Das tun die Netzbetreiber fĂĽrs Klima

Grüne Mobilfunktarife: Diese Handytarife sind »nachhaltig«

Das Thema »Grüne Handytarife« ist längst auch bei den Providern und Netzanbietern angekommen. Unter Schlagworten wie »nachhaltige Tarife« und »Klimatarife« sollen Mobilfunktarife nun klimaverträglich, fair und nachhaltig werden. Grün ist dabei nicht gleich grün, auf den Schwerpunkt kommt es an. Ein Überblick.
GrĂĽne Handytarife

GrĂĽne Handytarife: Die Netzbetreiber wollen klimaneutral werden. GrĂĽn und Mobilfunk, ist das nicht ein Widerspruch? (Bild: Pixabay @StockSnap)

GrĂĽne Handytarife und Klimatarife in der Ăśbersicht

Handytarife, die tatsächlich als grün vermarktet werden, das gibt es eher selten. Die (wenigen) Provider setzen auf unterschiedliche Schwerpunkte. Grüner Mobilfunk wird durch den Einsatz erneuerbarer Energien, Kompensationen für CO2-Emissionen oder auch durch Spenden an soziale Organisationen realisiert. Dabei stehen nicht nur das Klima, sondern eben auch soziale Aspekte im Vordergrund. Welche grüne Handytarife bzw. Klimatarife gibt es also?

Aber: Wo anderswo ein Preiskampf um den gĂĽnstigsten Handytarif herrscht, sind die fairen Mobilfunktarife einfach teurer. Etwa durch Spenden fĂĽr Klimaprojekte, Kompensationszahlungen oder besondere Investitionen in erneuerbare Energien.

Tarife fair und gut fĂĽrs Klima?

Wer Wert auf faire Tarife legt, sollte sich die folgenden Provider aus unserer Übersicht genauer anschauen. Und ja, die Betonung liegt hier tatsächlich auf dem Wort genau. Denn jeder Anbieter legt andere Schwerpunkte.

Nachhaltige Tarife werden also ganz unterschiedlich umgesetzt. Und nur, wer die Begriffe fair und gut fĂĽrs Klima verwendet, muss nicht zwangsweise rundum nachhaltig sein.

Was aktuell in Sachen nachhaltige Handytarife möglich ist, soll die Übersicht zeigen.

Nachhaltigkeit, das bezieht sich nicht nur auf Provider und Tarife. Sondern eben auch auf das Smartphone selbst. Die wenigsten Ressourcen werden sicherlich durch den Kauf eines gebrauchten Smartphones oder durch B-Ware verbraucht. Ansonsten heiĂźt es: Auf Reparierbarkeit von Handys achten. Modulare Smartphones wie das Fairphone liegen was das angeht vorn.

WEtell: Nachhaltige Tarife sind 2019 gestartet

Mit WEtell gibt es seit 2019 den ersten nachhaltigen Mobilfunkanbieter, ursprünglich basierend auf einer Crowdfunding-Initiative. Nachhaltigkeit basiert bei WEtell auf verschiedenen Säulen, zu denen unter anderem Investitionen in erneuerbare Energien, Klimaneutralität, soziales Engagement und Fairness bzw. ein ethisches Wirtschaftssystem gehören.

Dementsprechend hat sich WEtell der Gemeinwohl-Ökonomie angeschlossen (siehe Pressemitteilung). Dazu gehört unter anderem auch, Transparenz zu zeigen: Im GWÖ-Bericht kannst Du die Bilanzen nachvollziehen und Dich mit den Schlagworten (Klimaschutz, Datenschutz, Fairness) vertraut machen.

Als Partner steckt Tele2 hinter den WEtell-Handytarifen. Und Tele2 verfolgt ja ebenfalls eine nachhaltige Agenda, dazu weiter unten mehr. Das Ganze geht bei 15 € für 2 GB los.

Tele2: GrĂĽn durch monatliche Spende

Provider Tele2 geht einen anderen Weg: Wer sich für einen Tele2-Tarif entscheidet, spendet damit automatisch einen Teil der Monatsgebühr (in der Regel 50 Cent bis 1 Euro) an gemeinnützige Organisationen wie »Deutschland forstet auf« oder die »Tafel«.

Klar: Damit nimmst Du eine höhere Grundgebühr (ab 9,95 € ab 2 GB) in Kauf, von der dann eben der Spendenbetrag abgeknapst wird. Wer die Bequemlichkeit der monatlichen Spende schätzt, kann den Betrag auch selbst erhöhen. Geht dann eben jeden Monat automatisch von der Handyrechnung ab.

SAUBER Waldfunk bietet grĂĽne Tarife durch CO2-Kompensation

SAUBER Waldfunk ist erst Anfang 2022 als Mobilfunk-Angebot von SAUBER Energie gestartet. Wer ohnehin bereits Strom von SAUBER Energie bezieht, kann beim Tarif sparen. Normalerweise geht es bei 10 € für 4 GB los.

