So funktioniert die Fair-Use-Regel

Fair Use Policy im EU-Roaming: Wie viel Auslands-Datenvolumen gemäß Roam-like-at-home habe ich 2022 zur Verfügung?

Seit Juni 2017 gilt die Roaming-Regulierung innerhalb der Europäischen Union (sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein). Für euch bedeutet das: Ihr nutzt euren Handytarif auch weiter, wenn ihr euch im EU-Ausland aufhaltet. So könnt ihr mit Allnet-Flat auch in den Niederlanden telefonieren oder im Spanien-Urlaub euer Datenvolumen versurfen. Aber nicht uneingeschränkt. Denn als Ergänzung wurde zur Entlastung der Provider die sogenannte Fair-Use-Policy eingeführt.
Fair-Use-Regelung

Fair-Use-Regelung (Bild: ClipDealer)

Diese soll unter anderem sicherstellen, dass ihr nicht einen billigen Tarif im Ausland abschließt und diesen dauerhaft in Deutschland nutzt. Dementsprechend gelten verschiedene Sonder-Regelungen im Ausland. Welche das sind, erklären wir in diesem Beitrag.

Aufgepasst: Die Preisobegrenzen für die Fair-Use-Policy wurden erst einmal nur bis 2022 festgelegt − denn so kurz greift die Regelung (bis 30.6.2022). Eine Verlängerung und Erweiterung der EU-Roaming-Verordnung ist aber wahrscheinlich, eventuell sogar mit noch attraktiveren Preisobergrenzen.

Fair Use Policy (FUP): Was ist das?

Eigentlich hatten die Mobilfunkanbieter genug Zeit, sich auf das Ende hoher Roaming-Gebühren innerhalb der EU einzustellen. Mit der Einführung der Fair Use Policy (kurz: FUP) kommt die EU den Providern jedoch erneut entgegen. Zwar gilt grundsätzlich das Roam-like-at-Home-Prinzip. Das heißt: Egal, wo in der EU ihr euch aufhaltet, ihr könnt wie zu Hause mobil surfen oder telefonieren. Doch mit der Fair Use Policy soll verhindert werden, dass ihr im Urlaub einen günstigen Tarif abschließt und diesen dauerhaft zu Hause weiternutzt.

Mit Fair Use Formel Höhe des Datenvolumens berechnen

Wichtigster Bestandteil der Fair Use Regelung ist die mögliche Limitierung des Datenvolumens. Diese ist insbesondere in Tarifen mit besonders viel Datenvolumen und niedriger Grundgebühr relevant.

Formel: Fair Use Grenze berechnen

Die Provider müssen sich an folgende Formel halten, um den maximalen Datenverbrauch im Ausland zu berechnen:

(Monatlicher Grundpreis / Großhandelspreis pro Gigabyte) * 2 = maximal im EU-Ausland nutzbares Datenvolumen in Gigabyte.

Klingt erstmal kompliziert, ist es aber gar nicht. Zuerst einmal setzt ihr eure monatliche Grundgebühr ein. Jetzt fehlt nur noch der Großhandelspreis pro Gigabyte. Dieser liegt aktuell (2022) bei 2,975 Euro (Nettopreis ohne Mehrwertsteuer: 2,50 Euro).

Rechenbeispiel

In eurem Handytarif stehen euch (wie beim SIMon mobile Flex) 8 GB für 8,99 Euro zur Verfügung. Wenn der Provider angibt, die Fair-Use-Policy zu verwenden, heißt das:

(8,99 Euro / 2,975 Euro) * 2 = 6,04 Gigabyte.

Während ihr im Inland also 8 Gigabyte pro Monat verbrauchen könnt, stünden euch im Ausland maximal (gerundet) 6 Gigabyte zur Verfügung. Bei Billigtarifen wie diesem also kein Wunder.

Wann greift die Fair Use Formel überhaupt?

Als Faustregel gilt: Bezahlt ihr weniger als 2,975 Euro pro Gigabyte (Nettopreis pro Gigabyte: 3 Euro) oder nutzt ihr einen der wirklich seltenen ungedrosselten Tarife, kann das im Ausland zur Verfügung stehende Datenvolumen durch den Provider begrenzt werden.

