5G-Tarife gestartet

1&1 Drillisch 5G: Alle Infos zu Ausbau & Tarifen – Start des 5G-Netzes verschiebt sich auf 2022

  • aktualisiert am 25.01.2021
Der Start des eigenen 5G-Netzes ist bei 1&1 Drillisch für 2022 zu erwarten. Denn der Netzbetreiber, hinter dem der Großkonzern United Internet steht, ging als einer der großen Gewinner der ersten 5G-Frequenzauktion hervor. Nachdem die notwendigen Frequenzlizenzen erfolgreich ersteigert wurden, wird hinter den Kulissen nun fleißig gewerkelt, um das eigene Netz an den Start zu bringen. Doch es gibt einige Hürden zu überwinden!
1&1 Drillisch 5G Pläne

(Bild: 1&1; Montage: handyhase.de)

vom 25.01.2021: Die Pläne für den Netzausbau nehmen immer konkretere Formen an. Laut dem Handelsblatt (Paywall, via Business Insider) hat man zumindest in den vergangenen Monaten die Netzpläne ausarbeiten, Kooperationen mit Netzausrüstern verhandelt und das eigene Glasfasernetz für 5G-Antennen massiv ausbauen können. Allerdings ist jetzt die Rede davon, dass das eigene 5G-Netz frühestens 2022 in den regulären Betrieb gehen kann. Zumindest will man im Sommer 2021 mit dem konkreten Bau des Netzes beginnen, um die Auflagen der Bundesnetzagentur (BNetzA) erfüllen zu können.

Das eigene 5G-Netz von 1&1 Drillisch: Alle Infos

Wie Konzernchef Ralph Dommermuth im Rahmen der Halbjahresbilanz für das Geschäftsjahr 2019 mitteilte, wird der Start des eigenen 5G-Netzes für das Jahr 2021 angepeilt, berichtet unter anderem Heise Online. Derzeit befinde man sich noch in Verhandlungen mit potenziellen Netzwerkausrüstern, darunter Ericsson, Nokia, ZTE und natürlich Huawei. Besagte Verhandlungen mit Netzausrüstern sind zumindest so weit vorangeschritten, dass ab Sommer 2021 mit dem konkreten Bau des Mobilfunknetzes begonnen werden kann. Ein Start noch 2021 ist allerdings – realistisch gesehen – nicht mehr machbar.

Anhaltenden Gerüchten zufolge könnte ZTE den größten Anteil am künftigen vierten Mobilfunknetz in Deutschland bekommen, was den Aufbau von Funkmasten und weiterer Infrastruktur anbelangt. „Wir sind gerade dabei, die ersten 5G-Antennen für einen Testbetrieb zu bauen“, sagte Dommermuth am Unternehmenssitz in Montabaur.

Erste Sender aufgebaut: Netz-Experten beobachten Standorte

Auf Twitter und in anderen sozialen Medien machen erste Bilder von mutmaßlichen 5G-Standorten die Runde. Auf unsere Anfrage hin hat ein Sprecher des angehenden Mobilfunk-Netzbetreibers bestätigt, dass „an mehreren Standorten 5G-Technologie verschiedener Anbieter“ getestet wird.

1&1 Drillisch 5G Standort Sender

Der mutmaßliche 5G-Sender am Standort Karlsruhe (noch ohne Betrieb). Mit freundlicher Genehmigung von @xeoniki200

Sichtungen wurden gemeldet von den United-Internet-Standorten in Karlsruhe und Montabaur. Dabei wurden auch erste Sendeaktivitäten gemessen.

Für die Kunden von 1&1 und potenzielle Interessenten bedeutet dies jedoch vorerst nicht, dass sie ein 5G-Netz von 1&1 Drillisch nutzen können. Der Test „ist Teil des Entscheidungsprozesses für den künftigen Netzausrüster, mit dem 1&1 Drillisch sein 5G-Netz bauen wird“, hieß es weiter auf unsere Anfrage hin.

5G-Tarife vorerst im Telefónica-Netz

Am 06.10.2020 wurden echte 5G-Tarife von 1&1 angekündigt. Beide Varianten sind Stand Januar 2021 seit einiger Zeit buchbar und bieten Zugriff auf das 5G-Netz von Telefónica. Im einzelnen sind dies:

  • 1&1 All-Net-Flat 5G XL mit 40 GB 5G-Volumen statt 20 GB. In den ersten 6 Monaten fallen reduzierte 19,99 € Grundgebühr an, danach regulär 34,99 € mtl.
  • 1&1 All-Net-Flat 5G XXL mit 100 GB 5G-Volumen statt 50 GB. 6 Monate lang kostet der Tarif reduzierte 24,99 € Grundgebühr, danach 39,99 € im Monat.