»Sauber« im Sinne von nachhaltig oder »grün« wird das Ganze durch eine Kompensationszahlung für die geschätzten CO2-Emissionen des monatlich zur Verfügung stehenden Datenvolumens.

Das Ganze lehnt sich also an die Kompensations-Praxis an, die schon längst von Flugreisen bekannt ist. Hier gilt: Unbedingt eine eigene Meinung bilden. Informationen über Kompensationen kannst Du u.a. beim Umweltbundesamt nachlesen.

goood.de mit Spende fĂĽr den Klimaschutz

goood.de funktioniert im Grunde analog zu Tele2. Vermittelt werden allerdings klassische Handytarife von Providern wie Drillisch, otelo und anderen. Bei Abschluss wählst Du dann ein Projekt aus, das Du unterstützen möchtest. Das können Klimaschutz-Projekte sein zum Schutz der Wälder, Meere oder Bienen. Auch Spenden für Menschen in Not sind möglich.

Normalerweise erhöht sich der Monatsbetrag um 1 € für die Spende, Du kannst den Spendenbetrag aber auch beliebig erhöhen. Handytarif und Spende werden dann über die gleiche Rechnung beglichen.

Green Magenta nachhaltige Tarife

Die Telekom will mit Green Magenta nachhaltig sein – aber was steckt hinter dem Konzept? (Bild: Telekom)

GrĂĽne Netzbetreiber: Das tun Telekom, Vodafone und o2 fĂĽr mehr Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit im Mobilfunk, das passt an sich kaum zusammen. Jedenfalls ist das kaum ein Begriff, der mir zuallererst einfällt, wenn wir an Telekom, Vodafone oder o2 denke. Umso emsiger sind die aktuellen Bestrebungen der Netzbetreiber, genau das zu ändern.

Die Netzbetreiber weisen jedenfalls auf die Verwendung von Ökostrom aus erneuerbaren Energien hin. Telekom, Vodafone und o2 nehmen außerdem am Eco-Rating-Programm teil.

Inwieweit die typischen Schlagworte wie Ă–kostrom und reduzierte Verpackung fĂĽr ein nachhaltiges Wirtschaften ausreichen, muss wohl jeder fĂĽr sich entscheiden.

Kritik: Klimaschutz oder Greenwashing?

Steckt nun Klimaschutz oder Greenwashing hinter den Nachhaltigkeitszielen der Netzbetreiber?

Die Süddeutsche meldete jedenfalls im Februar 2022, dass das Klimaversprechen der großen Unternehmen »oft in die Irre« führe: Statt 100%t klimaneutral sei wohl vielmehr ein Wert von 40% im Durchschnitt realistisch. Vodafone (mäßige Integrität) liege dabei noch vor der Telekom (geringe Integrität).

Das Ganze basiert auf dem Corporate Climate Responsibility Monitor von Carbon Market Watch, darin enthalten sind die Klimaziele von 25 global fĂĽhrenden Unternehmen (darunter Telekom und Vodafone, jedoch nicht die TelefĂłnica).

Und auch die Deutsche Umwelthilfe ist allgemein von der Werbung für »klimaneutrale Produkte« wenig angetan, will diese sogar per Gerichtsurteil untersagen lassen (siehe ZEIT-Artikel: Nur grün geschminkt? vom 18.05.2022)

Wer sich eingehender informieren möchte: Die konkreten Maßnahmen haben die Netzbetreiber auf eigenen Infoseiten zusammengestellt. Hier nur ein ganz kurzer Überblick.

Telekom wird mit #GreenMagenta zum nachhaltigen Netzbetreiber

Passend zum Markenkern (Magenta Mobil Tarife) hat die Telekom unter #GreenMagenta und #GoodMagenta ihre Bestrebungen in Sachen Nachhaltigkeit zusammengefasst. Die »Grünen Angebote« wie sie die Telekom nennt, sollen auch für Geschäftskund*innen interessant sein.

  • GrĂĽnes Netz aus 100 Prozent Ă–kostrom
  • Beteiligung an sozialen Projekten, MaĂźnahmen und Initiativen
  • Teilnahme am Eco-Rating
  • reduzierte Verpackungen

Das Ganze hat die Telekom auch nochmal auf gesonderten Infoseiten gesammelt:

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EDEKA smart als Magenta-Prepaid-Klon

Die Tarife der Marke EDEKA smart sind quasi ein Abziehbild der MagentaMobil Prepaid-Tarife. Wer einen Blick auf den Webauftritt wirft, stellt schnell fest, dass das Thema Nachhaltigkeit allzu präsent ist:

  • Eine reduzierte Verpackung oder gar statt SIM-Karte die eSIM fĂĽr weniger PlastikmĂĽll,
  • Tarife aus 100 Prozent Ă–kostrom (= grĂĽnes Netz) und
  • die Förderung des WWF Waldschutzprogramms stehen in der Agenda.
  • AuĂźerdem ist im Dezember 2021 der Verkauf gebrauchter iPhones bei EDEKA smart gestartet.