Hier zwei Beispiele:

  • Ihr nutzt einen Tarif mit 3 Gigabyte Datenvolumen und zahlt monatlich 4,99 Euro. Euer Handyanbieter kann die Fair-Use-Formel anwenden, da ihr weniger als 2,975 Euro pro Gigabyte Datenvolumen bezahlt (wird er aber nur dann tun, wenn euch dadurch nicht ein höheres errechnetes Datenvolumen im EU-Ausland zur Verfügung stünde wie in diesem Beispiel).
  • Ihr zahlt für den identischen Tarif 9,99 Euro monatlich. In diesem Fall greift die Fair-Use-Policy nicht.

Wichtig: Euer Handyanbieter muss euch über das Daten-Limit informieren. Findet ihr keine Information über die Anwendung der Fair-Use-Formel, dann steht euch auch im Ausland das komplette Datenvolumen zur Verfügung.

Infromiert eucht am besten noch einmal in den FAQ der Bundesnetzagentur.

Wie ist der Großhandelspreis pro Gigabyte gestaffelt?

Wichtig für die Ermittlung des maximalen Auslands-Datenvolumens ist der Großhandelspreis pro Gigabyte.

»Mit Wirkung vom 15. Juni 2017 darf das durchschnittliche Großkundenentgelt, das der Betreiber eines besuchten Netzes dem Roaminganbieter für die Abwicklung regulierter Datenroamingdienste über das jeweilige besuchte Netz berechnet, eine Schutzobergrenze von 7,70 EUR pro Gigabyte übertragener Daten nicht übersteigen. Dieses maximale Großkundenentgelt sinkt am 1. Januar 2018 auf 6,00 EUR pro Gigabyte, am 1. Januar 2019 auf 4,50 EUR pro Gigabyte, am 1. Januar 2020 auf 3,50 EUR pro Gigabyte, am 1. Januar 2021 auf 3,00 EUR und am 1. Januar 2022 auf 2,50 EUR pro Gigabyte. Sie bleibt unbeschadet des Artikels 19 bis zum 30. Juni 2022 bei 2,50 EUR pro Gigabyte übertragener Daten.« (Link zur Quelle)

Dieser soll gestaffelt reduziert werden. Hier sind die Preise für Deutschland (mit 19% MwSt. bereits umgerechnet, wer weiß, wie sich die MwSt. verändern wird, daher unter Vorbehalt nach jetzigem Standpunkt).

  • 9,16 € pro Gigabyte bis 31.12.2017,
  • 7,14 € pro Gigabyte ab 1. Januar 2018
  • 5,36 € pro Gigabyte ab 1. Januar 2019,
  • 4,17 € pro Gigabyte ab 1. Januar 2020,
  • 3,57 € pro Gigabyte ab 1. Januar 2021,
  • [su_highlight]2,975 € pro Gigabyte[/su_highlight] ab 1. Januar 2022
  • [su_highlight]2,38 € pro Gigabyte[/su_highlight] ab 1. Juli 2022
  • 2,14 € pro Gigabyte ab 1. Januar 2023
  • 1,84 € pro Gigabyte ab 1. Januar 2024
  • 1,55 € pro Gigabyte ab 1. Januar 2025
  • 1,31 € pro Gigabyte ab 1. Januar 2026
  • 1,19 € pro Gigabyte ab 1. Januar 2027 bis voraussichtlich 30.6.2032

»The average wholesale charge that the visited network operator may levy on the roaming provider for the provision of regulated data roaming services by means of the visited network shall not exceed a safeguard limit of EUR 2,00 per gigabyte of data transmitted. That maximum wholesale charge shall decrease to EUR 1,80 per gigabyte of data transmitted on 1 January 2023, to EUR 1,55 per gigabyte on 1 January 2024, to EUR 1,30 per gigabyte on 1 January 2025, to EUR 1,10 per gigabyte on 1 January 2026 and to EUR 1,00 per gigabyte by 1 January 2027, after which, without prejudice to Article 21, it shall remain at EUR 1,00 per gigabyte of data transmitted until 30 June 2032« (Quelle)

Für das oben genannte Beispiel mit dem 8-GB-Tarif für 8,99 Euro bedeutet das: Haltet ihr euch im Sommer 2022 zum Beispiel in Spanien auf, dürft ihr laut Fair-Use-Policy-Formel euer gesamtes monatliches Datenvolumen nicht ganz versurfen. 😉

Außerdem gelten als Höchstgrenzen (ohne MwSt.)