Die zuvor verfügbar gewesenen 1&1 All-Net-Flats im Telefónica-Netz mit der Angabe „5G ready“ sollten mittlerweile die Freischaltung für das 5G-Netz von Telefónica bekommen haben. Kunden wurden entsprechend über die Änderung der Tarifleistungen informiert. Ähnlich wie bei o2 erfolgt der 5G-Zugang per (kostenlos aktivierter) Option.

Welche Probleme kann es für 1&1 beim 5G-Ausbau geben?

Ob das Ziel zu schaffen ist für 1&1 Drillisch, hängt nicht nur von Kooperationsverträgen mit den Netzwerkausrüstern ab, sondern auch davon, ob Gemeinden überhaupt das Aufstellen neuer Funkmasten genehmigen.

Nicht zuletzt die Deutsche Telekom sieht sich immer öfters in der Zwickmühle, dass man zwar das Netz deutlich ausbauen und damit „verbliebene weiße Flecken“ schließen oder das Netz an sich besser machen will, aber Gemeinden als Besitzer öffentlicher Gebäude und/oder Grundstücke das Aufstellen der nötigen Funkmasten mitten im Gemeindegebiet verweigern.

Ein zunehmendes Problem, dem auch 1&1 Drillisch bei seinen 5G-Plänen gegenüber stehen dürfte.

Schwieriger Start mit gewissem Restrisiko

Damit 1&1 Drillisch sein eigenes Netz erfolgreich starten kann, bedarf es jedoch neben dem Aufstellen von eigenen Funkmasten noch einer anderen Lösung. Damit ein flächenmäßig nutzbares Netz zustande kommt, ist 1&1 Drillisch zwingend auf National Roaming in anderen Netzen angewiesen. Neben Telefónica Deutschland mit seiner Kernmarke o2 stehen auch die Telekom und Vodafone auf der Liste der Verhandlungspartner.

„Mein Bauchgefühl ist, dass wir National Roaming angeboten bekommen, auch von Vodafone oder von der Telekom – die Frage ist aber natürlich zu welchen Konditionen“, sagte Dommermuth zu dem Thema. Die Bundesnetzagentur jedenfalls hat die Frequenzlizenzen für 5G mit der Auflage des diskriminierungsfreien Zugangs weiterer Anbieter verknüpft.

Genau darin sieht auch Dommermuth die Notwendigkeit, um erfolgreich ein viertes Mobilfunknetz in Deutschland starten zu können. Zumindest zu Beginn, solange das eigene Netz noch erhebliche „weiße Flecken“ aufweisen wird.

Streitpunkt Kosten für National Roaming

Jedoch scheitert das Vorhaben bisher an den unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich der Kosten für nationales Roaming. Während die drei Netzbetreiber gemäß eigener Aussagen preislich durchaus attraktive Angebote vorgelegt haben, sieht United-Internet-Konzernchef Dommermuth die Angebote als zu teuer an. Die Fronten zwischen Telekom, Vodafone, Telefónica und United Internet sind dermaßen verhärtet, dass seit Sommer 2020 die BNetzA vermitteln muss – ebenfalls bisher ohne Ergebnis.

Nach Ansicht von Dommermuth ist die Weigerung von Telekom, Vodafone und Telefónica zu seinen Vorstellungen eine National-Roaming-Vereinbarung abzuschließen, eine (indirekte?) Blockadehaltung der etablierten Netzbetreiber, um einen vierten Mitbewerber zu verhindern.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass besagte drei Netzbetreiber argumentieren, die 1&1 Drillisch AG als ausführendes Unternehmen für das 1&1-Netz habe zu wenig konkrete Schritte unternommen für einen Netzausbau, wie unter anderem 4G.de berichtete. Genau diesen Punkt hat der Konzern laut eigenen Aussagen in den vergangenen Monaten in Angriff genommen durch den Glasfaserausbau. Ob nun wieder etwas Bewegung in die Verhandlungen kommt, bleibt offen.

Gibt es einen Plan B ohne eigenes 5G-Netz?

Im schlimmsten Fall müsste sich 1&1 Drillisch entweder einen finanzkräftigen Partner suchen oder die Frequenzlizenzen wieder verkaufen. Diesen Weg schließt Dommermuth zumindest aus: „Wir haben das Frequenzspektrum ersteigert und sind am Verhandeln […], weil wir ein eigenes Netz bauen wollen.“ Einen Plan B ohne eigenes 5G-Netz gebe es schlichtweg nicht.

Telefónica bietet Schützenhilfe für den 5G-Start

Bis es mit dem National Roaming tatsächlich vorangeht, mietet 1&1 Drillisch kurzerhand Netzkapazitäten bei Telefónica Deutschland an. Konkret geht es um zwei Frequenzblöcke mit jeweils 10 MHz Bandbreite im 2,6-GHz-Band. Natürlich gibt Telefónica Deutschland diese nicht ohne Grund ab: Die Vermietung ist ein Teil der EU-Auflagen zur Übernahme von E-Plus im Jahr 2014.

