Was ist denn hier los?

Unlimited-Tarife werden langsamer und teurer – DAS steckt dahinter

Unlimited-Tarife werden teurer – und noch dazu langsamer. Zumindest, wenn es um das o2-Netz geht. Ich wundere mich über Verschiebungen im Tarifmarkt – genauer gesagt kommen gleich mehrere Faktoren zusammen. Noch gibt es jedoch Alternativen. Also alles halb so wild?
Unlimited-Tarife werden langsamer und teurer (Bild: Pixabay @StockSnap)

Unlimited-Tarife werden langsamer und teurer (Bild: Pixabay @StockSnap)

Unlimited Tarife verschlechtern sich: Was steckt dahinter?

In den letzten Wochen konnten aufmerksam Mitlesende feststellen: Unlimited-Tarife haben sich deutlich verschlechtert. Aber warum? Dahinter stecken sehr wahrscheinlich gleich mehrere Gründe, denen wir in diesem Beitrag einmal genauer nachgehen wollen.

o2 mit drastischer Preiserhöhung für „echtes“ Unlimited

Hier nur einmal am Beispiel des o2 Mobile Unlimited Vergleichs erklärt:

  • Die letzte Preiserhöhung im Juli 2023: Von 62,99 € auf 99,99 € im Monat, also um fast 60 Prozent!
  • Gleichzeitig wurde der o2 Mobile XL eingeführt, quasi als Unlimited-Ersatz: Limitiertes Datenvolumen (280 GB) bei voller Geschwindigkeit und zum alten Unlimited-Preis.
  • Interessanterweise führt das „Billignetz“ o2 beim Preis der Premium-Tarife nun an, liegt bei der Grundgebühr 17 Prozent über dem Unlimited-Preis der Telekom.
  • Wer dennoch unbegrenzt Daten verbraucht, kann nach wie vor zum Basic oder Smart greifen, diese Tarife sind auf maximal 3 bzw. 15 MBit/s begrenzt, bieten aber unendlich Daten und haben sich nicht verteuert (32,99 € bzw. 42,99 € im Monat).

Hier noch einmal zum Vergleich der Überblick, wie sich der o2 Unlimited Max im Vergleich zu den Unbegrenzt-surfen-Angeboten bei Telekom und Vodafone schlägt:

SIM Karte Icon
o2 Logo
Mobile Unlimited Max (2023)
24 Monate
9.0
Netz
endlos 5G
max. 300 MBit/s
Allnet-Flat
SMS-Flat
  • Kann jederzeit enden!
  • 50 % Rabatt
  • Gutscheincode: O2DEAL50
monatlich
49,99 €
Anschluss­gebühr
39,99 €
51,66 €
Durchschnitt pro Monat
Handyhase Effektivpreis
monatlich 51,66 €
SIM Karte Icon
MagentaMobil XL
24 Monate
8.0
Netz
endlos 5G
max. 300 MBit/s
Allnet-Flat
SMS-Flat
  • inkl. Schweiz-Roaming
  • 300,00 € Bonus bei Rufnummernmitnahme
monatlich
84,95 €
Anschluss­gebühr
39,95 €
74,11 €
Durchschnitt pro Monat
Handyhase Effektivpreis
monatlich 74,11 €
SIM Karte Icon
Vodafone Logo
GigaMobil XL
24 Monate
8.2
Netz
endlos 5G
max. 300 MBit/s
Allnet-Flat
SMS-Flat
  • 20 % Rabatt
monatlich
63,99 €
Anschluss­gebühr
0,00 €
63,99 €
Durchschnitt pro Monat
Handyhase Effektivpreis
monatlich 63,99 €

Auch 1&1 dreht an der Preisschraube

Im Grunde genau das Gleiche ist im Juli 2023 bei 1&1 zu beobachten. Der durch den versprochenen 5G-Ausbau stark gebeutelte Provider (bzw.: der zukünftige Netzbetreiber) hat den Preis der eigenen Unlimited-Flat auf 99,99 € im Monat erhöht. Auch wenn der Tarif im ersten halben Jahr deutlich günstiger zu haben ist: Unbegrenztes Surfen dürfte damit vollends unattraktiv werden, zumal die zukünftige Netzzugehörigkeit (1&1, Telefónica) längst noch nicht abschließend geklärt ist.

1&1 Unlimited teurer und langsamer

Der 1&1 Unlimited ist nun auch teurer, kostet rund 100 € im Monat

Verschlechterungen auch bei Tarif-Discountern

Die Verschlechterungen betreffen indes nicht nur die Original-Netzbetreiber-Tarife, sondern auch Tarif-Discounter. So wurde zuletzt bei freenet FUNK die Surfgeschwindigkeit von 225 auf 15 MBit/s reduziert.

Auch MegaSIM musste einstecken: Die Grundgebühr der Unlimited-Flat hat sich zuletzt um 2 Euro auf 24,99 Euro im Monat erhöht.

Urteil zur Endgerätefreiheit macht Unlimited-Tarife zum Hotspot

Bahnbrechend war jedenfalls im Frühjahr das Urteil zur Endgerätefreiheit des Landgerichts München.

Zusammengefasst bedeutet das: Ja, ein Unlimited-Handytarif kann als DSL-Ersatz genutzt werden. Das Handy würde dann als Hotspot fungieren. Mit dem Mobilfunk-Datenvolumen würdest Du also stationär surfen statt über den DSL-Anschluss.