  • 0,19 € pro Minute für abgehende Gespräche (+MwSt.),
  • 0,0108 € pro Minute für ankommende Gespräche (+MwSt.),
  • 0,06 € pro gesendeter SMS (+MwSt.),
  • 0,20 € pro MB (+MwSt.).

Roam like at Home – für maximal vier Monate

Fühlt euch wie zu Hause. Theoretisch impliziert das die Roam-Like-at-Home-Regelung. Allerdings dürft ihr euch maximal für vier Monate im EU-Ausland aufhalten. Die Fair-Use-Policy ist nämlich zeitlich an eine 4-Monate-Regelung geknüpft.

4-Monate-Regelung beim Fair Use Prinzip

Und so heißt das konkret (Quelle: EU)

»Im Rahmen der Regelung der angemessenen Nutzung kann Ihr Betreiber über einen Zeitraum von vier Monaten Ihr Roamingverhalten beobachten und kontrollieren. Wenn Sie innerhalb dieser Zeitspanne länger im Ausland waren als zu Hause UND ein größeres Datenvolumen beim Roaming genutzt haben als im Inland, kann Ihr Betreiber Sie kontaktieren und eine Klärung Ihrer Situation verlangen. Dafür haben Sie 14 Tage Zeit.«

Aufschlag für Roaming nach 4 Monaten

»Wenn Sie nach Ablauf dieser Frist weiterhin mehr Zeit im Ausland als zu Hause verbringen und Ihre Roaming-Datennutzung die Nutzung im Inland weiterhin übersteigt, ist Ihr Betreiber berechtigt, einen [su_highlight]Aufschlag für Ihren Roamingverbrauch[/su_highlight] zu erheben. Für diese Aufschläge gelten die folgenden Obergrenzen (ohne MwSt.):«

  • 0,032 € pro Minute für Sprachanrufe (+MwSt.)
  • 0,01 € pro SMS (+MwSt.)
  • 2,50 € pro GB Daten (2022 geltende Obergrenze, +MwSt.) − die EU-Kommission ist in dieser Frage aber uneindeutig und schlägt ab 1.7.2022 eine Anpassung auf 2 € vor

(Nettopreise)

Fair Use Policy in Unlimited-Tarifen?

Eine Besonderheit gilt übrigens für die Unlimited Tarife. Hier setzen die Provider / Mobilfunknetzbetreiber 2022 folgende Fair-Use-Werte an.

AnbieterTarifEU-Datengrenze 2022 (2021)
TelekomMagenta Mobil XL58 GB (48 GB)
TelekomMagenta Mobil XL Young51 GB (42 GB)
TelekomMagenta Mobil Prepaid Max68 GB (56 GB)
VodafoneVodafone Red XL54 GB (45 GB)
VodafoneVodafone Young XL48 GB (40 GB)
VodafoneVodafone Pässe54 GB (45 GB)
o2o2 Free Unlimited Basic20,2 GB (16,8 GB)
o2o2 Free Unlimited Smart26,9 GB (22,4 GB)
o2o2 Free Unlimited Max40,7 GB (33,7 GB)

RLAH: Welche Aufschläge und Gebühren werden fällig?

Euer Provider darf die Dauer eures Auslandaufenthalts überprüfen. Haltet ihr euch länger als vier Wochen überwiegend im EU-Ausland auf, erhaltet ihr eine Warnung und habt zwei Wochen Zeit zu reagieren. Nutzt ihr euren Handytarif im Ausland weiter (ignoriert also die Warnung), dann müsst ihr mit Roaming-Aufschlägen rechnen.

Im Fach-Jargon der EU-Gesetzgebung wird dieses Vorgehen übrigens unter »stabile Bindung an einen Mitgliedstaat« und »objektive Indikatoren« erklärt.

Haltet ihr euch länger als vier Monate im Ausland auf oder verbraucht ihr mehr Datenvolumen als die Fair-Use-Formel vorsieht, ist der Provider berechtigt, nach einer entsprechenden Benachrichtigung Aufschläge zu berechnen. Diese entsprechen den oben angegebenen Großhandelspreisen.

Haltet ihr euch zum Beispiel deutlich länger als vier Monate in Italien auf, darf euer Provider (nach entsprechender Warnung) pro Minute 3,2 Cent und pro SMS 1 Cent (netto) verlangen. Beim Datenvolumen gilt: Im Jahr 2021 liegt der Aufschlag gemäß Preisliste bei 3 Euro pro Gigabyte, ab 2022 bei 2 Euro pro Gigabyte.