Der CEO von 1&1 Drillisch, Ralph Dommermuth, kommentiert die Anmietung folgendermaßen: „Die nun getroffene Vereinbarung ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Aufbau unseres 5G-Netzes. Mit dem von Telefónica angemieteten Spektrum überbrücken wir den Zeitraum, bis unsere eigenen Frequenzblöcke im Bereich 2 GHz nutzbar sind.“

Bis wann gilt der Mietvertrag für die Netzkapazitäten?

Der Mietvertrag gilt dabei vorerst nur bis Ende 2025 und hat die Zustimmung der BNetzA erhalten – was als reine Formsache galt.

Hintergrund ist, dass die von 1&1 Drillisch ersteigerten Frequenzblöcke im 2-GHz-Bereich erst ab dem 01.01.2026 von der BNetzA freigegeben werden. 1&1 Drillisch kann durch diese Aktion daher schon eher mit einem mehr oder weniger eigenen 5G-Netz starten. Zumindest lassen sich so die eigenen Pläne einhalten, ab 2021 2022 mit einem eigenen Netz zu starten.

Auf dem Weg zum National Roaming

Vor allem in einem Hinblick ist die Anmietung der Netzkapazitäten interessant. Die bisherige Regelung ist eine zwingende Voraussetzung für ein mögliches National Roaming. So kommentiert Telefónica Deutschland: „Die sich aus einer solchen Umwandlung ergebende Fortsetzung der langjährigen Netz-Partnerschaft beider Unternehmen würde Telefónica auch weiterhin anhaltende Erlöse aus der Kooperation sichern.“

Da 1&1 Drillisch lediglich über insgesamt 70 MHz Spektrum in den künftigen 5G-Bändern mit 2 GHz und 3,6 GHz besitzt, kommt der Konzern nicht drum herum, auf National Roaming zu setzen. Rein physikalisch wäre ein flächendeckendes Netz mit den ersteigerten Frequenzblöcken wirtschaftlich und Infrastrukturmäßig so gut wie nicht machbar. Derzeit ist jedoch noch kein Abkommen mit anderen Netzbetreibern unter Dach und Fach.

Mit den genannten Frequenzen wäre eine stabile Versorgung nur auf kurze Strecken möglich, nicht jedoch über größere Distanzen. Auf lange Sicht wird sich 1&1 Drillisch auch mit der Ersteigerung von Frequenzblöcken bei niedrigen Frenquenzbändern beschäftigen müssen, um ein Netz in der Fläche, zum Beispiel außerhalb von Großstädten, überhaupt vernünftig realisieren zu können.

Mehr Wettbewerb durch neues 1&1 5G Netz und ernste Hürden

Für Marktbeobachter könnte das Engagement von 1&1 Drillisch für 5G-Frequenzen vor allem für Verbraucher ein Vorteil sein. So wird von Experten erwartet, dass 1&1 Drillisch eine aggressive Preisstrategie anvisiert, was zu einem härteren Konkurrenzkampf und damit schneller sinkende Preise für den Verbraucher bedeuten kann, als wenn nur die bekannten drei Big Player um die Kundschaft buhlen würden.

Zu Beginn werde man jedoch verstärkt LTE ausbauen und nicht komplett auf 5G setzen. Gründe dafür sind zum einen die fehlende Telefonie-Unterstützung der derzeitigen 5G-Netztochnologie, als auch die Tatsache, dass 4G LTE noch über Jahre hinweg den Massenmarkt bedienen werde. Dafür sei unter anderem ein Punkt der Mangel an bezahlbaren Smartphones mit 5G im Mittelklasse- und vor allem Einsteigerbereich, auch wenn sich das durch Modelle wie das Xiaomi Redmi Note 9T 5G bereits ändert.

Zudem kommt hinzu, dass Dommermuth damit rechnet, dass der Austausch der im Umlauf befindlichen Smartphones auf 5G-fähige Geräte noch mehrere Jahre benötigen wird.

Weitere Informationen zu 5G an sich findest Du in unserem Ratgeber zu dem Thema.

Originalartikel vom 16.08.2019 – zuletzt aktualisiert am 25.01.2021.

Stefan
Redaktion Stefan

Der Hardware-Hai Stefan hat seine Mobilfunk-Anfänge schon weit vor seinem Studium der Angewandten Informatik unternommen. Seitdem hat sich das Hobby zum Beruf gewandelt und während des Studiums erfolgte 2012 der Einstieg in die Blogger- & Redaktions-Welt.

Beteiligte Autoren: Handyhase Daniel