5G: Der neue Mobilfunkstandard für Smartphones & die vernetzte Welt – 1&1 im Testbetrieb

  • aktualisiert am 27.04.2020
1&1 geht auf Sendung: Der Mobilfunkstandard 5G ist die Zukunft für eine schnelle Internet-Verbindung über das Mobilfunknetz. Smartphones und die vernetzte Welt, sowie auch autonome Fahrzeuge, werden davon stark profitieren. Doch wie ist der Stand der Dinge zum Netzausbau bei der Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch? Wer besitzt welche Frequenzen und welche Smartphones unterstützen den neuen Standard? Dies und mehr erfährst Du in unserem Ratgeber!

5G: Der neue Mobilfunkstandard für Smartphones und die vernetzte Welt - Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 bauen aus

vom 25.06.2020: 1&1 Drillisch hat wenige 5G-Stationen für interne Tests in Betrieb genommen. die eigentliche Netz-Ausbaustrategie sieht jedoch intensive Kooperation mit der Konkurrenz vor. Was genial klingt, droht an mangelnder Kooperationsbereitschaft zu scheitern.

Originalartikel vom 26.07.2019 – überarbeitet am 25.06.2020:

5G Netz in Deutschland: Versteigerung, Frequenzen & Handy

Die Frequenzen für den neuen Mobilfunktandard 5G sind vergeben. Wir zeigen Dir, welche Frequenzblöcke Telekom, Vodafone und Telefónica sowie 1&1 haben. Dabei gehen wir auch auf die Kosten der Frequenzversteigerung ein, die die Bundesnetzagentur veröffentlicht hat. Natürlich erfährst Du in diesem Ratgeber auch, welche Smartphones es für den neuen Standard gibt und wie der Netzausbau bei der Netzbetreibern voranschreitet.

Was ist 5G?

5G ist schlicht die Abkürzung für ‚5. Mobilfunkgeneration‘ und kurz gesagt die Weiterentwicklung von 4G – auch LTE (Long Term Evolution) genannt – weshalb ein Großteil der Basisstationen weiterverwendet werden kann. In manchen Fällen reicht sogar ein Firmware-Update der Basisstationen aus, um diese bereit für die fünfte Mobilfunkgeneration zu machen.

Welche Frequenzen hat 5G?

Im Gegensatz zu 4G LTE nutzt 5G überwiegend deutliche höhere Frequenzen für das Mobilfunksignal. Hierbei standen in der ersten Runde der Frequenzauktion der Bundesnetzagentur kurz BNetzA Frequenzen im Bereich von 2 GHz sowie 3,4 bis 3,7 GHz (auch „3,6-GHz-Bereich“ genannt) zur Versteigerung. Diese kurzwelligen Frequenzen sind eher nicht dazu geeignet, auf absehbare Zeit die Mobilfunkzukunft „in die Breite“ zu bringen. Antennen auf diesen Frequenzen müssen noch engmaschiger gebaut werden als es bei 4G LTE der Fall ist.

Im Rahmen der DVB-T-Abschaltung werden Blöcke im 700-MHz-Bereich frei. Diese werden ausschließlich auf das alte Trio aus o2, Telekom und Vodafone aufgeteilt. Dieser Frequenzbereich eignet sich hervorragend, um große Flächen abzudecken; weniger jedoch, um besonders hohe Bandbreiten zu erzielen. Vodafone hatte bereits im Sommer 2019 angekündigt, dies auszunutzen.

5G-Frequenzen für die Telekom, Vodafone, o2 und Drillisch (1&1)Wie ist die Frequenzversteigerung ausgegangen?

Die von der BNetzA als Inhaber der nationalen Lizenzen festgelegte Auktion ging vom 19.03.bis 13.06.2019. Es war die mit Abstand längste und eine der teuerste Frequenzversteigerungen überhaupt. Insgesamt sind 6,550 Milliarden € zusammengekommen, nach sagenhaften 497 Runden.