Fair Use Grenze: Regelungen gelten nicht immer

Die Verwendung der Fair Use Policy liegt bei den Providern. Diese müssen auf die FUP-Regelung und die damit verbundenen Einschränkungen hinweisen. Mittlerweile wenden viele (auch Billig-) Anbieter die Fair-Use-Regelungen an – in sehr viel älteren Tarifen (die bis 21. September 2017 abgeschlossen wurden), galt dagegen oftmals noch das alternative Europa-Paket. Das müsst ihr mitunter kündigen.

Auch o2 weist auf seinen Seiten auf die Fair-Use-Policy hin. Das ist gerade aufgrund der Tarife mit viel Datenvolumen sehr interessant.

Fair-Use-Policy in Prepaid-Tarifen

Was für klassische Laufzeitverträge gilt, ist auch für Prepaid-Tarife relevant. Bei Datenpaketen könnt ihr die oben beschriebene FUP-Formel anlegen.

Auf dem deutschen Mobilfunkmarkt kommt es zwar selten vor, dass Kunden ohne Datenpaket das mobile Internet nutzen. Dennoch gilt auch hier eine spezielle Regelung. Befindet ihr euch im Ausland und wollt mobil surfen, dann nehmt das auf eurer Prepaid-Karte befindliche Guthaben als Grundlage für die Berechnung. Die Höhe des Guthabens teilt ihr einfach durch den Großhandelspreis pro Gigabyte. So kommt ihr auf das Datenvolumen, das ihr mit eurem Guthaben maximal im EU-Ausland verbrauchen könnt.

Aktuell gilt also bei einem Guthaben von 13 Euro:

13 Euro / 2,975 Euro = 4,37 GB.

Ihr könnt also maximal 4,37 Gigabyte versurfen, wenn ihr euch zum Beispiel in Norwegen, Frankreich, Österreich oder Bulgarien im Urlaub befindet. Beachtet auch hier die jährlich sinkenden Großhandelspreise pro Gigabyte.

Alternative Europa-Pakete oder Inlandstarif statt Fair Use Policy

Die Fair-Use-Policy ist keine Pflicht. Einige (nur noch sehr) wenige Handytarife werden zum Beispiel ganz ohne Roaming umgesetzt, sind also ausschließlich im Inland nutzbar (sogenannte Deutschland-Tarife, hierzulande wirklich selten).

Und dann gab es vor allem zu Beginn der Roaming-Umstellung 2017 noch die alternativen Europa-Pakete, die in einigen Handytarifen voreingestellt sind oder zumindest gebucht werden können.

Diese beinhalteten ein zusätzliches Datenvolumen von damals meist maximal 1 Gigabyte, das ausschließlich im Ausland zur Verfügung steht. Außerdem sind meistens nicht nur die EU-Mitgliedstaaten, sondern weitere Länder wie die Schweiz, Andorra oder die Kanalinseln inkludiert. Ihr greift also nicht auf euer komplettes Datenvolumen im Ausland zurück, sondern müsst euch einschränken.

Nach Beschwerden der Verbraucherzentrale rückten jedoch viele Provider von den alternativen Paketen wieder ab und stellen diese zum Teil gegen eine Gebühr zum Hinzubuchen zur Verfügung.

Keine Fair Use Policy auf Kreuzfahrt!

Beachtet: Auf Kreuzfahrten oder im Flugzeug sowie auf Fähren greifen diese Regelungen nicht. Das Handy nutzt dann die sehr viel teureren Satelliten-Netze. Achtet also darauf, dass das Handy im Urlaub nicht zur Kostenfalle wird.

Profilbild von Stefanie
Schon seit 2011 ist Steffi als Redakteurin für verschiedene Online-Magazine und -Blogs unterwegs. Für Technik begeistert sie sich jedoch schon viel länger. Ihr erstes Handy? Ein Nokia 3310. Nach einem iPhone und einem Windows Phone (nein, kein Witz!) begleitet sie mittlerweile ein Android-Smartphone durchs mobile Leben. Und Abschalten? Das geht am besten beim Waldbaden, Power Metal hören oder bei einer Runde Assassin’s Creed.

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