Mit wechselbarem Akku

rephone im Test: Ein grüner Startschuss aus Deutschland

Das rephone ist ein deutsches Projekt, das ein wenig der Fairphone-Idee nacheifert. Dieser erste Schritt zu einem grüneren Umgang mit Smartphones, entsteht mithilfe recyceltem Kunststoff aus Nürnberg und kompostierbarer Pappe aus Schleswig-Holstein in Bocholt. Wir haben das rephone im Test!

rephone im Test - Front

rephone im Test: Wir nachhaltig ist das Smartphone wirklich?

Im Test des rephone schauen wir uns das Smartphone von 4G Systems aus Köln an. Es handelt sich um ein Standard-Mittelklassegerät, gehüllt in nachhaltig produzierte Werkstoffe und klimaneutral hergestellt. Einen Pluspunkt gibt es für den wechselbaren Akku. Generell wird das rephone über mobilcom-debitel vermarktet, vielen Dank an dieser Stelle für das Testgerät!

rephone - Verpackung geöffnet

Lieferumfang des rephone

Es liegt eine Kurzbeschreibung und ein USB-Kabel (USB Typ-A auf Typ-C) bei, aber kein Netzteil. Das rephone ist derzeit exklusiv über mobilcom-debitel mit und ohne Vertrag zu bekommen. Die UVP beträgt dabei 399 €. Es ist aber auch schon über Wiederverkäufer 50 € günstiger zu haben.

Die technischen Daten

Das Datenblatt des allerersten rephone liest sich – bis auf die Hauptkamera – 1:1 wie die vom Gigaset GS5:

  • Betriebssystem: Android 11 mit Updategarantie auf Android 12 und Sicherheitsupdates bis mindestens 2026
  • Bildschirm: 6,3″ FHD+ (2.340 x 1.080 Pixel) IPS-Display mit V-Notch
  • SoC: MediaTek Helio G85 (12-nm-Octa-Core mit 2.0 GHz)
  • Speicher: 6 + 128 GB, erweiterbar (microSD max. 512 GB)
  • SIM: Dual-SIM (Nano-SIMs)
  • Kamera: Dual-Kamera mit 64 MP (f/1.8, PDAF) Hauptkamera und 8 MP (f/2.2, AF) Ultraweitwinkelkamera/Makro; 16 MP Selfie-Kamera (f/2.0)
  • Akku: 4.500 mAh, wechselbar, kabellos ladbar (Qi)
  • Funk: 4G LTE, Bluetooth 5.0 & NFC
  • Sicherheit: Fingerabdruckscanner auf der Rückseite und Gesichtserkennung
  • Anschlüsse: USB Typ-C 2.0 + 3,5 mm Klinke

Design des rephone im Test

Das Aussehen des rephone ist relativ rudimentär, da die Rückseite eben kein Gorilla Glass ist und/oder keine Farb- oder Musterspielereien zu bieten hat. Mit seiner zweiten Kante wirkt es recht „industriell“ und damit robust.

rephone Test - Rückseite

Die Rückseite des rephone – komplett aus Recyclingkunststoff und ohne Kamera-Huckel (Foto: Handyhase.de/Michael Spieler)

Ein Vorteil dieser einfachen Hülle: Sie schließt die Dual-Kamera mit ein und vermeidet einen weiteren Huckel! Sie ist außerdem angenehm rauh, so dass sie weder Fingerabdrücke großartig anzieht, noch rutschig ist. Was sie an Attraktivität vermissen lässt, macht sie jedenfalls definitiv durch Alltagstauglichkeit wett.

Von Vorn sieht es eben aus wie jedes andere moderne Smartphone mit Tropfen-Notch für die Selfie-Kamera und der Bildschirm wird mit ca. 460 Nits auch vernünftig hell für den Preis. Hohe Bildwiederholfrequenzen ab 90 Hz wirst Du hier allerdings nicht finden und vermissen, wenn Du sie schon gewohnt bist.