Vodafone GigaGreen: Klimaneutral bis 2025

Vodafone hat die nachhaltigen Ziele bereits genauer konkretisiert. Bis 2025 klimaneutral wirtschaften und bis 2040 emissionsfrei werden, so jedenfalls die entsprechende Infoseite. Wie bei der Telekom auch kommt Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zum Einsatz.

Dazu gibt es eine Reihe ressourcenschonender Ansätze. Zuletzt ja u.a. die »grünen Business-Tarife« (umgesetzt über Kompensationszahlungen).

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  • Vodafone Eco-SIM aus recyceltem Kunststoff, Förderung der eSIM
  • klimaneutrale grĂĽne Business-Tarife
  • Eco-Rating
  • GrĂĽne Kreislaufwirtschaft (Handy leasen, Altgeräte zurĂĽckgeben)
  • Zu den Vodafone Infos

o2 zu Umwelt- und Klimaschutz

Zugegeben, die Überschrift »Etabliertes Umweltmanagement für ambitionierte Klimaziele« klingt recht sperrig. Dafür sind o2s Infoseiten zu Themen wie Umwelt- und Klimaschutz und verantwortliches Wirtschaften umso ausführlicher.

Dabei geht es auch um bereits erreichte Ziele. Wer mag, kann sich ja einmal durch die einzelnen Abschnitte klicken.

  • o2 Handyankauf (Recyclingprogramm fĂĽr Altgeräte)
  • Eco-Rating
  • 100 Prozent GrĂĽnstrom
  • klimaneutral bis 2025 in den Hauptmärkten, darunter Deutschland
  • Zu den o2 Infos

Ay Yildiz pflanzt Bäume

Mobilfunkmarke Ay Yildiz lässt dagegen Bäume pflanzen. 1.500 Setzlinge sollen bis Ende 2022 im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid gepflanzt werden. Einen »Beitrag für die nachhaltige Aufforstung des deutschen Waldes« nennt die Telefónica das in einer Pressemitteilung.

Die häufigsten Fragen (FAQ)

âť“ Was sind grĂĽne Mobilfunktarife?

Unter dem Begriff nachhaltig versteht jeder Anbieter etwas anderes. Grüne Mobilfunktarife können dementsprechend ganz unterschiedlich umgesetzt werden. Ökostrom aus erneuerbaren Energien, Spenden an gemeinnützige Organisationen, besondere Transparenz und soziales Engagement oder CO2-Kompensationen gehören zu den Schwerpunkten.

🤷‍♀️ Welche Provider mit nachhaltigen Tarifen gibt es?

Zu den Providern mit nachhaltigen bzw. grünen Tarifen zählen WEtell, SAUBER Waldfunk, Tele2 und goood. Auch die Netzbetreiber bemühen sich zunehmend um ein grünes Image, nicht zuletzt durch den Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien oder reduzierten Verpackungen.

🌿 Was ist der Vorteil von grünen Handytarifen?

Der Vorteil grüner Handytarife liegt auf der Hand. Die Tarife sind möglichst klimaneutral oder es werden soziale oder umweltfreundliche Projekte gefördert.

🥀 Gibt es Nachteile bei grünen Tarifen?

Der Nachteil bei grünen Tarifen liegt eben darin, dass es meist teurer wird. Die Grundgebühr ist höher als bei vergleichbaren Angeboten, die keine besonders nachhaltigen Aspekte verfolgen. Gerade bei Angeboten von Tele2 oder goood.de lässt sich argumentieren, dass Spenden auch ohne den Umweg über Provider und Handyrechnung möglich sind. Klar, dafür ist es über den Tarifanbieter eben bequemer.

🌍 Welche Klimaziele haben sich die Netzbetreiber gesetzt?

Zu den Klimazielen der Netzbetreiber gehört vor allem Klimaneutralität als Ziel bis 2025. Weitere Ansatzpunkte für grüne Ziele sind Altgeräteannahme bzw. -ankauf, Eco-Rating und der Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien sowie die Förderung von Umweltprojekten.

Profilbild von Stefanie
Schon seit 2011 ist Steffi als Redakteurin für verschiedene Online-Magazine und -Blogs unterwegs. Für Technik begeistert sie sich jedoch schon viel länger. Ihr erstes Handy? Ein Nokia 3310. Nach einem iPhone und einem Windows Phone (nein, kein Witz!) begleitet sie mittlerweile ein Android-Smartphone durchs mobile Leben. Und Abschalten? Das geht am besten beim Waldbaden, Power Metal hören oder bei einer Runde Assassin’s Creed.

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