  • 1&1 mit 1,070 Mrd. € Gesamtkosten:
    • 2-GHz-Band mit 2×10 MHz (335 Mio. €)
    • 3,6-GHz-Band mit 50 MHz (0,735 Mrd. €)
  • Telekom mit 2,175 Mrd. € Gesamtkosten:
    • 2-GHz-Band mit 4×10 MHz (852 Mio. €)
    • 3,6-GHz-Band mit 90 MHz (1,323 Mrd. €)
  • Telefónica mit 1,425 Mrd. € Gesamtkosten:
    • 2-GHz-Band mit 2×10 MHz (381 Mio. €)
    • 3,6-GHz-Band mit 70 MHz (1,044 Mrd. €)
  • Vodafone mit 1,880 Mrd. € Gesamtkosten:
    • 2-GHz-Band mit 4×10 MHz (807 Mio. €)
    • 3,6-GHz-Band mit 90 MHz (1,073 Mrd. €)

Hier nochmals das ersteigerte Spektrum der Netzbetreiber in grafischer Form:

5G-Frequenzen für die Telekom, Vodafone, o2 und Drillisch (1&1)

Im Vorfeld haben sich mehrere Unternehmen beworben. Letzten Endes sind neben den drei bekannten deutschen Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone Deutschland und Telefónica Deutschland der Konzern United Internet mit seiner Marke 1&1 als vierter Bieter hinzugekommen. Gemäß der Vorgaben wurde je Frequenzblock, es stehen insgesamt 41 Frequenzblöcke zur Versteigerung, ein Mindestgebot zwischen 1,7 und 5 Millionen Euro von den Bietern erwartet.

Hierbei ist wichtig zu wissen, dass die Nutzungsrechte im 2-GHz-Band erst ab 2021 bzw. 2026 gelten.

Welche Frequenzbänder sind bei 5G wichtig?

In Deutschland sind zunächst drei 5G-Frequenzbereiche und damit -Bänder wesentlich, auf die Du beim Kauf eines „5G“-Smartphones achten musst:

  • 5G-Band n1: 2-GHz-Bereich
  • 5G-Band n28: 700-MHz-Bereich
  • 5G-Band n78: 3,6-GHz-Bereich
  • (später) 5G-Band n258: 26-GHz-Bereich (mmWave)

Welche Vor- und Nachteile hat 5G?

Zu Beginn wird die neue Technologie vor allem für die Industrie und Autonome Fahrzeuge von Bedeutung sein. Grund dafür ist nicht nur die höhere Geschwindigkeit bei der Übertragung von Daten, sondern vor allem die schnellere Reaktionszeit, genannt Latenz. Beträgt besagte Latenz im Schnitt noch etwa 50 Millisekunden in 4G-LTE-Netzen in der Praxis, sinkt dieser Wert auf etwa 3 Millisekunden mit dem 5G-Netzstandard in ersten praxisnahen Tests. Gerade bei autonomen Fahrzeugen kann dieser kurze Zeitraum den Unterschied zwischen Unfall oder keinem Unfall ausmachen.

Aber auch Privatkunden können von 5G profitieren. Dabei kommt das Thema Gaming und virtuelle Welten zur Sprache. Durch die schnelleren Reaktionszeiten lassen sich auch noch größere, bessere Videos innerhalb kurzer Zeit streamen. Dies bedeutet einen großen Fortschritt in Richtung Entertainment bei Musik und Film!

5G: Der neue Mobilfunkstandard für Smartphones und die vernetzte Welt - Telekom, Vodafone & o2 bauen aus

5G für die vernetzte Welt (Bild: mohamed_hassan)

Verbesserungen von 5G im Vergleich zu 4G auf einen Blick:

  • Kürzere Latenzzeiten unter 1 Millisekunde (ms)
  • Datenraten von bis zu 20 GBit/s im Downstream
  • Höhere Frequenzbereiche nutzbar
  • Höherer Datendurchsatz und größere Frequenzkapazitiät
  • Echtzeitanwendungen mit mehreren hundert Menschen gleichzeitig und weltweit (Gaming)

Wer hat 5G erfunden bzw. entwickelt?

‚Erfunden‘ im weitesten Sinne hat den Standard die 3GPP (Third Generation Partnership Project), welche auch für die technische Standardisierung zuständig ist. Das bedeutet, dass dieses Gremium, bestehend aus derzeit 6 nationalen Standardisierungsbehörden, sich um die technischen Grundlagen kümmert, damit Mobilfunkgeräte möglichst fehlerfrei miteinander „in derselben Sprache“ kommunizieren können. Ohne solche Vorgaben wäre eine Hersteller-übergreifende Kommunikation sehr schwer möglich.

Wer baut 5G Netze?

Gebaut werden die Netze von den jeweiligen nationalen Netzbetreibern. In Deutschland sind das die Deutsche Telekom, Vodafone Deutschland, Telefónica Deutschland und nun auch 1&1 Drillisch AG. Die notwendige Technik wird hierbei zum größten Teil von Huawei geliefert, aber auch Nokia Networks und Ericsson liefern Netzkomponenten an die Netzbetreiber.
Dadurch, dass nun auch 1&1 5G-Frequenzen ersteigert hat, wird der Konzern hinter den Drillisch-Marken sowie von 1&1 ebenfalls aktiv am Netzausbau mit eigenen Antennenstandorten eingreifen. Hier wird voraussichtlich ZTE als federführender Netzwerkausrüster zum Zuge kommen.