Die rephone-Story

Das rephone wird bei Gigaset in Bocholt mit 100% Ökostrom und CO2-neutral zusammengebaut, dabei kommt die kompostierbare Grasverpackung aus Schleswig-Holstein und die Rückseite aus Recyclat von Sysplast aus Nürnberg.

https://myrephone.com/wp-content/uploads/2021/11/Made-in-Bocholt-Rephone.mp4

Für jedes hergestellte rephone wird außerdem ein anderes Smartphone fachgerecht recycelt. Der wechselbare Akku ist eine Art Markenzeichen der Gigaset-Smartphones, also auch kein Alleinstellungsmerkmal für das rephone. Seine Tauschbarkeit passt aber natürlich gut zur Öko-Story des rephone.

Betreibt die 4G Systems mit dem rephone Greenwashing?

Das rephone hat exakt fünf grüne Aspekte, die alle erstmal wenig mit den Komponenten zu tun haben, die alle aus Fernost kommen und das Smartphone an sich ausmachen. Die Endmontage erfolgt hier in Deutschland, aber die Komponenten müssen trotzdem aus China und Co. herbeigeschafft werden, denn hier stellt niemand Chips, Kameramodule, Speicher oder Akkus her.

rephone Test - Verpackung aus Grasfasern

Dafür kann 4G Systems natürlich nichts und versteht das rephone auch als eine Art Aufruf an Andere, daran etwas zu ändern. Das „Made in Germany“ auf der Rückseite wäre trotzdem korrekterweise eher ein „Assembled in Germany“.

Ökosiegel mit denen das rephone wirbt

Ökosiegel mit denen das rephone wirbt (Screenshot von myrephone.com)

Tatsächlich ist das rephone ein Gigaset GS5 mit anderem Kamerasensor und in anderer Verpackung. Hier musste also nicht viel Research & Development betrieben werden, da man sich ein fertiges Design genommen hat, das eine Rückseite aus recycling-Kunststoff bekommt und eine Pappschachtel aus Holsteingras.

rephone Test - Rückseite der Box

Das rephone fällt neben (aktuell) sieben anderen Geräten bei Gigaset aus der Montagestrecke, die alle wiederum selbst alle Nachhaltigkeitsaspekte mitbringen, die die Fertigung vor Ort zulässt. Nur eben nicht die Rückseite. Deren Akkus sind auch wechselbar und die Verpackungen FSC-zertifiziert. Das rephone ist kein Fairphone.

rephone Test - wechselbarer Akku

Der wechselbare Akku (4.500 mAh) des rephone (Foto: Handyhase.de/Michael Spieler)

Wenn es also gar nicht ins Gewicht fällt und schon beim Hersteller nur maximal 1/8 der Produktionsmenge ausmacht, bringt das dann überhaupt was? Wir denken schon, denn wenn keiner irgendwie anfängt, bleibt alles wie es ist. Im Rahmen der Möglichkeiten eines mittelständischen Unternehmens, ist es ein Projekt, das ausbaufähig ist und einen langen Atem braucht.

Die Niederländer von Fairphone sind inzwischen bei der 4. Generation angekommen und zeigen, dass die Idee tatsächlich umsetzbar ist, wenn man die Anfangsschmerzen in der Branche übersteht und sich nicht auf dem ersten Produkt ausruht.

Wie sich Firma und Produkt weiterentwickeln, wird das finale Urteil hierzu bestimmen, jetzt ist es definitiv noch zu früh dazu.

Prozessor, Akkus & Leistung

rephone Test - Innenleben

Das Innenleben des rephone (Foto: Handyahse.de/Michael Spieler)

Mit dem MediaTek G85 als Herzstück, ist das rephone so leistungsfähig wie zum Beispiel das Xiaomi Redmi Note 9 – kommt aber mit „vanilla“ Android 11 – also dem Betriebssystem direkt von Google und ohne irgendwelche Herstelleranpassungen an der Benutzeroberfläche oder komischen vorinstallierten Apps („Bloatware“)! Die drei getrennten Slots unter der abnehmbaren Rückseite ermöglichen den Dual-SIM-Betrieb, parallel zu einer microSD zur Speichererweiterung.