Gut für nach wie vor schlecht versorgte Regionen (und gut, wenn Du Handytarif und DSL-Anschluss mit einer SIM-Karte abfrühstückst), schlecht jedoch für den Provider (der nur noch einen statt zwei Tarife vermittelt).

Logische Konsequenz: Tarife, die für den mobilen und stationären Einsatz theoretisch ideal wären (wie der o2 Mobile Unlimited Max mit eben maximaler Geschwindigkeit von bis zu 500 MBit/s) verschlechtern sich, werden deutlich teurer.

Inflation lässt Preise steigen

Im Tarifmarkt ist die anhaltende Inflation zugegeben verspätet angekommen, doch auch hier sind Preiserhöhungen spürbar. Sei es die gestiegene UVP vieler Smartphones, seien es neu eingeführte Versandkosten oder eben Verschiebungen im Angebote-Markt.

Klar: Richtig günstige Angebote, auch Handy-Bundles, gibt es nach wie vor – sodass es sich lohnt, den Markt ein wenig im Auge zu behalten. Dennoch, es ist nicht zu leugnen, dass die Inflation auch für steigende Preise im Mobilfunk sorgt.

5G-Freischaltung versilbert Tarife

Und dann ist da ja auch noch der fortschreitende Netzausbau. Gerade o2 hat einiges zu investieren und aufzuholen. Die Ambitionen sind dabei groß, wie ein Blick in die letzten Handynetz-Tests zeigt: o2 hat gerade beim 5G-Ausbau in Großstädten zuletzt ordentlich aufgeholt. Ob es hier zukünftig wohl zu Verschiebungen bei der altgewohnten Reihenfolge Telekom, Vodafone, o2 kommt und die Telefónica als Drittplatzierte den etablierten Platzhirschen den Rang abläuft, sei dahingestellt.

Jedenfalls dürfte sich o2 den Aufstieg hin zu guten bis sehr guten Testergebnissen auch gut bis sehr gut bezahlen lassen wollen. Hinzu kommt, dass ausgerechnet im Telefónica-Netz nun ein reichweitenstarker Mobilfunk-Discounter 5G erhalten hat: Im Juli erfolgte die ALDI TALK 5G-Freischaltung, und das ohne Zubuchoption (wie bei congstar), sondern eben für alle und zu einem humanen Aufpreis von 1 € (bei automatischer Erhöhung des Datenvolumens von 4 auf 6 GB).

  • Allerdings, auch hier der Wermutstropfen: 5G bedeutet eben nicht automatisch auch Gigabit-Speed, auch wenn solche Geschwindigkeiten theoretisch möglich wären: Die Discounter drosseln zum aktuellen Zeitpunkt auch bei 5G stark, und zwar auf bis zu 50 MBit/s.

Ein weiterer Hinweis darauf, dass bei steigendem Datenvolumen wohl eher anderswo Abstriche gemacht werden müssen. Nämlich bei der Geschwindigkeit.

Mehr Speed nur gegen Cash: Alles halb so wild?

Lässt sich also zusammenfassen: Mehr Speed, also eine höhere Surfgeschwindigkeit, gibt es nur noch gegen Extra-Cash. Halb so wild? In der Tat.

Für die normale Anwendung als Handytarif im Alltag ist die Handy-Geschwindigkeit in den „Billig-Tarifen“ mit Unlimited-Flat mehr als verschmerzbar, wenn dann eben die Grundgebühr stimmt. 15 MBit/s und selbst 3 Mbit/s reichen aus, um am Handy den ganz normalen Alltag zu bestreiten, was eben auch Streaming (Netflix, Spotify, Amazon Prime Music und Video, Disney Plus) und Social Media (Instagram oder Tarife für TikTok) umfasst.

Und: Ein Blick in den Handy-Speedtest ist durchaus sinnvoll. Denn auch wenn LTE Max oder 5G mit bis zu 500 MBit/s versprochen wird, ist das längst nicht das, was auch zwingend bei Dir ankommen muss, im Gegenteil.

Schon seit Jahren kritisieren wir, dass in der Regel deutlich langsamer gesurft wird, als es laut Papier möglich wäre. o2 gibt für die eigenen o2-Mobile-Tarife etwa eine Geschwindigkeit von knapp unter 70 Mbit/s im Durchschnitt an – weit entfernt also von den theoretischen 300 bzw. 500 MBit/s mit LTE Max und/oder 5G … Interessant dazu: Die interaktive Karte der Bundesnetzagentur.

Hinzu kommt: Der eine oder andere dürfte mit unbegrenztem Datenvolumen tatsächlich nach wie vor überversorgt sein. Nicht nur im o2-Netz gibt es da ja wirklich gute Alternativen mit Tarifen ab 50 GB Datenvolumen – selbst das reicht oftmals zum Streamen locker aus. Ein Blick in den Ratgeber Wie viel Datenvolumen brauche ich ist vor Abschluss also durchaus sinnvoll.

Klar sollte aber auch sein: Wer dagegen mit einem Tarif mehrere Geräte unter voller Belastung gleichzeitig online bringen will, dürfte an Grenzen stoßen. Und muss dann zukünftig wohl oder übel mehr Geld auslegen.

Profilbild von Stefanie
Schon seit 2011 ist Steffi als Redakteurin für verschiedene Online-Magazine und -Blogs unterwegs. Für Technik begeistert sie sich jedoch schon viel länger. Ihr erstes Handy? Ein Nokia 3310. Nach einem iPhone und einem Windows Phone (nein, kein Witz!) begleitet sie mittlerweile ein Android-Smartphone durchs mobile Leben.

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