Wo gibt es 5G?

5G wird es überall in Deutschland geben. Gemäß den Auflagen durch die Bundesnetzagentur müssen bis Ende 2022 etwa 98 Prozent aller deutschen Haushalte eines Bundeslandes mittels 5G erschlossen sein. Hinzu kommt, dass alle Bundesautobahnen, wichtigsten Bundesstraßen sowie wichtige Fernstrecken des Bahnverkehrs mit mindestens 100 MBit/s versorgt werden müssen. In einer zweiten Ausbaustufe bis Ende 2024 sollen schließlich die restlichen Bundes-, Landes-, Staatsstraßen, Seehäfen und wichtige Wasserstrecken mit ebenfalls mindestens bis zu 100 MBit/s erschlossen werden.

Die ersten tatsächlich ganz normal kommerziell nutzbaren 5G-Netze gab es jedoch unter anderem zuerst in Südkorea und den USA. In Europa gelten Frankreich sowie Großbritannien als Vorreiter mit dem Start kommerzieller Netze für Privatkunden, aber auch in der Schweiz und in Österreich sind die ersten 5G-Netze schon in nennenswertem Umfang in Benutzung. Alle genannten Länder haben im Frühjahr 2019 den Start vollzogen. In Deutschland werden seit etwa Jahresmitte entsprechende Tarife angeboten, die aber zunächst nur für Tester zur Verfügung standen.

Wie lange dauert es, bis 5G ausgebaut wird?

Dazu gibt es keine verlässlichen Angaben, da der Ausbau von vielen Faktoren abhängt. Vor allem die Höhe der Investitionen in die Frequenzlizenzen wird den Ausbau massiv beeinflussen, da diese Summen am Ende für den eigentlichen Netzausbau fehlen. Laut Deutscher Telekom ist jedoch bis zum Ende 2019 mit einem ersten kommerziell verfügbaren 5G-Netz zu rechnen, welches im kleinen Rahmen unter Praxisbedingungen getestet werden soll.

5G-Netz: Ausbau und Verträge bei Telekom, Vodafone, o2 und Co.

Jeder möchte bei 5G der Erste sein, aber nicht jeder schafft es. Zudem stehen den Mobilfunkern noch viele Steine im Weg. Von einem flächendeckenden oder gar gut ausgebauten 5G-Netz in Deutschland, sind wir noch weit entfernt. Allerdings schreitet der Ausbau voran, wie die Vorhaben, Ziele und bereits getätigten Schritte der Telekom, Vodafone, o2 und 1&1 zeigen.

Telekom & 5G:

Bei der Deutschen Telekom erfolgte der Start des 5G-Netzes Anfang September 2019 unter anderem in Berlin, Bonn, Darmstadt, Köln und München. Du kannst den Ausbau auf der interaktiven Karte verfolgen. Der 5G-Ausbau erfolgt im Eiltempo im Frequenzbereich um 2100 MHz, aka 5G Band n1. Das hat YouTuber Tobias Dirking April 2020 herausgefunden und wurde von der Telekom mittlerweile bestätigt.

Die Telekom bietet bereits erste 5G-kompatible Tarife, die preislich im gewohnten Rahmen liegen. Alle Kunden mit einem der neuen MagentaMobil-Tarifen können ohne Aufpreis 5G nutzen, sofern es natürlich verfügbar ist. Mehr zu den Telekom Tarifen mit 5G erfährst Du in einem anderen Artikel.

Vodafone & 5G:

Vodafone hatte im Sommer 2019 mitteilt, mit Ausbau und Freischaltung des 5G-Netzes mit 700 MHz (5G Band n28) zu beginnen. Dadurch ist eine erheblich bessere Abdeckung in der Fläche von mehreren Quadratkilometern möglich. Auch Vodafone zeigt 5G auf seiner Netzkarte an, ist bei den Standorten jedoch nicht so genau.

