unternehmen beteiligt sind. Wenn Du Dir vor Augen führst, dass allein mindestens 60 Rohstoffe aus unterschiedlichen Quellen benötigt werden, aus denen erst Einzelteile entstehen, die dann erst noch zusammengeklebt, geschraubt und gelötet werden müssen, dann ist klar, warum es für den Verbraucher schwierig ist, den Produktionsprozess eines Handys überhaupt nachzuvollziehen.

Nachhaltige Handys – Häufig gestellte Fragen (FAQ)

🌍 Welche Hersteller produzieren faire Handys?

Beim Hersteller Fairphone steckt das fair bereits im Namen. Es gibt weitere Hersteller, die fair produzieren, etwa Shiftphone. Carbon Mobile reduziert den Plastikanteil in den Smartphones. Und Gigaset produziert unter anderem auch in Deutschland.

🌿 Was sollte ein nachhaltiges Smartphone mitbringen?

Ein nachhaltiges Smartphone sollte unter fairen Produktionsbedingungen hergestellt werden. Dazu gehört nicht nur die Fertigung in den Fabriken, sondern auch die Förderung der Rohstoffe. Außerdem sollte ein faires Handy möglichst lange nutzbar sein: Dementsprechend sollte die Versorgung mit wichtigen Updates stimmen und die Reparatur empfindlicher Teile wie Akku, Display oder Kamera einfach möglich sein.

🤷‍♀️ Wie erkenne ich ein nachhaltiges Handy?

Es gibt einige Siegel und Zertifikate, die nachhaltige Handys erkennbar machen sollen. Das derzeit wohl am häufigsten Genutzte dürfte das Eco-Rating für Smartphones sein. Ein Smartphone-Modell erhält dort bis zu 100 Punkte, darunter für Reparierbarkeit, Langlebigkeit und Ressourcenschonung.

Es gilt: Nicht einzig auf einen hohen Score verlassen, sondern auch nochmal darüber nachdenken, ob Samsung und Honor tatsächlich ebenso hohe oder sogar höhere Punktzahlen einfahren können wie ein Fairphone.

📱 Was kann ich tun, um ein Handy möglichst nachhaltig zu nutzen?

Um nachhaltig zu handeln, ist nicht unbedingt ein Fairphone notwendig. Denn klar: Die Auswahl an Modellen und gerade auch die Auswahl an Handys mit Vertrag bzw. an wirklich guten und günstigen Angeboten ist stark eingegrenzt. Entscheidest Du Dich für ein Smartphone, das im Nachhaltigkeitsranking weit hinten steht, kannst Du dennoch klimafreundlich handeln.

Achte darauf, das Handy sorgsam und möglichst lange zu nutzen. Auch der Kauf von B-Ware und gebrauchten Handys ist im Grunde nachhaltiger, als extra (wenn auch noch so fair) produzierte Neuware. Achte außerdem darauf, Dein altes Smartphone weiterzuverkaufen, zu verschenken oder richtig zu recyceln. So kann entweder das ganze Handy weitergenutzt werden oder das Smartphone wird in seine Einzelteile zerlegt. Und last but not least: Auch nachhaltige Provider sind am Markt aktiv.

Profilbild von Stefanie
Schon seit 2011 ist Steffi als Redakteurin für verschiedene Online-Magazine und -Blogs unterwegs. Für Technik begeistert sie sich jedoch schon viel länger. Ihr erstes Handy? Ein Nokia 3310. Nach einem iPhone und einem Windows Phone (nein, kein Witz!) begleitet sie mittlerweile ein Android-Smartphone durchs mobile Leben. Und Abschalten? Das geht am besten beim Waldbaden, Power Metal hören oder bei einer Runde Assassin’s Creed.

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