rephone Test - drei Slots für microSD & Nano-SIMs

Drei getrennte Slots für parallelen Betrieb von Speichererweiterung (microSD bis 512 GB) und Dual-SIM (Nano-SIMs) (Foto: Handyahse.de/Michael Spieler)

Die Kamera des rephone im Test

Die Dualkamera ist leider nicht so berühmt. Zumindest das was die Kamera-App aus den Sensoren herauszuholen vermag ist eher so auf dem Level „geht schon, aber“. Grundsätzlich ist das Ergebnis im Test des rephone am Ende meist besser als die Vorschau, denn hier ackert das Smartphone merklich. Leider ist diese sehr nachziehende Ansicht im „Sucher“ sehr unsexy und Fotos machen, macht so gar nicht richtig Spaß.

rephone Test - Dual-Kamera

Die Dual-Kamera (64 MP Weitwinkel & 8 MP Ultraweitwinkel/Makro) nebst Blitz des rephone (Foto: Handyhase.de/Michael Spieler)

Hauptkamera

Nachtaufnahmen sind dank eignem Modus zwar möglich, aber doch sehr verrauscht bzw. weichgezeichnet. Die besten Ergebnisse erzielst Du bei Tageslicht.

Ultraweitwinkel & Makro

Der Makromodus mit dem Ultraweitwinkelobjektiv und dem 8-MP-Sensor dahinter ist wirklich nicht schlecht und holt aus nahen Objekten viel Detail raus. Als Ultraweitwinkel bekommt man natürlich mehr Inhalt aufs fertige Bild, aber an den Rändern wird es unscharf und deutlich dunkler.

Selfie-Kamera

Die Selfie-Kamera bekommt in der Kamera-App mit dem Portraitmodus endlos vielen Optionen zur Selbstverschönerung. Die Ergebnisse, auch ohne Filter, können sich aber sehen lassen.

Fazit zum rephone im Test

Rein wirtschaftlich betrachtet, bekommst Du für 400 € natürlich schon mehr Leistung im Markt und Geräte die designtechnisch mehr zu bieten haben – z.B. das Motorola Moto G100 oder das OnePlus Nord 2. Andererseits hast Du dank der sehr leichten Reparierbarkeit (alles ist nur verschraubt und nicht verklebt) und der Wechselbarkeit des Akkus die Möglichkeit, viele Jahre etwas vom rephone zu haben ohne immer tief in die Tasche zu greifen.

Der Look der Benutzeroberfläche ist dank unverändertem Android sauber und übersichtlich (siehe Screenshots). Auf dem am weitesten links sitzenden Homescreen befinden sich die Google News und Du hast die Wahl aus 12 vorinstallierten Themes, die Du durch langen Druck auf den Homescreen (selber Weg zum hinzufügen von Widgets) wechseln kannst.

Der Prozessor ist inzwischen zwei Jahre alt und war in der G-Serie der Helio-SoCs von MediaTek auf Gaming ausgelegt, wobei die HyperEngine – insbesondere bei schwerer Last durch eine fordernde Game-Engines – die Ressourcen des Systems intelligent verteilt. Außerdem ist es für alle, die 4G LTE (Cat 7) dual benötigen ausgelegt. 5G kann der Chip nicht.

rephone - vorn schräg

Wir wissen jedoch nicht, ob so ein etwas zu schwaches Mittelklasse-Gerät den notwenigen Grund-Appeal hat, um langfristig Käufer anzuziehen.

weiterführender Link: rephone-Produktseiten

Profilbild von Michael
Schreibt freiberuflich für ein paar Online-Medien. Hält nichts von einer Gadget-Monokultur, auch im eigenen Haushalt. Apple-Produkte spielen seit 2003 eine Rolle, Android-Erstkontakt war das Motorola Milestone Ende 2009. Ist studierter Geophysiker und versucht, den Blödsinn vom Wesentlichen zu trennen.

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