Vodafone hat die 5G-Option für alle Neu- und Bestandskunden mit Verträgen in den Tarif-Familien Red-, Young- und Red Business Prime kostenlos freigeschaltet. Mehr zu dieser Option bei Vodafone erfährst Du in einem anderen Artikel.Wer schon jetzt einen 5G-Tarif bestellt, kann vorerst nur punktuell bereits 5G nutzen. Ansonsten surfst Du mit 4G bzw. LTE Max über das gut ausgebaute Netz. Alle Infos zu den Preisen, der Verfügbarkeit und den Details der Tarife von Vodafone erfährst Du in separaten Bericht.

o2 & 5G:

o2 bekonnt den 5G-Netzaufbau in Berlin, München, Hamburg, Frankfurt am Main und Köln. In ländlichen Regionen soll dagegen vorerst LTE stärker ausgebaut werden. O2 fokussiere sich bei 5G auf die Industrie, wie uns die Pressestelle auf Nachfrage mitgeteilt hat. 5G-fähige O2-Tarife sind o2 Free Unlimited Smart / Max + Free L (Boost) (achte auf das Label „5G-ready“). Bestehende Verträge  vom Typ o2 Free Unlimited vom Jahr 2018 werden nicht nachträglich 5G-ready.

1&1 & 5G:

Die Drillisch Netz AG hat im Namen von United Internet als Dachkonzern an der Frequenzauktion teilgenommen und sich mehrere Frequenzen gesichert. Um den eigenen Plänen folgend noch im Jahr 2021 starten zu können, hat der Konzern von Konkurrent Telefónica Deutschland zwei Frequenzblöcke in den künftigen 5G-Frequenzen angemietet. Weiteres zu dem Deal, der auch zu National Roaming führen könnte, erfährst Du in einem separaten Artikel.

Entsprechend vermarktet 1&1 derzeit so genannte „5G ready“-Verträge ausschließlich in Verbindung mit Tarifen auf Basis des o2-Netzes. Im Hilfecenter heißt es weiter, D-Netz-basierte 1&1-Tarife seien derzeit nicht als 5G ready erhältlich.

Auf der technischen Seite heißt s, 1&1 werde ein „Open-RAN-5G-Netz errichten“. Dies hatte der United-Internet-Vorstandsvorsitzende Ralph Dommermuth auf dem 2. Mobilfunkgipfel in Berlin am 16. Juni 2020 verkündet. Golem berichtet, 1&1 fehle „eine Vereinbarung zu nationalem Roaming mit den bestehenden Mobilfunkbetreibern. Man verhandele hier seit einem Jahr, bisher ohne Ergebnis.“ Im Falle einer Einigung würde der Netzbetreiber jedoch die Weichen für das innovativste 5G-Netz Europas stellen. Bisher gibt es nur in Japan ein Open-RAN-5G-Netz. die Hardware stammt dort von Cisco und NEC.

Smartphone mit 5G

Schon früh warben manche Hersteller mit „5G“-Smartphones. Manche von ihnen kamen auf den Markt, bevor wichtige Details zum eigentlichen Netz der fünften Generation bekannt waren. So kam es, dass die ersten verfügbaren Modelle wie Xiaomi Mi Mix 3 5G, Samsung Galaxy S10 5G, Galaxy Fold, Huawei Mate X, LG V50 ThinQ 5G, ZTE Axon 10 Pro 5G, oder OnePlus 7 Pro 5G nun nicht wirklich 5G-fähig sind. Ihnen fehlt das wichtige Band n78, das den hierzulande kritischen Frequenzbereich um 3,6 GHz abdeckt. Siehe dazu auch unser Überblick zu allen 5G-Smartphones!

Marleen
Redaktion Marleen

Die Technik- und Mobilfunk-Expertin Marleen ist bereits seit 2009 kein unbeschriebenes Blatt mehr in der Branche. Nach dem Studium der Information- und Medientechnik absolvierte sie ein Volontariat bei einem großen Telekommunikationsmagazin und verblieb dort auch 9 Jahre. Bereits dort hatte sie ersten Kontakt mit Schnäppchen. Seit November 2017 ist Marleen als Chefredakteurin bei Handyhase.de tätig. Die Liebe zur Technikszene geht aber über den Beruf hinaus und ist auch zu einem Hobby geworden, dem sie mit größter Leidenschaft nachgeht. Ihr erstes richtiges Smartphone war ein Samsung H1, damals noch mit Vodafone-Vertrag. Aktuell besitzt sie als Hauptgeräte ein Honor View 20 mit Telekom Handytarif und ein wechselndes Testgerät. Als kleiner Daddeldaumen spielt sie auch gerne mal ein paar Stunden Borderlands 3 auf der Playstation 4 oder schaut sich als Serienjunkie etwas auf Amazon Prime Video, Videoload oder Sky an. Beliebte Mottos von ihr sind "Carpe Noctem" oder "Weltherrschaft". :-)